Aachen: Grüne fordern mehr Platz für Busse und Räder am Adalbertsteinweg

Aachen : Grüne fordern mehr Platz für Busse und Räder am Adalbertsteinweg

„Stillstand können wir uns hier nicht leisten“, sagt Wilfried Fischer und blickt von der Josefskirche aus den Adalbertsteinweg hinab. Der Verkehrspolitiker der Grünen macht sich dabei freilich weniger Gedanken um die alltäglichen Fahrzeugstaus, er denkt vielmehr über die zukünftige Fahrbahnaufteilung auf einer der bedeutendsten Verkehrsachsen im Stadtgebiet nach.

Die Grünen wollen die Chance auf eine grundlegende Umgestaltung nutzen, die sich in diesem Jahr durch geplante Tiefbauarbeiten der Stawag eröffnen wird.

Voraussichtlich im Sommer wird die Stawag damit beginnen, auf dem Teilstück zwischen Aretzstraße und Kaiserplatz die Versorgungsleitungen für Strom, Gas und Wasser zu erneuern, wie Sprecherin Angeli Bhattacharyya mitteilt.

Weil die Planungen noch nicht abgeschlossen sind, steht der genaue Starttermin noch nicht fest. Mit größeren Sperrungen und entsprechenden Verkehrsbehinderungen muss dort über mehrere Monate hinweg gerechnet werden. Die Arbeiten werden sich voraussichtlich bis ins Jahr 2019 hinziehen. „Wir werden noch rechtzeitig die Anwohner und Geschäftsleute informieren“, versichert Bhattacharyya.

Derweil wollen die Grünen die Zeit nicht ungenutzt lassen. „Für uns sind die Arbeiten Anlass, über eine Neuaufteilung des Straßenraums nachzudenken“, sagt Fischer. In seinen Augen ist der Adalbertsteinweg bisher ausschließlich auf den „motorisierten Individualverkehr“ ausgerichtet — also auf die Bedürfnisse der Autofahrer. Für Radfahrer wird es dort hingegen schnell ungemütlich — zumal die im Bereich der Josefskirche zaghaft angelegten Radspuren schon nach wenigen Metern wieder im Nirwana enden. Zyniker sagen auch: sie enden auf dem Ostfriedhof...

„Wir wollen auch dort sichere Radverkehrsanlagen“, erklärt Fischer. Damit nicht genug: Auch für den öffentlichen Nahverkehr müsse endlich mehr getan werden, fordern die Grünen. Linienbusse sollten ihrer Meinung nach zukünftig auf der vollen Länge zwischen dem Bahnhof Rothe Erde und dem Kaiserplatz in beiden Fahrtrichtungen in Mittellage fahren dürfen. So sei es auch im Luftreinhalteplan vorgesehen und im Busnetzgutachten aufgeführt, argumentieren sie.

Sie verweisen dabei auch auf die alten Planungen für die sogenannte Campusbahn, die den Stadtteil Brand mit dem Hochschulcampus Melaten verbinden sollte. Die Schienentrassen sollten ebenfalls in Mittellage gebaut werden. „Es gibt also Möglichkeiten, wenn es politisch gewünscht ist“, so Fischer.

Gut für die Luftreinhaltung

Die Neuaufteilung des Straßenraums sei auch um Sinne der Luftreinhaltung erforderlich, sind die Grünen überzeugt. Sie erinnern daran, dass das am Adalbertsteinweg ansässige Verwaltungsgericht schon am Freitag in einer Woche darüber entscheiden wird, ob es in Aachen zu Dieselfahrverboten kommen wird oder nicht.

Um den Autoverkehr in der Innenstadt wirkungsvoll einzudämmen, müssten gute Alternativen geboten werden — dazu gehören etwa sichere Radwege sowie schnelle und komfortable Busverbindungen. Beides ist auf dem Adalbertsteinweg bislang nicht gewährleistet — und dies, obwohl dort die Busse in so enger Taktfolge verkehren wie auf keiner anderen Straße im Stadtgebiet.

Die Tiefbauarbeiten der Stawag sollten daher nicht ungenutzt bleiben, finden die Grünen, die sich darüber wundern, dass die Verwaltung bislang keine eigenen Planungen zur Umgestaltung vorgelegt hat. Üblicherweise sind größere Kanalbaumaßnahmen oder Arbeiten an den Versorgungsleitungen stets ein Anlass dafür, sich Gedanken über eine Neugestaltung zu machen.

Die Grünen hoffen, dass ihr Antrag noch rechtzeitig vor Baubeginn behandelt wird. „Wir haben Hoffnung auf die Zustimmung der Mehrheit“, sagt die sachkundige Bürgerin Relindis Becker. Denn auch die einstigen Planungen für die Campusbahn seien weitgehend Konsens in der Politik gewesen.

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