Aachen: Graffiti und Integration: Willkommensgrüße auf den Wänden

Aachen : Graffiti und Integration: Willkommensgrüße auf den Wänden

60 Stunden haben der Künstler und die Kinder der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Aretzstraße bisher an der Gestaltung der Schulhofwände gearbeitet. Ganz fertig sind sie noch nicht. Doch was sie bisher geschaffen haben, kann sich sehen lassen.

Der Blick fällt zuerst auf das zentrale Porträt einer jungen Frau mit blauer Hautfarbe und grünen Augen, das eine „nicht hier geborene Deutsche“ darstelle, so Rosco, der Graffiti-Künstler. Weitere Porträts von Menschen unterschiedlichster Herkunft zieren die Wände, auch Aachener Symbole wie Dom, Kaiser Karl und Printenmädchen. Auch Schriftzüge sind zu sehen: „Freedom“ steht dort, „Lass uns leben“ und „Wir / We“. Symbolträchtig sind auch drei Hände mit unterschiedlichen Hautfarben, die sich gegenseitig umfassen, sowie eine Friedenstaube.

Die bekannten, inzwischen etwas „abgenutzten“ Slogans wie etwa „refugees welcome“ wollten sie nicht nutzen. Das hätte auch nicht gepasst, da aus dem Projekt, das ursprünglich dazu beitragen sollte, Flüchtlingskinder zu integrieren, mehr geworden ist. Denn an der GHS Aretzstraße gibt es viele Kinder, die besonders gefördert werden müssen. Die Themen Inklusion und Integration sind an der Schule allgegenwärtig. Die Hauptschule besuchen nicht nur Kinder aus bildungsfernen Familien, so Schulleiterin Dagmar Castillo, sondern auch Flüchtlinge — und aufgrund des Inklusionsgesetzes auch Kinder mit verschiedenen Erkrankungen, fügt Agnes Jansen an, die Klassenlehrerin von einigen der Kinder, die am Projekt teilnehmen. Jansen hat in Aachen einige Kunstwerke von Rosco entdeckt und mit ihm Kontakt aufgenommen.

Nun arbeitet er mit den Kindern zusammen, größtenteils ehrenamtlich. Knapp 30 Kinder der siebten und achten Klassen unterstützen den Künstler, der mit bürgerlichem Namen Frank Schröter heißt, dabei, die Wände des Schulhofs zu verschönern. Es mache ihnen Spaß, bestätigen Kansar, Meltem, Nuredin, Alessa und Mirco, die vom Projekt berichten. Eine große Wand ist noch frei, die dürfen alle gemeinsam gestalten. Darauf freuen sie sich und üben zunächst auf der Tafel und auf Papier.

Dass die neue Gestaltung gut ankommt, merke man auch daran, dass die Kinder sich gegenseitig vor den Wänden fotografieren — und dass bisher noch keiner etwas kaputt gemacht habe, so Kunstlehrerin Jansen.

Den Schülern soll vermittelt werden, dass an der GHS Aretzstraße alle willkommen sind. „Wir sind eine Willkommensschule“, sagt Castillo. Klar verständlich für die Kinder, und modern gestaltet — mit bunten Farben. Auch das ist passend, da die Schule so „bunt“ und vielseitig ist. Für die Schule sei es nicht nur wichtig, dass man an den Wänden ablesen kann, dass jeder willkommen ist — mit Projekten wie diesen soll vor allem das Selbstwertgefühl der teilnehmenden Kinder gestärkt werden, merkt Kunstlehrerin Jansen an.

Denn das sei wohl das wichtigste, was die Schule den Kindern mitgeben will: Die Schülerinnen und Schüler, die sich oft nicht viel zutrauen, sollen gestärkt und selbstbewusster werden, damit sie „ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.“

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