Aachen: Goldammerweg: Die Anlieger wollen eine Anliegerstraße

Aachen : Goldammerweg: Die Anlieger wollen eine Anliegerstraße

Was hat die Straße Goldammerweg in Aachen mit dem Dieselskandal zu tun? Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten schon etwas.

Der Goldammerweg liegt im Stadtteil Schönforst im Dreieck Madrider Ring/Neuenhofstraße/Reinhardstraße. Er versteckt sich hinter einem hohen und breiten Erdwall, ein mit Bäumen und Sträuchern bewachsenes Feuchtbiotop mit modrigen Tümpeln. Der Wall schützt die Anwohner vor dem Radau des Madrider Rings.

Der Goldammerweg ist für Autofahrer nur über die mittig in ihn mündende Straße Schwalbenweg zu erreichen. Links wie rechts ist sie eine Sackgasse mit jeweils einem Wendekreis. Im linken Teilstück liegen am Ende zwei alte Häuser. Das rechte ist einseitig dicht bebaut. Knapp 20 alte Siedlungshäuschen, aufgehübscht, ein paar Neubauten. Einfamilienhäuser mit Vorgärten. Kinder spielen Ball auf der Straße und im Wendehammer, Hunde und Katzen stromern durchs Biotop vis-à-vis. Ein Spazierpfad schlängelt sich über den Kamm. Die Leute vom Goldammerweg sind unter sich.

Oder besser: Sie waren es. Denn seit einem halben Jahr registrieren die Anwohner Betrieb in der Sackgasse. Die wird zugeparkt, fremde Autos dicht an dicht, sogar im Wendehammer. Die Anwohner fürchten um eigene Parkplätze, Kinder, Hunde und Katzen. „Das geht morgens früh los, Autos fahren in einem Affentempo in unsere Straße, Türen knallen, klatsch, zu!“ schilderte lebhaft und lautmalerisch eine Anwohnerin nun im Bürgerforum.

Vom Goldammerweg machen sich die Fremden zu Fuß über einen Gehweg zur Reinhardstraße und entlang der Neuenhofstraße auf ins Gewerbegebiet Eilendorf-Süd. Mitarbeiter, die weder bei ihrer Firma noch sonst wo im Gebiet einen Parkplatz finden. Nach Feierabend sind sie zurück im Goldammerweg und holen ihre Autos wieder ab. Türen knallen, klatsch, zu.

Verdrängen Diesel Mitarbeiter?

Anwohner beobachteten, dass vor allem die Mitarbeiter einer Autofirma den Goldammerweg als Parkplatz schätzen. Sie wollen auch entdeckt haben, dass das Gelände der Firma mit Neu- und Gebrauchtwagen „proppenvoll“ sei. Damit ist der Dieselskandal im Spiel. Diesel verkaufen sich nicht gut, sie stehen rum. Wohin damit? Die Siedler vom Goldammerweg glauben, das Autohaus stelle die nach der Stellplatzverordnung für die Mitarbeiter zu reservierenden Parkplätze mit den zäh verkäuflichen Wagen voll und verdrängen dadurch die Mitarbeiter.

Die Anwohner schrieben einen Bittbrief ans Autohaus, eine in Moll gehaltene Klage. Keine Reaktion. Weshalb sich der Goldammerweg ans Bürgerforum wandte: Die Stadt möge die Sackgasse zur Anliegerstraße erklären und das Befahren durch Fremde unterbinden.

Geht nicht, sagt die Verwaltung: „Alle öffentlichen Straßen im Stadtgebiet Aachen sind für den allgemeinen Verkehr gewidmet und dürfen somit generell von allen Autofahrern befahren und beparkt werden.“ Bestimmte Straßenverbindungen unter Freigabe für die Anlieger zu sperren, gehe nur dort, „wo diese Straßen als Abkürzungen oder Stauumfahrungen für bedeutsame Verkehrsbeziehungen“ genutzt würden und hierdurch das Wohngebiet „von unzumutbarem oder sicherheitsgefährdendem Durchgangsverkehr“ durchquert werde. Die Sackgasse Goldammerweg aber verzeichne „keinen unzumutbaren Durchgangsverkehr“.

Falsch, kontern die Anwohner. Die Beschäftigten des Gewerbegebiets würden zwar das letzte kurze Stück auf dem Weg zur Arbeit nicht mit dem Auto fahren, sondern zu Fuß gehen, aber: „Viele Mitarbeiter wollen dem Stau auf der oft überlasteten Neuenhofstraße entgehen und wählen den Weg durch unsere Siedlung, fahren bis zu dem ihrem Arbeitsplatz nächstgelegen Punkt, stellen den Wagen für den Rest des Tages ab und laufen das letzte Stück“, schilderte Willi Homberg als Sprecher der Anwohner.

Die Verwaltung argumentiert weiter, bei einer Anliegerstraße wäre „eine Kontrolle der geparkten Fahrzeuge bezüglich Anlieger oder Fremdparker den Überwachungskräften nicht möglich“, da der Wohnsitz des Fahrzeughalters nichts über sein Anliegen zum Parken im Goldammerweg aussage.

Eine Sonderbehandlung „im großräumigen Wohngebiet“ würde außerdem die Fremdparker lediglich in Nachbarwohnstraßen verlagern und somit in der Siedlung „eine Ungleichbehandlung verschiedener Straßenzüge“ erzeugen. Das sei aus Gleichheitsgrundsätzen nicht vertretbar. Auch die Ängste um Kinder und Haustiere lässt die Stadt nicht gelten: „Kinder dürfen Fahrbahnen nur zum Überqueren betreten und müssen ansonsten private Freiflächen oder öffentliche Spielplätze zum Spielen nutzen.“

Willi Homberg ließ nicht locker. Der Goldammerweg erbitte, was anderswo machbar sei. Am Waldstadion etwa gebe es Anliegerstraßen. „Was am Waldstadion möglich ist, muss doch auch bei uns möglich sein“, stichelte er. Das Parkraumproblem in Schönforst sei mit dem stetigen Ausbau des Gewerbegebiets entstanden. Es sei nur dadurch zu lösen, dass alle Betriebe der Stellplatzverordnung nachkämen und ausreichend Parkplätze für ihre Mitarbeiter anböten.

Das sah das Bürgerforum genauso. Zwar nahmen die Politiker die Vorlage der Verwaltung mit der Ablehnung einer Anliegerstraße „zur Kenntnis“, baten aber die Verwaltung, mit den Betrieben im Gewerbegebiet Kontakt aufzunehmen und zu prüfen, ob ausreichend Parkplätze vorhanden sind oder zweckentfremdet werden.