Molières Klassiker: Grenzlandtheater zeigt den „Geizigen“ auf moderne Weise

Molières Klassiker : Grenzlandtheater zeigt den „Geizigen“ auf moderne Weise

Ein überdimensionierter, knallgelber Sessel ist die Bühne, auf der das Grenzlandtheater jetzt Molières „Der Geizige“ inszeniert. Das Thema ist nach Meinung von Regisseurin Catharina Fillers zwar durchaus modern, dennoch bewegen sich die Schauspieler in klassischen Kostümen.

Die sind überwiegend dunkel, und auch die Perücken sind farblich gedeckt.

Alle bleiben jederzeit sichtbar, auch wenn jeweils nur einige agieren. „Der Reichste lebt wie der Ärmste, weil er Angst hat, dass die anderen von seinem Reichtum erfahren.“ Mit diesen Worten fasst Catharina Fillers die Geschichte um Molières „Der Geizige“ zusammen, und auf diesen Kern konzentriert sie ihre Inszenierung.

Wohin mit dem Geld?

Wie der „Geizige“ tickt, wird gleich zu Beginn deutlich, wenn Valère vom Geiz und der lieblosen Art spricht, mit der Harpagon seine Kinder behandelt. Elise und Cléante sind verliebt, aber nach Meinung von Harpagon eben nicht in die Richtigen.

Überhaupt ist Harpagon davon überzeugt, dass alle nur sein Geld wollen. „Gestraft bin ich mit meinem Geld“, sagt er an einer Stelle und erkennt, dass sein Reichtum mehr Fluch als Segen ist. Denn wie nur kann er sein Geld so verstecken, dass es ihm niemand stiehlt? Und je mehr er es zusammenhält, umso mehr wünschen sich alle um ihn herum, an seine Reichtümer heranzukommen.

Derweil schmiedet Harpagon seine eigenen Pläne zur Zukunft seiner Kinder. Elise will er möglichst gewinnbringend mit einem reichen Witwer verheiraten, und seinem Sohn Cléante kommt er in die Quere, weil beide dasselbe Mädchen lieben.

Da sind allerlei Turbulenzen programmiert, und die finden zum Teil Ausdruck in akrobatischen Übungen auf besagtem gelben Sessel, der offensichtlich auf vielfältige Art und Weise bespielt werden kann. Dabei zeigen die Schauspieler immer wieder gern auch den sportlichen Teil ihrer historischen Kostüme: sprich Turnschuhe und Kniestrümpfe.

„Der Geizige‘ ist eine wunderbare Tragikomödie“, sagt Intendant Uwe Brandt, und sei heute aktueller denn je. Geiz, Gier und der fast krankhafte Blick auf das eigene Ego sind seiner Meinung nach auch heute präsent. Dass es Molière gelungen sei, das Thema so zu behandeln, „dass es wunderbar komisch und wider Erwarten lustig ist“, sei eine Meisterleistung.

Gelber Sessel als Zentrum

Catharina Fillers hat sich bei der Inszenierung für eine moderne Erzählweise entschieden. Der gelbe Sessel wird zum Zuhause und ist der Ort, an dem die Schauspieler agieren. „Alle wollen am Abend des selben Tages heiraten“, erklärt Fillers. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Als die Kassette mit dem Geld verschwindet, ist die Tragödie erst einmal perfekt.

Untermalt wird das Stück zudem durch Musik, die zum Teil live gespielt wird. Matthias Manz hat sie komponiert und arrangiert.

Es spielen: Charles Ripley (Harpagon), Martin Krah (Cléante), Johanna Steinhauser (Elise), Bernhard Glose (Valère), Christine Schaller (Mariane), Matthias Manz (Anselmo), Eva Horstmann (Frosine), Marius Schneider (Jacques/ La Flech).

Die Premiere von „Der Geizige“ ist am Dienstag, 25. September, um 20 Uhr im Grenzlandtheater. Weitere Aufführungen gibt es vom 26. September bis 28. Oktober jeweils um 20 Uhr. Am 6. und 20. Oktober zusätzlich auch um 16 Uhr.

Tickets gibt es unter 0241/4746111 und online.

Mehr von Aachener Nachrichten