Aachen: Gritta F. und ihr Aufstand gegen die Polizeigewalt

Aachen: Gritta F. und ihr Aufstand gegen die Polizeigewalt

Gritta F. aus Aachen ist 75 Jahre alt. Die geistig fitte und gut aussehende Frau aus dem Südviertel kann stolz auf sich sein, denn sie hat sich eine große Portion Bürgersinn bewahrt.

Dazu gehört letztlich auch, dass sie ihre Geschichte den „Nachrichten” erzählte, ohne sich über die Rechtslage überhaupt im Klaren zu sein.

Der Bürgersinn von Gritta F. ging am Dienstagnachmittag voll mit ihr durch, als sie sich spontan entschloss, zahlreiche Autofahrer auf der Kaiser-Friedrich-Allee vor einer Radarfalle in einer Tempo-30-Zone zu warnen. Die Rentnerin bemerkte die versteckten Polizeifallen auf der Fahrt nach Hause. „Ich bin hier selbst schon mit 38 km/h geknipst worden, das war teuer”, begründete sie ihr spontanes Engagement.

Sie stellte sich, nachdem sie zu Hause angekommen war, an den Straßenrand, um ihren Autofahrerkollegen den Tempo-Sündenfall zu ersparen. „Ich habe sie mit Winken gewarnt”, erzählt sie, das ging eine längere Zeit so. Dann aber schlug die Staatsgewalt zurück. Ein ziviler dunkelblauer Kombi habe gehalten. Aus ihm stieg die Polizei. „Sie fragten mich nach meinem Führerschein”, sagt Gritta F. verwundert. Sie sei doch als Fußgängerin dort gewesen, da habe sie doch keinen Führerschein dabei. Dann der Ausweis, den hatte sie auch nicht.

Beamter habe mit Arrest gedroht, sagt die Frau

Als sie die Frage nach Adresse und Alter wahrheitsgemäß beantwortet hatte und Aufklärung über die Fragerei wollte, habe ihr ein Beamter zu verstehen geben, ihr Verhalten, also die Warnungen vor der Radarfalle, das sei doch wirklich nicht „altersgemäß”. Das fand Frau F. überhaupt nicht. Sie tue das schließlich, um allen gerecht zu werden, die Radiosender würden ja auch verbreiten, wo eine „Knipse” steht.

Den Beamten gefiel das nicht. „Einer drohte mir Arrest an, ist das überhaupt zulässig?”, fragte sie sich. Sicher können Ordnungsbehörden - dazu gehört das Ordnungsamt der Stadt wie auch die Polizei - in begründeten Fällen „Platzverweise” erteilen, bestätigt Polizeisprecher Paul Kemen. Und das mit dem Arrest für eine 75-jährige Dame? Dazu äußerte sich Kemen auf Anfrage eher vorsichtig mit den Worten, „die betreffende Dame handelte in einer rechtlichen Grauzone”.

Doch auch Kemen musste sich erst kundig machen und teilte dann mit: „Die Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts in Münster untersagt solches Handeln. Andererseits hat das Oberlandesgericht Stuttgart da entgegengesetzt entschieden.” Spontan hatte der Polizeisprecher zunächst „das verbotene Stören von Staatsorganen” diagnostiziert. „Da hat sich wohl etwas aufgeschaukelt”, meinte er am Ende ein wenig schmunzelnd. Hat es wohl.

Mehr von Aachener Nachrichten