Aachen: Großbaustellen bleiben meist im Kostenlimit

Aachen: Großbaustellen bleiben meist im Kostenlimit

Vorurteile gibt es zur Genüge, Negativ-Beispiele allerdings auch, etwa die in Zeiten der Campusbahn-Entscheidung gern zitierten Großprojekte Stuttgart 21, Elbphilharmonie oder Flughafen Berlin. „Baumaßnahmen werden grundsätzlich teurer als ursprünglich geplant und dauern immer länger — dieser Eindruck herrscht wohl bei vielen Menschen vor“, formuliert es Axel Costard vom Presseamt.

Die Verwaltung habe es deshalb genau wissen wollen, so wurden sämtliche Hoch- und Tiefbaumaßnahmen der letzten drei Jahre ab 100.000 Euro zusammengetragen und analysiert — mit interessanten Ergebnissen.

Eher ein Negativ-Beispiel: Die Hartmannstraße wurde wegen archäologischer Funde wesentlich teurer als geplant. Foto: Harald Krömer

„Wir hatten das Gefühl, so schlecht können wir gar nicht sein. Unser Gefühl hat gestimmt. Wir sind überwiegend mit Punktlandungen unterwegs“, formuliert es Beigeordnete Gisela Nacken. Klaus Schavan, technischer Leiter des Gebäudemanagements, konnte die Aussage seiner Chefin mit Zahlen erhärten. Insgesamt gab es im Betrachtungszeitraum 2010 bis 2012 genau 47 Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als 100.000 Euro. Veranschlagt dafür waren 44,368 Millionen Euro, tatsächlich ausgegeben aber nur 43,618 Millionen, eine Unterschreitung von 1,7 Prozent, das entspricht 750.000 Euro. Und auch die Bauzeiten wurden in der Regel eingehalten. Im Plan standen für 13 Maßnahmen 181 Monate, gebraucht wurden 184.

Allerdings gibt es bei Einzelprojekten erhebliche Abweichungen nach oben und unten. Der Neubau der Leitstelle der Feuerwehr an der Stolberger Straße war das teuerste Projekt und eine der zitierten Punktlandungen. 5,85 Millionen Euro waren eingeplant, ausgegeben wurden 7000 weniger, die vorgesehene Bauzeit wurde um zwei Monate unterschritten. Um drei Prozent oder rund 88.000 Euro teurer wurde es dagegen beim Internationalen Zeitungsmuseum an der Pontstraße, günstiger wurde um 2,4 Prozent oder 227.000 Euro der Bau von vier Schulmensen , die überwiegend in der vorgesehenen Zeit errichtet werden konnten. Insgesamt wurden die Mehrkosten bei einzelnen Vorhaben durch geringere Ausgaben bei anderen Baustellen wieder hereingeholt. Die insgesamt eingesparte Summe von knapp 750.000 Euro wird für kleinere Maßnahmen bei Feuerwehr, Kitas oder Schulen verwendet, das Geld stammt nämlich aus dem Konjunkturprogramm II und muss für die staatliche Infrastruktur eingesetzt werden.

Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenbau, konnte für den Tiefbau in der fraglichen Zeit ganz ähnliche Zahlen vorlegen. Die Bauzeit bei den Großprojekten wurde um 6 Prozent unterschritten, die Kosten (insgesamt 20,834 Millionen Euro) um 1,5 Prozent. Auch hier gab es statistische Ausreißer. Gleich 18 Prozent unter der Kalkulation lag der Ausbau der Viktoriaallee oder der dritte Bauabschnitt der Trierer Straße, sechs Mal so teuer wie geplant (357.000 statt 60.000 Euro) dagegen die Hartmannstraße, wo man auf unerwartet viele archäologische Funde stieß und deswegen die Bauzeit fast verdoppelte, oder der Tivoli-Vorplatz, der mit 4,9 statt 3 Millionen zu Buche schlug, weil Flächen im hinteren Bereich in den Ausbau einbezogen wurden. Unter dem Strich aber ein Ergebnis, das sich sehen lassen könne, meinte Dezernentin Nacken.

„Diese Werte sind für eine Bauverwaltung ungewöhnlich gut. Gut ausgebildete externe Architekten treffen auf gut ausgebildete Verwaltungsmitarbeiter“, resümierte auch Klaus Schavan. Er muss es wissen, hat er doch als Baudirektor unter anderem in Hamburg gearbeitet, seine letzte Station vor Aachen war das Gebäudemanagement in Krefeld. Das zeige auch, dass die gegenwärtige Praxis der Fremdvergabe funktioniere. Es gibt nämlich so gut wie kein größeres Projekt, dass nicht an externe Büros vergeben wird. Hauptaufgabe der Verwaltung sei, die Unternehmen und Architekten zu beaufsichtigen.

Dennoch wird diese Handhabung derzeit im Auftrag der Politik überprüft. Denn in der Verwaltung müssten auch genügend Kräfte sein, die Erfahrung darin haben, wie man ein Gebäude errichtet oder eine Straße baut, beziehungsweise anders gestalten kann. Es dürfe nicht dazu kommen, so Nacken weiter, dass nur junge Leute eingestellt werden, die über diese Fähigkeiten nicht verfügten. Ein Ergebnis dieser Überprüfung wird voraussichtlich bis Ende dieses Jahres vorliegen.

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