Aachen: Gewoge-Vorstandssprecher verlässt die Wohnungsgesellschaft

Aachen: Gewoge-Vorstandssprecher verlässt die Wohnungsgesellschaft

Beinahe auf den Tag genau vor sechs Jahren hat der Diplom-Wohnungs- und Immobilienwirt Bernd Botzenhardt die Führung der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Gewoge in Aachen übernommen, jetzt kündigt er seinen schnellen Abschied an.

„Auf mich warten nun neue Herausforderungen, die mich von Aachen wieder in den Norden ziehen“, teilte der Gewoge-Vorstandssprecher am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit.

Der Aufsichtsrat habe „seinen Wunsch auf vorzeitige Vertragsbeendigung gebilligt“, heißt es in der Mitteilung weiter, so dass die Gewoge-Zeit für Botzenhardt Ende des Jahres beendet sein wird. Näheres über die Gründe für dessen Schritt ist der Pressemitteilung nicht zu übernehmen. Für weitere Auskünfte war der 41-Jährige am Donnerstag nicht zu ereichen. So ist zunächst auch unklar, welche neuen Tätigkeiten auf ihn warten.

Botzenhardt hat die Aachener Gewoge am 1. September 2008 zunächst als Alleinvorstand übernommen und ab 2013 als Sprecher des Vorstands geführt. Er kam in einer Zeit, als die Zukunft der Gewoge ungewiss war, und hält sich zugute, die „Reintegration“ des gemeinnützigen Unternehmens in die Stadt bewältigt zu haben. Noch vor wenigen Monaten sprach er von einer „unbeschreiblichen Erfolgsgeschichte“, die die Gewoge mit ihrem Bestand von knapp 4700 Wohnungen in den letzten fünf Jahren geschrieben habe. Alleine im letzten Jahr erwirtschaftete sie einen Überschuss von 3,7 Millionen Euro.

Angesichts solcher Zahlen äußert sich auch Grünen-Ratsherr Hermann-Josef Pilgram, langjähriger Gewoge-Aufsichtsratsvorsitzender, sehr positiv über Botzenhardt: Aachen verliere „eine äußerst engagierte Persönlichkeit der Wohnungswirtschaft und einen erfolgreichen Vorstand unserer Gesellschaft“, schreibt er.

Doch solch wohlwollende Worte können kaum darüber hinwegtäuschen, dass die Kritik an Botzenhardt in den letzten Monaten immer lauter geworden ist. Selbst der Oberbürgermeister erklärte, „nicht glücklich“ darüber zu sein, wie schwer sich die Gewoge mit neuen Bauprojekten tue.

„Kann nur bergauf gehen“

Lange Verzögerungen gab es etwa an der Vaalser Straße, wo erst jetzt der Startschuss für den Bau von 120 neuen Wohnungen gegeben werden konnte. Noch kein Fortschritt ist hingegen bei den Planungen für 75 neue Wohnungen an der Stolberger Straße zu erkennen. So waren es insbesondere die Linken, die der Gewoge-Spitze offen Versagen vorwarfen: Sie habe nur den Bestand verwaltet, aber keine Impulse für den Wohnungsmarkt gegeben. „In Bezug auf preiswerten Wohnraum kann es jetzt eigentlich nur bergauf gehen“, meint Fraktionsgeschäftsführerin Ellen Begolli zum Abgang von Botzenhardt. Ähnlich deutliche Kritik wird in anderen Fraktionen nur hinter vorgehaltener Hand geäußert.

Wer Nachfolger von Botzenhardt werden soll, will der Aufsichtsrat kurzfristig entscheiden, heißt es in der am Donnerstag versandten Pressemitteilung. Nach „Nachrichten“-Informationen soll allerdings die Vorentscheidung für Vorstandsmitglied Thomas Hübner bereits gefallen sein.

Am Donnerstag hat sich auch der neue Aufsichtsrat der Gewoge formiert. Zum neuen Vorsitzenden wurde der SPD-Ratsherr Manfred Kuckelkorn gewählt.

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