Aachen: Grenzlandtheater zeigt „Szenen einer Ehe“

Aachen : Grenzlandtheater zeigt „Szenen einer Ehe“

„Was ist Liebe?“, „Was ist Treue?“, „Was ist Glück?“, die Figuren in Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ stellen diese Fragen ganz zu Anfang der Inszenierung im Grenzlandtheater und legen damit den Grundstein für eine etwa zweistündige Auseinandersetzung über die möglicherweise kleinste zwischenmenschliche Beziehung: die Ehe.

Nach außen wirkt die Ehe zwischen Johan (Jonas Gruber) und Marianne (Friederike Pöschel) harmonisch. Zwei Kinder, sie Anwältin, er Mitarbeiter an einer Universität, beide scheinen glücklich. Doch bereits in der ersten Szene zeigt sich, dass es vielleicht gar nicht so harmonisch ist wie es scheint.

Marianne wirkt unglücklich, hat „schreckliche Angst“ ihren Mann zu verlieren, wohin Johan fast lakonisch feststellt: „Ich weigere mich unter dem Ewigkeitsaspekt zu leben.“ Schon in der ersten Szene kann man die folgenden Konfliktverläufe erkennen. „Szenen einer Ehe“, ursprünglich eine Fernsehserie, dann ein Kinofilm und schließlich auch ein Theaterstück, erzählt die Geschichte von Johan und Marianne in kurzen Szenen, zwischen denen mal Monate und mal Jahre vergehen.

Eines Tages gesteht Johan Marianne, dass er sich neu verliebt hat und schon seit längerer Zeit über eine Trennung nachdenkt. Marianne fällt aus allen Wolken. Im weiteren Verlauf kommt es zwischen den beiden immer wieder zu Treffen und Intimitäten, Johan muss erkennen, dass auch seine neue Freundin nicht das ewige Glück bedeutet, Marianne hingegen entdeckt ihre Freiheit wieder.

„Szenen einer Ehe“ war, als die Serie das erste Mal ausgestrahlt wurde, ein Straßenfeger. Für das Theater sei die große Herausforderung, in das sehr statische Stück ein bisschen Bewegung hineinzubringen, erläutert Regisseur Harald Demmer. Für besonders passend hält er zudem die Größe des Zuschauerraums im Grenzlandtheater. Das Publikum ist besonders nah an der Bühne.

Es entsteht eine Wohnzimmeratmosphäre. Für die beiden Darsteller ist es das erste Engagement am Grenzlandtheater, Regisseur Demmer inszenierte 2010 bereits Lutz Hübners Theaterstück „Frau Müller muss weg!“ Den Zuschauer erwartete ein Stück, das sich voll auf seine Figuren konzentriert und viel von den Darstellern abverlangt. Demmer verzichtet auf eine naturalistische Bühne. Stattdessen steht ein großer Holzcontainer auf der Bühne, in dem sich all das „Gerümpel“ befindet, dass während einer langen Lebenszeit angesammelt wird. Für die Szenen holen die Darsteller alles, was benötigt wird, aus dem Container heraus, am Schluss — so Demmer — soll der Container leer und die Bühne voll sein.

„Man darf durch den Umbau nicht die Intensität des Stückes aus den Augen verlieren“, erklärt Demmer. Das sei zusätzlich zu dem umfangreichen Text eine große Herausforderung für die Darsteller. „Es ist ein Geschenk, wenn man als Künstler vor Herausforderungen steht“, schließt Friederike Pöschel. Es sind noch Karten vorhanden, es lohnt sich aber, schnell zuzugreifen.

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