Aachen: „Grautvornix“: Seit 30 Jahren in Originalbesetzung

Aachen: „Grautvornix“: Seit 30 Jahren in Originalbesetzung

Sie waren Mitbegründer des Öcher Strunx in der Kappertz-Hölle. Und wie selbstverständlich haben sie den „janzen Strunx“ bis heute prächtig und völlig gesund überstanden, dies sogar bei anhaltend geistiger Frische, wie sich der Chronist jetzt persönlich vor Ort bei einem Treffen in der Kappertz-Hölle überzeugen konnte.

Denn die Kulttruppe „Grautvornix“ ist inzwischen bereits 30 Jahre „on stage“ mit ihren abgedrehten Darbietungen, in denen die Tücken des (all)täglichen Wahnsinns auf die Spitze getrieben werden, Lachen dabei immer inklusive.

Die sieben Grautvornixe mit dem Damen-Duo Gaby Dufern und Eva Vleek, das kongenial ergänzt wird durch die Männerriege Stefan Huppertz, Norbert Becker, Manni Grouls, Dieter Grosse-Heilmann und den markanten Kopf Krenne Aymans, haben damit ihre Kultkollegen in der Zeitdimension jedenfalls in den Schatten gestellt.

Begonnen hat alles in dem legendären Wohngemeinschaftshaus „Eifelstraße 3“ (hier wurde der in der bunten Liga bekannte Fußballclub Partisan-Eifelstraße gegründet), in dem sich die Studenten damals umtriebig zusammenfanden. Damals — das ist quasi so, als erinnere man sich an die erste Schlacht auf den Bühnen dieser Zeit. „Wir haben damals in der Aula der alten ‚PH‘ auf der Hörn angefangen“, erzählt der stattliche Manni Grouls in seinem hautengen, knallroten Glitzerstrampelanzug, in dem er noch heute eine untadelige Männerfigur abgibt.

Die „PH“ auf der Hörn

Die „PH“, das ist die für älteren Semester noch bekannte Pädagogische Hochschule in der Ahornstraße, in der Generationen von Grundschullehrerinnen und -lehrern ausgebildet wurden. Heute „wohnen“ dort die Politologen der RWTH. Und das ist gedanklich gar nicht so weit weg von der Pantomimen- und Clownerie-Truppe mit dem schönen Asterix-Namen, die mit ihren Bühnen-Sketchen möglichst tief hinter gesellschaftliche Strukturen blicken und deren Nonsens des Öfteren auch in politische Dimensionen eindringt.

Und die bis heute eine beachtliche Kunstfertigkeit in jeder Art von Jonglagen zu bieten hat, schließlich ist Mitglied Krenne Aymans stadtbekannt mit seinem Schülerzirkus „Configurani“. „Wir haben den Namen gar nicht aus den Comic-Bänden“, sagt Manni Grouls, völlig konzentriert auf die ungebrochene Schöpferkraft der Barden und Komiker aus der satirischen Hohezeit der 1980er Jahre. „Wir waren wirklich so. ‚Graut vorne nix, graut hinten nix‘, das war die Devise.“ Und so schuf man die Grautvornixe mit den weißen Pantomime-Gesichtern, die in den späteren alternativ-närrischen Strunx-Sitzungen ebenso eine Bank waren wie die zebrabejackten Moderatoren Rudi Zins und Manfred Hammers.

Wat‘n Elend

„Neä, wat‘n Elend“, hörte man sie dort leise stöhnen, wenn es um die scheinbare Ödnis dieses irdischen Lebens ging. Doch die sieben haben ihr künstlerisches wie ihr persönliches Leben bis heute mit viel Witz und Heiterkeit gemeistert: „Ein Geheimnis ist“, sagt die einzige Nicht-Pädagogin in der Gruppe, die Journalistin Gaby Dufern, „dass wir bis heute vieles zusammen machen. Wenn wir nicht auftreten oder proben, dann treffen wir uns doch einmal pro Woche einfach so.“ Es war und ist heute noch wie eine große Familie.

1987 gab es wohl eine Krise: Sie hatten bis zu 200 Auftritte im Jahr, Humor am laufenden Band. „Da mussten wir uns entscheiden, werden wir Profis oder reduzieren wir“, erklärte Dufern. Man reduzierte und erhielt den 22 Strunx-Sitzungen (die letzte im Februar 2013) damit tragende Programmpunkte.

Wie klappt‘s denn noch in dem Alter mit den Hebefiguren? Manni Grouls wirft sich in die Brust, lacht und sagt: „Noch bis zu diesem Jahr hab‘ ich alle Strunx-Prinzen auf den Schultern getragen!“ Und der Kopfstand auf dem Rollator klappe auch noch.

Wie der „Strunx“ 1992 mit der „Schwulität Jonathan“ Furore machte und den anderen Humor zelebrierte, so ist auch für die Grautvornixe der gezielte Tabubruch und die wohlgesetzte Zote bis heute ein unverzichtbares Stilmittel. Mit diesem Mix errang man einen renommierten Kleinkunstpreis und schaffte diverse Auslandsauftritte — alles so nebenbei.