Aachen: Glutenfreie Törtchen gibt es nun am Münsterplatz in Aachen

Aachen : Glutenfreie Törtchen gibt es nun am Münsterplatz in Aachen

Zöliakie ist längst kein Modewort mehr, mit dem man nur eine weitere Nahrungsmittelunverträglichkeit verbindet. „Es ist eine klar definierte Krankheit und das muss man auch so kommunizieren“, sagt Professor Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin an der Uniklinik Aachen.

Besser bekannt ist die Zöliakie oder auch Sprue unter dem Begriff Glutenunverträglichkeit. Dabei besteht eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Typische Symptome sind Durchfall, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Müdigkeit, aber auch Blutarmut und Osteoporose können auftreten.

In Aachen gibt es jetzt auch glutenfreie Törtchen. Die Isabella Glutenfreie Pâtisserie ist seit März am Münsterplatz. Foto: Harald Krömer

Für die Betroffenen ist es in jedem Fall belastend. Doch es gibt Hoffnung: „Durch das Weglassen von Gluten ist das Problem des Patienten gelöst“, sagt Trautwein. Es brauche keine weitere Medikation, keine Therapie. Die Krankheit müsse nur erkannt und die Ernährung entsprechend umgestellt werden.

All dies hat Isabella Krätz schon hinter sich. Im Jahr 2009 wurde bei ihr Zöliakie diagnostiziert. Bei der Ernährungsumstellung fiel ihr auf, dass es für eine Glutenunverträglichkeit eigentlich nur industriell gefertigte Lebensmittel gibt. Doch sie wollte lieber handgefertigte Produkte und wissen, was wirklich drin ist. Kurzerhand hängte sie ihre Karriere in der Modebranche an den Nagel, absolvierte eine Konditorprüfung und entwickelte eigene Rezepte.

Schnell zog die Düsseldorferin mit ihren Ideen auch die gesamte Familie in den Bann. Und so wurde im Juli 2015 ihre erste glutenfreie Pâtisserie namens Isabella in Düsseldorf eröffnet. Seit März dieses Jahres gibt es eine Zweigstelle am Münsterplatz in Aachen. Die Produktpalette reicht von Brötchen und Brot über diverse Fruchttörtchen mit beispielsweise Aprikose-Basilikum -oder Aprikose-Mandel-Mohn-Geschmack bis zu Macarons.

„Angebote von glutenfreien Bäckereien und Pâtisserien sind extrem hilfreich für die Patienten“, sagt Trautwein. Denn eine Zöliakie habe nichts mit anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu tun, sondern sei eben eine ernstzunehmende Krankheit. „Wenn ein großes Angebot da ist, ist die Lebensqualität für Betroffene deutlich höher“, so der Experte.

Auch Alltagsprodukte

Der Zeitpunkt der Erstdiagnose ist dabei sehr unterschiedlich. Bei manchen Menschen wird Zöliakie erst im fortgeschrittenen Alter festgestellt. Entgegen vieler Vorurteile sei dies keine Trend-Krankheit oder Einbildung. „Inzwischen ist die Diagnostik viel weiter. Früher musste eine Dünndarmspiegelung gemacht werden, um Zöliakie festzustellen“, so Trautwein. Das sei inzwischen deutlich einfacher. Umso eher wissen Betroffene, worunter sie tatsächlich leiden.

Trautwein sagt, dass die Zahlen in Deutschland unter dem europäischen Durschnitt liegen. Verschiedene Studien hätten belegt, dass etwa 0,28 bis 0,5 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einer Form der Zöliakie lebt. Sie trifft zudem häufiger Frauen als Männer. Interessant sei auch, dass 62 Prozent der gesamten deutschen Bevölkerung Symptome, die mit Zöliakie in Verbindung stehen, aufwiesen.

Bei gesunden Menschen wird die aufgenommene Nahrung im Dünndarm verdaut, also in ihre Bestandteile zerlegt. Die Nährstoffe werden anschließend über das Blut in die verschiedenen Organe geschleust. Liegt eine Zöliakie vor, ist die Aufnahme kleinerer Bruchstücke über die Dünndarmschleimhaut beeinträchtigt, weil diese entzündlich verändert ist. „Kleinste Bruchstücke werden dann vom Körper als fremd angesehen und können Reaktionen hervorrufen. Nicht jeder Patient kann entsprechende Antikörper entwickeln“, so Trautwein weiter.

Es bleibt nichts weiter übrig, als die Ernährung dauerhaft umzustellen, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Wichtig war Familie Krätz daher auch, Alltagsprodukte wie Brote und Brötchen in ihrer Pâtisserie anzubieten. Doch warum eigentlich in Aachen?

„In Aachen hat es von Anfang an gepasst. Wir haben uns verschiedene Städte angesehen, darunter auch Münster. Das Wichtigste war für uns, dass wir ein gutes Ladenlokal finden und die Stadt einen gewissen Charme hat“, sagt Dominic Krätz, Sohn von Isabella Krätz, der das Familienunternehmen tatkräftig unterstützt. Stundenlang haben er und seine Familie in Aachen in verschiedenen Cafés gesessen, um die Stadt ein wenig besser einschätzen zu können. „Wer es gerne urban, aber dennoch gemütlich mag, der ist in Aachen genau richtig aufgehoben“, so Isabella Krätz, Gründerin.

Im internationalen Aachen werden die Produkte laut Dominic Krätz gut angenommen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entscheidung.“ Derzeit tüftelt die Familie an einer glutenfreien Printen-Variante. Schließlich wolle man auch auf lokale Besonderheiten eingehen.

Die Zutaten für ihre Produkte versuchen sie außerdem in der Region einzukaufen. Die Milch komme beispielsweise von einem Aachener Milchbauern. „Das Thema Ernährung gewinnt einfach an Bedeutung“, sagt Dominic Krätz. Und dazu gehöre auch die Herkunft der Produkte, die den Unternehmen sehr wichtig sei.

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