Aachen: Greenpeace Aachen bringt Fairen Handel auf die Tagesordnung

Aachen : Greenpeace Aachen bringt Fairen Handel auf die Tagesordnung

Die Tagesordnung für die Sitzung des Bürgerforums verhieß gepflegte Langeweile. So war denn auch kein einziger Bürger erschienen. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ingrid Krümmel-Seltier von Greenpeace sorgte dafür, dass es spannend wurde.

Es ging um Aachen als „Fairtrade-Stadt“. Aachen trägt seit 2011 den Titel „Fairtrade-Town“, als 54. Kommune weltweit. Inzwischen sind knapp 500 Städte und Gemeinden mit von der Partie. Sie verpflichten sich, auf kommunaler Ebene den fairen Handel zu fördern. Zu den Kriterien, die auch die Stadt Aachen beachtet, gehört zum Beispiel, dass im Büro des Oberbürgermeisters und in öffentlichen Sitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird.

Auch sollen Einzelhandelsgeschäfte mindestens zwei Produkte aus fairem Handel führen. Rund 50 Geschäfte und 30 Gaststätten in Aachen bieten Fairtrade-Produkte an. Auch das Inda-Gymnasium und das Einhard-Gymnasium beachten die Kriterien. Allen geht es darum, Kleinbauerfamilien und Arbeitern im globalen Süden einen fairen Preis für ihre Produkte und einen fairen Lohn für ihre Arbeit zu zahlen. Kinderarbeit wird bekämpft.

Eine große und wichtige Rolle im fairen Handel können die Fairtrade-Städte bei der Beschaffung übernehmen. Das gilt beispielsweise für die Schutzkleidung der Feuerwehr oder der städtischen Ordnungskräfte.

Genau hier setzt der Antrag von Greenpeace Aachen an, den Ingrid Krümmel-Seltier im Bürgerforum erläuterte. Greenpeace beantragt, die Stadt solle „beim eigenen Einkauf von Textilien auch ökologische Aspekte“ einbeziehen. „Fair gehandelt“ und „ökologisch produziert“ müssten künftig als gleichwertig nebeneinanderstehen. Orientieren solle sich die Stadt „an den besten ökologischen Siegeln“. Dafür solle sie neue Ver-gaberichtlinien erarbeiten. Textilien sollten nach der Nutzung „ökologisch vertretbar behandelt werden“, das heißt, auf Rücknahme oder Recycling geachtet werden.

Um die Vorschläge zu bekräftigen, präsentierte Ingrid Krümmel-Seltier einen hochgiftigen „Chemie-Cocktail“. In einer Präsentation demonstrierte sie „dramatische Erkenntnisse“. Greenpeace hat sie in den großen Textilhersteller-Ländern China, Indien, Bangladesch, Philippinen und auch USA gewonnen.

Darunter sind Flüsse, die sich durch die ungeklärten Abwässer der Textilfabriken je nach der „Modefarbe der Saison“ färben, offene Abwasserrohre, die giftige Brühe durch Wohngebiete leiten, 10.000 Chemikalien, darunter die zehn allerübelsten, um Textilien zu „veredeln“ durch Laugen, Bleichen, Färben. „350 Millionen Chinesen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser“, sagte Krümmel-Seltier. Fotos aus Bangladesch zeigen Textilarbeiterinnen beim Sandstrahlen ohne jeden Arbeitsschutz.

Angesichts „solcher teilweise bekannten Dinge“ frage Greenpeace Aachen: „Was macht die Stadt?“ Wie kaufe die Fairtrade-Stadt Aachen ein? Wolle sie eine Vorreiterrolle übernehmen und beim Einkauf neben dem Arbeitsrecht künftig auch den Umweltschutz berücksichtigen?

Eckard Larosch, Fachbereichsleiter für das städtische Beschaf-fungswesen, erläuterte in der Sitzungsvorlage die komplizierten Richtlinien für städtische Ausschreibungen. Aus einer Vielzahl von Gründen, so Larosch, bedürfe es eines „politischen Votums“, diese Vorschriften im Sinne von Greenpeace zu ändern. Eine Mög-lichkeit schloss er aus: „Ich glaube nicht, dass Sie bereit sind, mir eine Dienstreise nach Bangladesch zu genehmigen, um dort Textilfabriken zu kontrollieren.“

Das nicht. Der Vortrag von Ingrid Krümmel-Seltier hinterließ dennoch Wirkung. Einstimmig verwies das Bürgerforum den Greenpeace-Antrag zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz sowie an den Personal- und Verwaltungsausschuss. Das Thema liegt jetzt auf dem Tisch.

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