Aachen: Großes Herz für kleine Leute

Aachen: Großes Herz für kleine Leute

Kinder sind ihr Leben. Vielleicht weil ihr Vater Lehrer war, sagt Ferial Al-Moufti: „Schon immer wollte ich mit Kindern arbeiten, vor allem mit jüngeren”. Jetzt ist sie selber Lehrerin, ja sogar Schulleiterin. Wegen dieser Begeisterung für das Jungvolk studierte die 1961 Geborene in Aachen Pädagogik.

In der Zeit nach dem Studium fanden viele Lehramtsanwärter keine Stelle. Deshalb arbeitete Al-Moufti zunächst im Kinderheim Brand. Fünfeinhalb Jahre blieb sie. „Das war eine schöne Stelle. Ich konnte mich dort intensiv um jedes einzelne Kind kümmern”, erinnert sie sich an ihren Berufsstart.

Weil sie sich immer für alles interessierte, was man im Dienste der Kinder tun kann, absolvierte Al-Moufti einige Zusatz-Ausbildungen: Gestalttherapie, Systemische Therapie. Für sie war es immer das beste, „auf das Ganze zu schauen und wie alles zusammen wirkt”, beschreibt die Pädagogin ihren systemischen Ansatz. Eltern und Geschwister, also die engste Familie, aber auch das Umfeld, Schule oder Wohnsituation bilden Systeme, die im Fall von Problemen immer mit betrachtet werden sollten.

Besonders am Herzen liegen Al-Moufti Kinder mit Behinderungen und deren Einbindung ins Schul- und Gesellschaftsleben. Da ist sie an ihrer jetzigen Schule genau richtig gelandet. Die Montessori-Grundschule Eilendorf, die sie leitet, ist eine integrative Schule. Hier lernen Kinder mit verschiedenem Förderbedarf gemeinsam mit den anderen Kindern. Integration hat Al-Moufti in einer Schule in Baesweiler schon zwölf Jahre praktiziert. Gegenwärtig wechselt der Begriff zu „Inklusion”. Al-Moufti sieht das positiv. „Es wäre schön, wenn die Verschiedenheit, auch in der Schule, als normal betrachtet wird”, meint sie. Sie beobachtet, dass sich im gesellschaftlichen Bewusstsein allmählich etwas ändert, weg von der Ausgrenzung. „Die Sichtweise der âBehinderung´ ist für die, die es trifft, nicht besonders günstig”, findet sie. Der Behindertenbegriff betone die Defizite eines Menschen, nicht seinen Wert.

Genau richtig fühlt sie sich mit der Montessori-Pädagogik, weil sie für jedes Kind eine besondere Chance biete. Freie Wahl der Arbeit, die einen Teil der Unterrichtsstunden umfasst, ist eine der typischen Methoden dieser Pädagogik. Hier sowie durch die Auswahl des bsonderen Unterrichtsmaterials wird jedes Kind individuell gefördert. Schön sei auch die intensive Zusammenarbeit der älteren mit den jüngeren Schülern. „Alle können miteinander einen guten Weg finden. Auch die Stärkeren können von den Schwächeren lernen”, schwärmt Al-Moufti.

Selbst Tochter einer Deutsch-Syrischen Familie, hat sie einen differenzierten Blick auf die Situation der Migranten-Kinder. „Manches Problem lässt sich mit einem Blick auf die andere Kultur erklären.” Die engagierte Lehrerin hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Kinder in alles mit einzubeziehen. So fragt sie ihre türkisch-stämmigen Schützlinge etwa, wie eine Sache in der Türkei gehandhabt wird oder wie ein Wort in der anderen Sprache heißt. Die Kinder geben gerne Auskunft und fühlen sich ernst genommen.

Hier in der Kaiserstraße 59 fühlt sich die neue Schulleiterin rundum wohl. Das hat viel mit dem starken Engagement des Kollegiums und der Eltern zu tun. Beispielsweise werden demnächst die Eltern eigenhändig die Schule renovieren. Professionelle Hilfe gibt es dabei von German Gonzalez, einem Vater und Inhaber eines Malergeschäftes, der mit Material und Manpower zur Verschönderung beträgt.

Vorstellen will sich die Schule am Tag der offenen Tür am 31. Oktober, 9 bis 12 Uhr. Einen Informationsabend für interessierte Eltern gibt es am morgigen Mittwoch, 7. Oktober, 20 Uhr.

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