Aachen: „Goldener Schwan“ feiert seine Auferstehung

Aachen : „Goldener Schwan“ feiert seine Auferstehung

„Das Goldene Einhorn bekommt ein großes Brüderchen“, strahlt Dieter Becker übers ganze Gesicht. Die Verträge sind unterschrieben, und der Pächter des „Goldenen Einhorns“ am Aachener Markt kann die Übernahme des benachbarten Traditionslokals „Goldener Schwan“ verkünden.

Aktuell wird im Schwan fleißig gearbeitet. Der Einbau einer neuen Küche, ein neuer Anstrich sind fällig. „Es bleibt nicht alles schwarz-weiß. Nach der Renovierung erstrahlt der Schwan in anderen Farben und mit einer modernen Ausleuchtung“, verrät Becker. Viele Aachener seien schon sehr neugierig. „Bänke, Stühle und Tische sowie die unter Denkmalschutz stehende Holzvertäfelung bleiben natürlich unverändert und damit auch der Charme der Räume. Aber wir möchten ein zeitgemäßes Brauhauskonzept schaffen, dass auch junge Leute anspricht“, meint Becker weiter.

In der Altstadt können die Gäste also auch zukünftig wieder auf drei Etagen und der Terrasse am Karlsbrunnen mit Blick auf das Rathaus Deftiges wie zum Beispiel Gulasch, Schnitzel und Steaks genießen.

Auf Fragen, wie er den Betrieb zweier Lokale managt, hat Becker schnell die passende Antwort: „Von der Theke im Schwan bin ich schneller im Einhorn als in der Küche des Schwans.“ Zudem hat er mit dem Betriebsleiter Carsten Esser, der bei namhaften Gastronomen in Aachen gelernt hat, den richtigen Mitarbeiter gefunden.

Mitarbeiter übernommen

Vom ehemaligen Schwan-Team hat Becker ebenfalls einige Mitarbeiter übernommen, die aus alter Verbundenheit im Boot bleiben und ihre Erfahrung einbringen möchten. Die bestehenden Verhältnisse zwischen dem Hauseigentümer, der Brauerei und dem Pächter bleiben unverändert.

Auch als Standquartier der Stadtgarde Oecher Penn soll die Gaststätte weiter fungieren. Wenn Aachens ältester und größter Karnevalsverein hier feiert, wird es eng — obwohl der Schwan mit rund 160 Plätzen bei normaler Bestuhlung deutlich größer als das Einhorn ist.

„Der Schwan wird kein zweites Einhorn. Er behält natürlich seinen Namen und sein Konzept. Wir hoffen, dass viele alte Stammgäste sich dort wieder zu Hause fühlen und uns treu bleiben“, sagt Becker. Nach der kurzen Pause durch den Pächterwechsel und die Renovierung sei die Akzeptanz der Kundschaft größer.

„Als ich damals vom Currypalast zum Einhorn wechselte, haben auch alle gedacht, der macht da jetzt eine Frittenbude draus — doch das Einhorn ist immer das Einhorn geblieben.“ Nicht von der Hand zu weisen sei die Geschwisterbeziehung der beiden Wirtshäuser, die nur durch die Filiale eines internationalen Kaffeeanbieters getrennt sind, auch dank ihrer güldenen Tiernamen.

Die Namen „Zum Goldenen Einhorn“ und „Goldener Schwan“ stammen übrigens aus der Zeit, als es noch keine Hausnummern gab. Je nach Wertigkeit wurden darüber hinaus bestimmte Gebäude vergoldet, wie Becker erklärt. In Aachen gab es zum Beispiel auch den „Goldenen Apfelbaum“ und die „Goldene Kette“.

Mitte Oktober will Becker ein sogenanntes Soft-Opening starten, bei dem die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich im laufenden Betrieb mit den neuen Strukturen vertraut zu machen. Wenn sich alles eingespielt hat und die ersten Aachener interessiert den neuen Schwan unter die Lupe genommen haben, wird Ende Oktober die große offizielle Eröffnung gefeiert. „Dann steht auch ein runder Geburtstag an und wir möchten viele Stammgäste, Freunde und Weggefährten einladen“, erklärt Becker, der am 31. Oktober die Neueröffnung und seinen Fünfzigsten im Doppelpack feiern will.

Der 49-Jährige betreibt seit mehr als 14 Jahren das „Goldene Einhorn“, ist Hotel-Betriebswirt, Küchenmeister und IHK-geprüfter Sommelier. „Der Schwan ist einfach ein wunderschönes Lokal, das zu betreiben mich mit Freude und Ehre zugleich erfüllt. Den Betrieb gestalten zu können, ist großartig und in der neuen Größenordnung sind in Kombination mit dem Einhorn Dinge möglich, die vorher undenkbar waren“, sagt Becker

Eine Konkurrenz vom eigenen Hause befürchtet er nicht. Vielmehr könnten demnächst Gäste, die im „kleineren „Bruder Einhorn“ keinen Tisch finden, die gleichen Speisen im Schwan serviert bekommen. Das sei zum Beispiel auch mit Blick auf das nahende Weihnachtsgeschäft interessant. Und noch einen Vorteil hat für Becker die Übernahme des Wirtshauses: „Viele haben Einhorn und Schwan immer verwechselt — das kann mir nun egal sein.“

Mehr von Aachener Nachrichten