Aachen: Gewerkschaften stellen buntes Programm für den Tag der Arbeit zusammen

Aachen : Gewerkschaften stellen buntes Programm für den Tag der Arbeit zusammen

Es ist den Jugendorganisationen im DGB geschuldet, dass der starke Arm der Arbeiterbewegung zum ersten Mal seit langen Jahren erst ab mittags zum Demo-Marsch am 1. Mai, Tag der Arbeit, in Richtung Markt aufruft. „Die müssen wahrscheinlich den Tanz in den Mai am Abend davor verkraften“, witzelt Aachens DGB-Chef Ralf Woelk bei der Vorstellung des Programms.

Start in diesem Jahr ist also erst um „5 vor 12“ Uhr ab dem DGB-Haus an der Dennewartstraße. Die Kundgebung auf dem Markt beginnt um 13 Uhr.

Und anders ist in diesem Jahr ebenfalls, dass kein arrivierter Gewerkschaftssekretär von Bundes- oder Landesebene die Mai-Ansprache halten wird. Traditionalisten mögen das bedauern. Dafür aber haben sich die verschiedenen im DGB organisierten Gruppierungen ganz stark auf regionale Themen und Problemstellungen konzentriert.

So stellt die IG Metall mit ihrer neuen Beauftragten für E-Mobilität, Daniela Jansen, ein Programm auf der Bühne am Markt auf die Beine, mit dem die durch die in Aachen, Düren und Heinsberg angesiedelte Produktionen von Fahrzeugen wie E-Scooter und dem kleinen e.GO entstandenen regionalen Anforderungen diskutiert werden sollen.

Hierfür gewann man von Unternehmerseite den Geschäftsführer der Produktionsfirmen, Professor Günther Schuh, zugleich Direktor des WZL an der Aachener RWTH. Angekündigt wird auf den Faltblättern das Zukunftsauto als „Mega-Thema“ der Region: An der E-Auto-Produktion hängen nach vorsichtigen Schätzungen möglicherweise bis zu 2000 neue Arbeitsplätze.

Wie nun diese rasante Entwicklung im Schulterschluss zwischen Führungskräften der Betriebe und den Arbeitnehmern mit positiven Ergebnissen für alle Seiten vorangetrieben werden kann, soll die Runde am 1. Mai öffentlich vor den Mitstreitern der Maikundgebung diskutieren. Auch Fragerunden seien vorgesehen, berichtet DGB-Chef Woelk.

Mit auf der Bühne werden als Gesprächspartner Verdi-Sekretär Mathias Dopatka sowie die Landesvorsitzende der NRW-Grünen und Fachfrau für Digitalisierung, Mona Neubaur, sowie eben Daniela Jansen stehen. „Das große Problem ist der eklatante Fachkräftemangel“, skizzierte Woelk die Richtung. Klar sei in diesem Zusammenhang, dass schlecht bezahlte Leiharbeit, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und niedrige Löhne nicht dazu angetan seien, eine hoch qualifizierte Zukunftsbranche wie die Produktion von E-Mobilen nach vorne zu bringen.

„Wir brauchen für Fachkräfte, die wir nach Aachen holen wollen, gute Wohnungen und Infrastruktur wie Kitas und Schulen“, sagte Jansen. Einen bislang gut bezahlten Autowerker von Bochum mit der ganzen Familie nah Aachen zu locken, dafür brauche es schon Einiges, vor allem angesichts der hohen Mieten in der Stadt. Wenn man sich die Höhe der jetzt bezahlten Löhne ansehe, werde das wohl kaum klappen, schilderte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Achim Schyns, die Situation.

Für den Fachbereich der IG Bau berichtete Gewerkschafter Thomas Krumscheid über die stockenden Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeberangebote sein momentan völlig inakzeptabel. Er erwarte auch keine großen Lösungen von den Schlichtungsverhandlungen, die Zeichen stünden eher auf Streik, sagte Krumscheid. Das betreffe sowohl den Bereich der Bauhauptgewerbe wie auch die Kollegen im Innenausbau.

Verdi zeigt sich zufrieden

Zufrieden zeigte sich die Aachener Verdi-Vorsitzende Uschi Plum, die Gewerkschafter aus diesem Fachbereich können schließlich auf einen gerade kürzlich gelungenen Tarifabschluss im Bereich des Öffentlichen Dienstes zurückblicken.

Wie auch in den Vorjahren wird die Kundgebung von einem bunten Kulturfest umrahmt, bei dem traditionell verschiedene Leckereien auf dem Markt angeboten werden. Zudem endet der Tag der Arbeit erstmals mit Livemusik in der irischen Kneipe Wild Rover, Pontstraße. Hier spielen ab 19.30 Uhr die Gruppen Precider und Molly Punch.

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