Aachen: Grippeschutzimpfung: „Die Stimmung ist gekippt”

Aachen: Grippeschutzimpfung: „Die Stimmung ist gekippt”

In manchen Hausarztpraxen haben sich die Wartezeiten seit Beginn der Woche deutlich erhöht. Viele Patienten, die sich bislang wegen unterschiedlicher bis gegensätzlicher Äußerungen der Sachkundigen zurückgehalten haben, wollen sich jetzt doch gegen die Schweinegrippe (H1/N1) impfen lassen.

„Die Stimmung ist gekippt. Zunächst herrschte Skepsis gegenüber der Impfung. Jetzt herrscht eher Skepsis, wenn nicht geimpft wird”, berichtet Dr. Verena Bochat, Leiterin der Abteilung Infektionsschutz des Gesundheitsamts der Städteregion.

Als Beleg dienen ihr die Anforderungen, die per Fax von den Arztpraxen an das Gesundheitsamt geschickt werden, um - jeweils in Zehner-Einheiten - die Impfampullen zu ordern. In der letzten Woche gingen nur einzelne Anforderungen ein, jetzt sind es 60 bis 80 Faxe pro Tag. Bochat: „Die Telefone laufen heiß. Seit Montagmorgen kann ich den Hörer nicht mehr hinlegen, ohne dass ich ihn sofort wieder aufnehmen muss.” Die verunsicherten Bürger stellten immer die gleichen Fragen: „Wie kann ich mich impfen lassen?” „Mein Hausarzt impft nicht. Wo kann ich mich hinwenden?” Oder: „Weshalb dauert es eine Woche, bis ich geimpft werde?”

Das hängt - unter anderem - damit zusammen, dass in dem Faxvordruck des Ministeriums eine Sammelzeit von fünf Werktagen vorgesehen war, eine Auslieferung an die Ärzte also nur einmal pro Woche erfolgte. Bochat: „Das haben wir schon geknickt. Die Vordrucke werden jetzt sofort weitergegeben.” Kann sich denn jeder relativ rasch impfen lassen? Dr. Verena Bochat kann die Frage nicht uneingeschränkt bejahen: „Es kann sein, dass man eine Zeitlang warten muss.” So können wahrscheinlich die Anforderungen von fast allen großen Firmen und Organisationen in Aachen nicht sofort abgearbeitet werden.

Dr. Wolfgang Claßen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Aachen, hat ebenfalls beobachtet, dass die Impfbereitschaft gewachsen ist. Dennoch ist nach seiner Einschätzung die Hälfte der Bevölkerung immer noch skeptisch, auch die Mitarbeit der insgesamt 200 Hausärzte in Aachen, von denen sich rund 30 Prozent zur Impfung bereit erklärt hätten, sei sehr unterschiedlich ausgeprägt. Claßen: „Die große Welle gibt es noch nicht.” Sicher sei es für manche Praxen schwierig, die Impfungen zu organisieren. Die meisten müssten zusätzliche Impfsprechstunden einrichten, da der Impfstoff nur in Zehnerpacks geliefert werde.

„Reiflich überlegt”

Claßen empfiehlt, vor allem für die normalen Risikogruppen wie chronisch Kranke, besonders die routinemäßige Schutzimpfung, schließlich fielen jedes Jahr bis zu 11000 Menschen in der Bundesrepublik der „normalen” Grippe zum Opfer. Er verweist auch darauf, dass ein Mittel wie Tamiflu gegen beide Grippearten hilft. „Wenn die Symptome auftreten und man in den ersten 48 Stunden Tamiflu nimmt, dann bekommt man die Sache in den Griff.”

Und wie hält es Dr. Verena Bochat vom Gesundheitsamt? „Ich werden mich impfen lassen. Ich habe es mit reiflich überlegt.”

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