GHS Drimborn Aachen blickt zum Geburtstag optimistisch in die Zukunft

Runder Geburtstag für die Hauptschule : Ein Fest für 50 Jahre „Drimborner“

Auf diesen runden Geburtstag ist die Gemeinschaftshauptschule überaus stolz: Vor 50 Jahren wurde die Schule gegründet. Einfach hat es die Schulform jedoch nicht. Schulleiter Michael Geurtz blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft.

Eigentlich hatte Andrea Leitner den Aufdruck „Ich bin ein Drimborner“ für das Geburtstags-Outfit favorisiert. Schließlich habe man ihr schon am ersten Arbeitstag als stellvertretende Schulleiterin versichert, dass an der Hauptschule Drimborn eine ganz besondere Atmosphäre herrsche. Zu Recht, wie die 58-Jährige nach dreieinhalb Jahren an der Schule beteuert. Letztlich habe man sich dann aber doch für den (gender-)neutralen Satz „50 Jahre GHS Drimborn“ entschieden. Am Freitag werden diesen Satz im Rahmen einer schulinternen Feier rund 400 Menschen an der Oberen Drimbornstraße auf einheitlichen weißen T-Shirts tragen. Nicht ohne Stolz. Denn wie Schulleiter Michael Geurtz berechtigterweise sagt: „Für eine Hauptschule ist das schon eine Hausnummer.“

Grund zum Feiern hatten Lehrer dieser Schulform in den vergangenen Jahren eher selten. Der Ruf der Einrichtungen leidet. Die Anmeldezahlen sind vielerorts gering. Nur für wenige Eltern ist die einstige Volksschule noch der Wunschstandort, an dem ihr Kind nach der Primarstufe seine Schullaufbahn fortsetzen soll. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gab es vor 15 Jahren noch mehr als 15 Hauptschulen in der Städteregion, so sind es heute nur noch vier, rechnet Geurtz vor – eine in Eschweiler und drei in Aachen. Und auch diese letzte Zahl wird sich bald ändern. Die Hauptschule Burtscheid wird bekanntermaßen auslaufend geschlossen. Übrig bleiben in Aachen langfristig also neben der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Drimborn noch die Hauptschule Aretzstraße. Sofern nicht die nächste Hiobsbotschaft um die Ecke kommt.

„Dann werden wir auch 75“

Michael Geurtz blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft. Er ist überzeugt: „Das Hauptschulsterben stagniert.“ Entsprechende Anzeichen dafür seien in der Schullandschaft im Regierungsbezirk Köln klar zu erkennen. Seine Vermutung: „Die Eltern merken, dass einige Schüler in kleinen Systemen besser zu fördern sind.“ Gleichzeitig ist seine Forderung an die Stadt Aachen klar: Ein ganzheitlicher und langfristiger Schulentwicklungsplan müsse her. „Wenn die Stadt Ja zur Hauptschule sagt, werden wir vielleicht auch noch 75 Jahre.“

Wie stark sich die Anforderungen an die Hauptschulen verändert haben, belegen die vergangenen 50 Jahre der GHS Drimborn deutlich: Mit rund 300 Schülern und etwa 20 Kollegen sei man 1969 gestartet, berichtet Geurtz. Heute sei das Betreuungsverhältnis mit 40 Kollegen und 360 Schülern deutlich besser. Zum Kollegium gehören mittlerweile längst nicht nur ausgebildete Lehrer. Die Teams sind multiprofessionell. „Die Art und Weise zu arbeiten, hat sich geändert“, sagt Geurtz. Inklusion, Integration von Flüchtlingen, Berufsvorbereitung: Auf all diesen Feldern sind die Hauptschulen besonders gefordert. Vor allem in den vergangenen 20 Jahren habe sich diesbezüglich viel verändert. Die Förderbedarfe sind erheblich größer geworden. Der 52-Jährige kann das gut beurteilen. Schließlich hat er seine komplette Laufbahn als Lehrer – vom Referendariat vor 25 Jahren bis zur Ernennung zum Schulleiter im Jahr 2015 – an der GHS Drimborn verbracht.

Und in dieser Zeit gab es dann doch so einiges zu feiern. Zum Beispiel, als „die Drimborner“ bei der Qualitätsanalyse, die Schulen in Nordrhein-Westfalen alle paar Jahre absolvieren müssen, Ende 2017 exzellente Noten einheimsten und in vielen Bereichen ausdrücklich als Vorbild empfohlen wurden. Oder aber, als das Schulministerium die Schule 2008 mit dem Gütesiegel für individuelle Förderung auszeichnete. Vor allem in diesem Punkt sehen Geurtz und Leitner die Stärke der GHS Drimborn. Der „enge Schulterschluss mit Unternehmen“ sei für ihre Klientel enorm wichtig. Die Liste der Kooperationspartner ist lang, seit kurzem gehört auch Rewe Stenten dazu. Die Früchte dieser individuellen Förderung sehe man in den Abschlussklassen: Aktuell strebt die Hälfte der Zehntklässler den Realschulabschluss an, viele von ihnen dürften die Qualifikation fürs Abitur schaffen, freut sich Geurtz.

Nicht zuletzt sind auch die jüngsten Anmeldezahlen Grund zur Freude. Zum Schuljahr 2019/20 verzeichnet die Statistik 60 Neuanmeldungen für die Klasse 5 – mehr als manch andere weiterführende Schule in Aachen.

Für Geurtz ist dies eine Wertschätzung der Arbeit seiner Kollegen und gleichermaßen Ansporn, sich als Schule stetig weiterzuentwickeln. Aktuell sei man zum Beispiel dabei, ein neues Konzept für die Deutschförderung zu entwickeln. Am Freitag wird jedoch erst mal gefeiert: mit einer Andacht und einem Frühstück auf dem Pausenhof für die gesamte Schulgemeinde. Als „Drimborner“ eben.

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