Grüne informieren im Aachener Marienhospital Gesetzesalternativen

Gesetzentwürfe zum Thema Organspende : Die Patentlösung gibt es noch nicht

Zustimmungsregelung oder Widerspruchslösung? Das ist die zentrale Frage der aktuellen Debatte rund um Regelungen zur Organspende. Im Marienhospital fand jetzt eine Informationsveranstaltung der Grünen statt, um über das Thema aufzuklären. Katja Dörner, Bundestagsabgeordnete der Grünen, Georg Lurje, Leiter der Transplantationsmedizin am Uniklinikum Aachen und Walter Dreesbach, Pfarrer und Leiter der katholischen Klinikseelsorge am Uniklinikum Aachen, stellten sich den Fragen des Publikums und klärten den Sachverhalt von ihrem Standpunkt aus auf.

Im Bundestag wird derzeit über zwei Gesetzesentwürfe debattiert. Zu einer Abstimmung soll es im Herbst kommen. Der Entwurf zur Widerspruchslösung, von Gesundheitsminister Jens Spahn und SPD-Politiker Karl Lauterbach unterstützt, sieht vor, dass in Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger potenzielle Organspender sind, wenn nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen wird. Der zweite Entwurf, unter anderen von der Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock unterstützt, sieht eine sogenannte Entscheidungslösung vor. Beim Ausstellen des Personalausweises sollen alle 16-Jährigen zukünftig entscheiden müssen, ob sie potenziell Organe spenden wollen oder nicht.

Eingriff in die Freiheit?

Dörner unterstützt den Entwurf Baerbocks, die Entscheidungslösung. „Mir ist die Widerspruchslösung ein zu großer Eingriff in die Freiheit des Einzelnen“, erklärte Dörner. Lurje hingegen stellt sich die Widerspruchslösung als kein zu großer Freiheitseingriff dar, sondern als die beste Lösung. „Ich empfinde es nicht so, dass der Staat zu Organräubern würde.“ Vielmehr entstünde der Zwang zur Auseinandersetzung mit dem Thema. „Nur weil ein 16-jähriger drei Briefe bekommt“, entgegnete Dörner, „heißt das nicht, dass er sich mit dem Thema auseinandersetzt.“ Da landeten die Briefe vorschnell im Müll und schon sei man Spender.

Generell sei die Widerspruchslösung nicht Lösung aller Probleme, machte Dörner deutlich. Es müsse sich in vielerlei Richtung etwas tun – da waren sich Dörner und Lurje einig. Personalmangel, finanzielle Probleme und die katastrophale Informationslage in der Bevölkerung seien zentrale Probleme, die es zu lösen gelte. „Die Widerspruchslösung ist nicht der Heilige Gral“, räumte Lurje ein. „Dennoch: in vielen umliegenden Staaten stellt sie sich als sehr erfolgreich dar!“, betonte der Transplantationsmediziner.

Es muss sich etwas tun

Dass sich etwas tun muss, ist klar. Laut Studien sind 84 Prozent der Deutschen prinzipiell zu einer Organspende nach ihrem Tod bereit. Nur 34 Prozent haben aber einen Organspendeausweis. Noch dramatischer: „Rund 10.000 Patienten warten auf eine Organspende und nur 955 Transplantationen wurden 2018 durchgeführt“, erläuterte Dörner die miserable Lage. Welcher Gesetzesentwurf die zahlenmäßige Diskrepanz am besten bekämpfen kann, da scheiden sich die Geister. Doch eins wurde im Marienhospital klar: Allein ein neues Gesetz wird die bestehenden Probleme in der Transplantationsmedizin nicht in Luft auflösen.

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