Aachen: Grüne fordern: Marodes Parkhaus Büchel schnell schließen

Aachen: Grüne fordern: Marodes Parkhaus Büchel schnell schließen

An einem regnerischen Donnerstag geht es eigentlich mit dem Gestank nach Urin am Parkhaus Büchel. Trotzdem: Die vielen Autofahrer, die an dem Nachmittag in dem Parkhaus ein- und ausfahren, rümpfen ihre Nasen, sobald sie ihren Wagen verlassen.

Aachens Grüne haben die Presse eingeladen, um direkt vor Ort ihren neuen Ratsantrag vorzustellen: In das Parkhaus sollen Stadt und Apag keinen Cent mehr stecken, es so schnell wie möglich für den öffentlichen Parkverkehr schließen und dann auch bald abreißen, damit es am Büchel endlich vorwärts geht.

„Seit 2009 reden wir in Aachen über den Luftreinhalteplan, der auch von der Bezirksregierung eingefordert wird. Auch der Abriss des Parkhauses spielt eine Rolle. Und was passiert? Gar nichts“, sagt Melanie Seufert, Fraktionssprecherin der Grünen. Erst im vergangenen Jahr habe die Bezirksregierung die Stadt angemahnt, das Parkhaus zu schließen und das Parkkonzept der Innenstadt zu überarbeiten. „Dass dieses marode Parkhaus nun bis 2020 oder 2021 betrieben werden soll, das kann nicht angehen.“

Ihr Parteifreund Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen, geht noch weiter: Er nennt es skandalös, dass die Stadt seit Jahren den angeblichen Abriss des Parkhauses als Maßnahme zur Luftverbesserung in Aachen ins Feld führe, aber nichts in der Richtung unternehme. Er befürchtet im Gegenteil, dass jetzt noch Geld in die Hand genommen werden könnte, um das in die Jahre gekommende Gebäude weiter verkehrssicher zu halten. Rau: „Wäre das hier eine Schule oder ein Kindergarten, dann würde weder ein Elternteil noch ein Kind einen Fuß in das Gebäude setzen. Der Zustand ist seit Jahren eine Katastrophe.“

„Wir gehen davon aus, dass uns das Parkhaus bis zum Jahr 2020 zur Verfügung steht“, sagt Paul Heesel, Sprecher der Apag, auf Anfrage der „Nachrichten“. Und man werde das Gebäude auch weiterhin verkehrssicher halten, sagt er. Erst im vergangenen Jahr hatte die Apag rund 100 Parkplätze mit Flatterband gesperrt.

Parkplätze abgepollert

Mittlerweile wurden Poller aufgestellt, an vielen Stellen sind nur noch zwei von ursprünglich drei Stellplätzen benutzbar. Das soll laut Apag auch so bleiben: „Nach jetzigem Stand werden die Parkplätze auch in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Ganz so klar sei das hingegen bei der Wendeltreppe nicht: Denn auch der zweite Treppenabgang wurde im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen gesperrt, eine Ersatztreppe aus Metall als zweiter Notabstieg direkt daneben aufgebaut. „Die Frage mit der Treppe muss tatsächlich noch geklärt werden. Wir stehen da in engem Austausch mit den Eigentümern des Parkhauses“, sagt Heesel.

Geht es nach den Grünen, soll in diese Treppe kein Geld mehr investiert werden. „Ich glaube nicht, dass wir diesen zweiten Notabstieg brauchen“, sagt Rau. Vielmehr solle man nun Stück für Stück Parkfläche wegnehmen, „damit sich die Autofahrer langsam daran gewöhnen, nicht mehr bis zum Büchel zu fahren, sondern gleich woanders einen Parkplatz zu suchen“.

Nur noch Dauerparker, Radfahrer und eventuell Besitzer von Elektroautos sollen hier einen Stellplatz finden — solange das Parkhaus noch nicht abgerissen wurde. Parkplätze für Touristen und Leute, die zum Einkaufen in die Stadt kommen, gebe es in Aachen durchaus genug. „Das muss nur in den Köpfen ankommen, und man muss dann vielleicht für seine Weihnachtseinkäufe 150 Meter weiter laufen als bislang.“

Weil die Apag schlecht gegen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen entscheiden könne, müsse eben eine politische Entscheidung her, sagt Rau. „Der Ball liegt bei der Verwaltung und bei der Ratsmehrheit.“

Wenn das Parkhaus abgerissen werde, argumentiert Rau, könne der Umbau des Altstadtquartiers auch beginnen, ohne dass alle Fragen zur Antoniusstraße geklärt seien, könne der Bereich Büchel endlich zur richtigen Fußgängerzone werden. „Wir müssen auch an die Anwohner in der Innenstadt denken“, sagt Rau, das seien immerhin 30.000 Menschen.