Aachen: Grüne wollen Umweltstandards für Busse festschreiben

Aachen : Grüne wollen Umweltstandards für Busse festschreiben

Der öffentliche Nahverkehr ist nach gängiger Lehrmeinung gut für die Umwelt. Doch auch wenn ein gut besetzter Bus weniger Schadstoffe durch den Auspuff bläst als die vielen Autos, mit denen die Passagiere sonst unterwegs wären — reichlich Abgase stoßen die viele Fahrzeuge immer noch aus.

Die Grünen wollen das ändern: In einem Ratsantrag fordern sie, dass künftig nur noch emissionsarme Linienbusse über Aachens Straßen rollen.

Gerade hier haben die grünen Ratsleute Sabine Göddenhenrich und Roland Jahn ein gehöriges Potenzial ausgemacht. Zur Verbesserung der Luftqualität sei beim Autoverkehr „nicht mehr viel zu holen“, meint Göddenhenrich. Derzeit seien schon über 90 Prozent der Pkw auf den Straßen der Stadt so schadstoffarm, dass sie eine grüne Plakette hätten.

Auch bei den leichten und selbst bei den schweren Lastwagen habe sich viel getan, hat Jahn ausgemacht. „Aber bei den Bussen hinken wir hinterher.“ Rund die Hälfte der Fahrzeuge gehöre zur Schadstoffgruppe 4, die andere Hälfte sei älter und schmutziger. Dabei gilt die Aseag noch als relativer Musterschüler. 58 Prozent ihrer Fahrzeuge erfüllten die Euronormen 5 oder 6, erklärt Roland Jahn.

„Das könnte besser sein“, meint er, doch sein Blick schweift weiter als nur über die 209 Fahrzeuge der Roten Flotte: Rund 40 Prozent ihrer Verkehrsdienstleistungen vergebe die Aseag an Subunternehmer, erklärt Jahn, und deren Wagen würden moderne Umweltstandards häufig nicht erfüllen.

Nach dem Willen der Grünen müssten sie das aber schon ab dem kommenden Jahr. Dann sollten in Aachen nur noch Busse eingesetzt werden, die „die Grenzwerte Abgasnorm Euro 5 einhalten oder emissionsärmer sind“, heißt es in ihrem Ratsantrag. Diese Vorgabe solle im Nahverkehrsplan der Stadt festgeschrieben werden.

Dass die Aufträge der Aseag mit gewissen Anforderungen verbunden seien, sei für die Subunternehmer nicht neu, meinen die Grünen. Auch bislang schon müssten sie etwa ihre Fahrzeuge technisch so ausstatten, dass sie mit der Leitstelle der Aseag kommunizieren könnten. Die Erfüllung strengerer Abgasnormen würde sie zusätzlich belasten.

„Jedes Drehen an der Schraube führt zu Investitionen“, weiß Jahn, „da entstehen Kosten.“ Diese Summen müssten die Subunternehmer in ihre Kalkulation einbeziehen. Sie würden dann wohl ihre Leistungen zu etwas höheren Preisen der Aseag als Auftraggeberin in Rechnung stellen, meinen die Grünen. Und das erhöhe wohl das Defizit des kommunalen Unternehmens. Derzeit liege das schon bei 20 Millionen Euro, weiß Jahn, Bei Umsetzung des Ratsantrags der Grünen könnte noch einmal eine siebenstellige Summe hinzukommen.

Dieses Geld sei nicht durch eine Anhebung der Fahrpreise wieder hereinzuholen, meint Roland Jahn, „das werden wir nicht durchsetzen können“. Also müsse die Stadt Geld in die Hand nehmen, für Sabine Göddenhenrich führt daran kein Weg vorbei.

Nach der Ablehnung der Campusbahn sei klar, dass nun über Verbesserungen beim Busverkehr geredet werden müsse. Die elek­trisch betriebene Bahn hätte „viele positive Faktoren“ gehabt, „die es so in einem Plan B noch nicht gibt“.

Aber die Diskussion über die Campusbahn ist Schnee von gestern („die Entlastung müssen wir jetzt anders schaffen“, sagt Göddenhenrich), aktuell steht der Luftreinhalteplan auf der Agenda. Das Maßnahmenbündel, mit dem die Stadt bislang die Einführung einer Umweltzone vermeiden konnte, müsse fortgeschrieben werden, erklärt Göddenhenrich, weitere Anstrengungen seien nötig.

Dabei sieht sie durchaus Erfolge auf dem bisher zurückgelegten Weg. Die Jobticket-Kampagne, ein attraktiverer öffentlicher Nahverkehr oder auch der Ausbau von Radwegen haben nach ihrer Ansicht schon zu einer „stetigen Verbesserung“ geführt. Dass in Aachen die Feinstaub-Grenzwerte dennoch zu oft überschritten werden, führt auch sie — wie auch die Verwaltung — auf die Großbaustelle am Kaiserplatz zurück.

Dennoch gebe es auch ohne diesen Effekt „noch zu viele Tage, an denen die Werte bei den Stickoxiden überschritten werden“. Das könne nicht hingenommen werden. „Wir haben die Verpflichtung, da zu handeln“, betont Sabine Göddenhenrich, „wir müssen diese Normen erfüllen, und es dient ja auch der Gesundheit.“ Aber eine Verbesserung der Luftqualität kostet eben auch Geld.

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