Aachen: Girls Day: Spannender Testlauf an der Werkbank

Aachen: Girls Day: Spannender Testlauf an der Werkbank

Im Reigen der vielen Veranstaltungen zum Girls Day 2001 öffnete auch die Handwerkskammer Aachen ihre Werkstätten im Bildungszentrum BGE. 32 Mädchen, aufgeteilt in zwei Gruppen, verbrachten einen spannenden Tag an der Tempelhofer Straße.

Die Mädchen aus den 7. und 8. Klassen arbeiteten in der Maler- und der Metallwerkstatt und lernten unter Anleitung der Ausbildungsmeister das jeweilige Berufsbild kennen. Später tauschten beide Gruppen die Werkbereiche.

In der Metallwerkstatt hatte jede Teilnehmerin die Möglichkeit, ein kleines Mühlespiel anzufertigen. Damit jede der 13- bis 14-Jährigen den rechten Winkel traf und beim Feilen und Bohren nichts schief ging, schaute Anleiter Michael Piek den Mädchen fachmännisch über die Schulter.

„Alle Plätze waren innerhalb eines Tages belegt, mit so einem großen Ansturm hatten wir gar nicht gerechnet”, freut sich Hauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey über das große Interesse der Schülerinnen am Handwerk. „Unsere Mitgliedsbetriebe suchen viele talentierte Jugendliche als Lehrlinge”, begründet er die Beteiligung am Mädchen-Zukunftstag, der am Donnerstag bundesweit stattfand. Junge Frauen hätten gute Karrierechancen in der Wirtschaftsgruppe, ihr Anteil an den erfolgreichen Absolventen der Gesellen- und Meisterprüfungen nehme deutlich zu. „Besonders wichtig ist es für uns, Jugendliche aus allen Schulformen anzusprechen, von der Hauptschule bis zum Gymnasium.”

Abitur, dann Ausbildung

Das ist Barkey und seinen Mitstreitern Wilhelm Grafen, Birgit Bergs und Stefanie Neu gelungen, denn 50 Prozent der Teilnehmerinnen kamen vom Gymnasium. „Das Abitur soll eine anschließende Ausbildung im Handwerk nicht ausschließen. Wir bieten gute Aufstiegschancen und Möglichkeiten, Karriere zu machen”, betont Barkey, welch goldenen Boden das Handwerk habe. Auch angesichts des demografischen Wandels sei es wichtig, Nachwuchs zu akquirieren und auf Frauen zu setzen. „Karrieren mit Lehren sind keine Einbahnstraße, das erkennen immer mehr junge Schulabgängerinnen. Die Zahl der weiblichen Lehrlinge steigt.”

„Ich wollte das mit dem Metall einfach mal ausprobieren, sehen, wie der Arbeitsalltag aussieht”, sagt die 14-jährige Esra. Die Realschülerin arbeitet an der Werkbank neben ihrer Schulfreundin Ayline. „Ich hatte keine Erwartungshaltung. Letztes Jahr habe ich in eine Apotheke hineingeschnuppert, jetzt probiere ich etwas Handwerkliches aus”, berichtet die 15-Jährige.

„Wir müssen in Sachen Berufswahlvorbereitung aktiver werden, die Jugendlichen frühzeitig ansprechen und ihnen Alternativen und Perspektiven aufzeigen”, betont Barkey, wie wichtig es sei, den Schülern vielfältige Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen. „Nur so können Fehlentscheidungen vermieden werden.”

Das beste Beispiel für eine Karrierefrau im Handwerk ist Ausbildungsmeisterin Simone Cüpper. Die 45-Jährige zeigte den Teilnehmerinnen, welche Fertigkeiten das Maler- und Lackiererhandwerk erfordert: „Es braucht Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen und Farbe, Kreativität und mathematische Kenntnisse.” Für Frauen sei der Beruf gut geeignet: „Der heutige Tag ist der beste Beleg dafür.”

Tatsächlich waren alle Teilnehmerinnen mit Eifer bei der Sache und nahmen nicht nur ein Zertifikat, sondern auch ihre selbstgefertigten Arbeitsproben und Werkstücke stolz mit nach Hause. „Mit unserem Angebot zum Girls Day möchten wir dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Mädchen und Handwerk passen nämlich unbedingt zusammen”, betonte Barkey.