Grüner Pfeil sorgt auch in Aachen weiter für Debatten

Verkehrssicherheit in Aachen : Grüner Pfeil sorgt weiter für Debatten

Er gilt als eines der wenigen regel(ge)recht richtungsweisenden Relikte aus DDR-Tagen – doch am Grünen Pfeil scheiden sich zuweilen nicht nur die Verkehrsströme, sondern auch die Geister.

Immerhin rund 40 der kleinen Schilder gibt es derzeit in Aachen. Quadratisch, praktisch, gut – oder doch eher eine veritable Gefahrenquelle?

Vor allem in Metropolen wie Berlin sorgt der kleine Pfeil dieser Tage wieder für große Debatten. Initiativen wie die Fußgänger-Lobby „Fuss“ und Behindertenverbände plädieren dafür, das naturgemäß gerade von vielen Autofahrern durchaus geschätzte Miniblech auf den Müllhaufen der bundesdeutschen Verkehrsgeschichte zu befördern.

An immerhin rund 40 Ampelanlagen gestatten die grünen Symbole auf schwarzem Grund Auto- oder Radfahrern auch in Aachen derzeit noch das Rechtsabbiegen trotz Rotsignals für andere Richtungen. Zur Jahrtausendwende, als der Grüne Pfeil auch im Dreiländereck eingeführt wurde, waren es noch rund 60. „Wir prüfen regelmäßig in enger Zusammenarbeit mit der Polizei, ob und wo die Schilder tatsächlich zu vermehrten Unfällen führen“, betont Björn Gürtler vom städtischen Presseamt.

In Zweifelsfällen gelte unbedingt: Vorfahrt für Sicherheit. In den vergangenen Jahren haben die Experten indes kaum einmal die Rote Karte in Sachen Grüner Pfeil gezückt – die Unfallbilanz an den verbliebenen Stellen, etwa auf dem Grabenring oder an den größeren Ausfallstraßen, sei unauffällig, bestätigt auch Polizeisprecher Paul Kemen. „Im Prinzip befürworten wir daher den Grünen Pfeil, weil er dazu beiträgt, den Verkehrsfluss zu verbessern“, sagt Kemen.

Vor allem für Menschen mit Seh- und Hörschwächen sei das Signal jedoch oftmals ein rotes Tuch, betont dagegen Bernd Neuefeind vom Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion. Schließlich könnten blinde Menschen generell eben nicht erkennen, ob sie wirklich ohne jede Gefahr losgehen dürften. Da stelle das vorzeitige Rechtsabbiegen für Pkw naturgemäß ein verschärftes Problem dar.

Rechts abbiegen ohne Rotlicht: Vor allem wenn rechts, wie hier an der Einmündung der Reinhardstraße in die Trierer Straße, keine Fußgänger queren, erhöht der Grüne Pfeil den Verkehrsfluss. Foto: ZVA/michael jaspers

Allerdings sei wohl nichts dagegen einzuwenden, dass der Pfeil an kleineren Einmündungen quasi Bestandsschutz genieße, sofern es dort keine Fußgängerüberwege gebe. „Viel wichtiger erscheint uns, dass die Stadt noch viel mehr tun muss, um mehr große Verkehrsknoten mit akustischen Signalen auszustatten“, ergänzt Neuefeind. „Vor allem am Hansemannplatz und im Bereich des Kaiserplatzes besteht da weiter massiver Handlungsbedarf. Trotzdem sind dringend erforderliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation etwa am Hansemann jetzt wieder aufs kommende Jahr verschoben worden.“

„Grundsätzlich sollte gelten: Rot ist Rot“, meint auch Ralf Oswald vom Vorstand des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Aachen. Zwar sind Autofahrer verpflichtet, in jedem Fall kurz anzuhalten, bevor sie die spezielle Vorfahrtsregelung in Anspruch nehmen dürfen – andernfalls droht ein Bußgeld von 70 Euro nebst einem Punkt in der Verkehrssünderdatei. „Viele wissen aber gar nicht mehr, was es mit den Grünen Pfeilen überhaupt auf sich hat“, meint Oswald. „Auch wir plädieren deshalb dafür, sie wieder abzuschaffen. Zumal wir nicht den Eindruck haben, dass sie einen besonderen Beitrag zur Vermeidung von Staus leisten.“

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