Glockenspiel im Rathaus Aachen: Rückblick auf die Einweihung 1979

Wechselvolle Geschichte : Vor 40 Jahren bekam das Rathaus sein Glockenspiel

Vor 40 Jahren wurde das Glockenspiel des Aachener Rathauses eingeweiht. Daran erinnert die Archivalie des Monats August im Aachener Stadtarchiv.

Sie zeigt ein Foto von Oberbürgermeister Kurt Malangré sowie Stadtkonservator und Dombaumeister Dr. Leo Hugot aus dem Jahr 1979 bei der Einweihung des Glockenspiels und der neuen Turmspitzen des Aachener Rathauses. Malangré und Hugot schlagen dabei die Glocken an und lassen sie erstmals für die Aachener Bürger erklingen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Anblick des Aachener Rathauses und seiner Türme oftmals gewandelt. Und immer wieder waren Feuer und Zerstörung ausschlaggebend für diese Verwandlung. Im 14. Jahrhundert erbaut, wurde das Rathaus von zwei mächtigen Türmen flankiert. Beide Türme erhielten schlanke und eher einfach ausgeführte Spitzen im gotischen Stil, die ab diesem Zeitpunkt bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts alle Abbildungen des Rathauses zieren.

Als am 2. Mai 1656 mehr als 4200 Häuser und etwa 20 Kirchen und Klöster dem verheerenden Stadtbrand zum Opfer fielen, nahm auch das Rathaus schweren Schaden: Die Dachkonstruktionen brannten völlig aus. Recht schnell wurden die Stadt und das Rathaus jedoch wieder aufgebaut. Die Türme erhielten neue Helme, die aber, nach den Strömungen der vorherrschenden Zeit, nunmehr eine barocke Ausprägung erhielten und mit ihren Zwiebelspitzen eine augenfällige Wandlung des Rathauses bedeuteten.

Markante Punkte für 200 Jahre

Mehr als 200 Jahre waren nun diese Barockhelme markante Punkte in der Silhouette der Stadt – bis am 29. Juni 1883 erneut ein Großbrand das Rathaus und damit auch die beiden Türme schwer beschädigte. Wieder wurden die Dachkonstruktionen des Rathauses und der Türme vernichtet. Für die Wiederherstellung wurde nach dem Brand ein Wettbewerb ausgelobt, den Professor Georg Frentzen mit seinem Entwurf gewann. Durch ihn erhielten die Türme ihre hohen, aber im Vergleich zum Barock eher schlichten Helme mit den jeweils vier markanten Erkern im unteren Bereich der Turmdächer und den schlank zulaufenden Spitzen. Diese Türme waren für die nächsten circa 50 Jahre prägend für das Erscheinungsbild des Rathauses.

Den Ersten Weltkrieg und die anschließenden unruhigen Zeiten in Aachen überstanden die Türme nahezu unbeschadet, den Bombenangriffen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg 1944 vermochten sie jedoch nichts entgegenzusetzen. Wieder einmal fiel das Dach des Rathauses und der Türme einem Feuersturm zum Opfer. In trauriger Erinnerung geblieben ist vielen Aachenern dabei das geschmolzene Stahlkorsett des Granusturms, das in die Krämerstraße herabhing und das die gesamte Situation der Stadt und seiner Bürger anschaulich machte.

Nach dieser erneuten Zerstörung lag der Fokus der Stadtväter nunmehr zuerst auf der Wiederherstellung der grundlegendsten Bedürfnisse der Aachenerinnen und Aachener, so dass die Wiederherstellung der Rathaustürme erst einmal in den Hintergrund rückte und sie provisorische, schlichte Dächer zur Abdichtung erhielten. Dieser Anblick der flachen, unscheinbaren Rathaussilhouette wurde für fast drei Jahrzehnte zur Normalität. Erst in den 1970er-Jahren wurden die Wiederherstellung des Rathauses und der Turmhelme wieder zu einem Thema in der Stadt und wieder wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben.

Die Entwürfe von Dr. Leo Hugot – Architekt, Stadtbaumeister, Dombaumeister und Stadtkonservator – fanden den Beifall des Auswahlgremiums. Seine Turmgestaltung orientierte sich an der Ausprägung der Turmspitzen im Mittelalter. Er griff in seinen Entwürfen wieder auf die gotischen Gestaltungselemente der Türme zurück, die sie auch in der ersten Phase ihrer Existenz unmittelbar nach der Fertigstellung des Rathauses prägten.

Im Jahr 1979 waren das Rathaus und die Türme, so wie sie heute aussehen, wieder hergestellt. Das Rathaus sollte auch sein Glockenspiel erhalten und so wurden die Glocken dieses Glockenspiels im Juli 1979 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ausgestellt, bis es zusammen mit den Rathaustürmen am 3./4. August 1979 im Rahmen eines großen Stadtfestes offiziell eingeweiht wurde. Etwa 100.000 Besucher strömten dabei durch die Stadt und ein Großteil von ihnen erlebte den eigentlichen Festakt auf der Bühne vor dem Rathaus, bei dem Oberbürgermeister Kurt Malangré und Dr. Leo Hugot auch die Glocken sorgfältig inspizierten, die auf der Bühne standen oder an entsprechenden Gestellen aufgehängt waren.