Aachen: Großeinsatz: Chlorgas weicht aus Behälter

Aachen: Großeinsatz: Chlorgas weicht aus Behälter

Der Großeinsatz war nicht von Pappe. Als sich um 14.32 Uhr die automatische Brandmeldeanlage von „Pro Idee” meldete, ging man in der Hauptfeuerwache an der Stolberger Straße zunächst von einem „normalen” Brand aus.

Vor Ort aber, im Gewerbegebiet Hüls, bemerkten die Wehrleute sehr schnell, dass ein Chemieunfall die Ursache des Alarms war. Im Lagerraum des - bundesweit mit Exklusivwaren agierenden - Versandhandels hatten Arbeitnehmer im Bereich „Versandrückläufer” einen Behälter geöffnet, aus dem es stark nach „Schwimmbad” roch. Sofort wurden weitere Kollegen verständigt, darunter der ABC-Zug der Feuerwehr.

Auch der Einsatz von drei Rettungswagen und eines Notarztes war erforderlich. „Sechs Firmenangestellte klagten über Atembeschwerden und Hautreizungen”, berichtete Dienstagabend, vier Stunden nach Einsatzbeginn, Einsatzleiter Adelbert Zieger. „Die sechs Angestellten wurden nach einer notärztlichen Untersuchung unverzüglich auf drei Aachener Krankenhäuser verteilt, wo sie weiter behandelt wurden.” Auch fünf Kollegen des erfahrenen Feuerwehrbeamten mussten mit den selben Symptomen in die Spitäler gebracht werden.

Brandamtsrat Zieger lobte ausdrücklich den Alarmplan der Firma Pro Idee. „Vorbildlich ist der”, denn ohne diese Vorsichtsmaßnahmen hätte das Unglück sicherlich einen anderen Verlauf genommen. Schnell hätten etwa 200 Mitarbeiter des Versandunternehmens das Gebäude verlassen und sich dadurch in Sicherheit bringen können.

Feuerwehrleute in Schutzanzügen mit Atemschutzgeräten bargen schließlich die Kiste, der Chlorgase entwichen waren und und sicherten sie in einem stählernen Behältnis.

Die Männer hielten es gerade mal 15 Minuten in ihren Schutzanzügen aus. „Das ist heißer als in einer Sauna”, kommentierte Zieger. Über die „normale” Brandwehrkleidung legten die Kollegen ihre Schutzkleidung. „Da kommt kein Lüftchen ran.” In der prallen Sonne mussten die Brandwehrmänner arbeiten. „Das ist sehr anstrengend.” Auf dem Firmengelände tat sich Dienstag indes nichts mehr. Ein Großlaster mit Waren, der aus dem österreichischen Klagenfurt angereist war, musste wieder wegfahren, ohne seine Fracht loszuwerden. „Katastrophenzaungäste” waren kaum zu sehen, dafür liegt der Versandhandel von Pro Idee wohl zu abseits.

Die fünf Feuerwehrleute und die sechs Versandhandel-Mitarbeiter waren Dienstagabend gegen 19 Uhr wieder auf dem Weg nach Hause. Der ABC-Zug der Feuerwehr hatte ebenfalls zu diesem Zeitpunkt Entwarnung gegeben. Im Einsatz waren der Löschzug Hauptwache, der der Wache Nord, der Chemie-Zug, der ABC-Zug, der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Aachen-Mitte, drei Rettungswagen und ein Notarzt.

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