Gewerkschaften machen in Aachen für menschenwürdige Arbeit mobil

Welttag für menschenwürdige Arbeit : Ein lauter Aufruf für weltweit mehr Gerechtigkeit

Am Welttag für menschenwürdige Arbeit haben am Montag die Aachener Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der DGB-Aachen gemeinsam mobil gemacht für eine Stärkung der Arbeitnehmerschaft an den Arbeitsplätzen in der Region.

Die KAB mit ihrem Diözesangeschäftsführer Andris Gulbins nutzte den Tag mit Themenausstellungen in der Citykirche gleichermaßen für die weltweite Aktion der katholischen Arbeitnehmer, um bei Papst Franziskus unter dem Titel „Die Zeit ist reif ... für einen grundlegenden Wandel unserer wirtschaftlichen Ordnung und mehr soziale Gerechtigkeit“ mit einer Resolution vorzupreschen.

„Wir werden unseren Aufruf für mehr weltweite Gerechtigkeit über unsere bundesdeutschen Teilnehmer an die heute beginnende Amazonien-Synode richten“, versicherte Gulbins in der Citykirche, wo er gemeinsam mit Pfarrer Timotheus Eller (Pfarre Franziska von Aachen) über die Partnerschaft der KAB mit Madagaskar informierte.

Die aktuelle von der KAB verabschiedete Resolution für mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt soll das synodale Bischofstreffen in Rom über die deutschen Bischöfe erreichen und dort für einen schärferen Blick auf mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie für mehr Solidarität mit den Armen auf dieser Welt sorgen.

Digitalisierung auf der Agenda

Als weiteren Punkt für die zukünftige Arbeitswelt habe die KAB die Digitalisierung der Arbeitswelt auf ihre Agenda gesetzt, berichtete der Diözesansekretär; hier entstünden zukünftig die meisten Probleme, die zu lösen seien. Als ebenso wichtiges Ziel des gewerkschaftlichen Kampfes brachte Gulbins das Thema „Lohngerechtigkeit“ aufs Tapet. Es sei unglaublich, dass Frauenlöhne in Deutschland rund 21 Prozent unter denen der Männer lägen.

Für den Aachener DGB mit seinem Vorsitzenden Ralf Woelk geht es am internationalen Welttag für menschenwürdige Arbeit an erster Stelle in diesem Jahr um die immer mehr schwindende Tarifbindung von Gewerkschaften und Arbeitgebern. „Die prozentuale Tarifbindung war im Jahr 2000 mit rund 69 Prozent der Arbeitnehmer der Höchststand, seitdem ist der Wert auf 56 Prozent im Westen und sogar nur rund 45 Prozent im Osten dramatisch zurückgegangen“, erklärte der DGB-Vorsitzende.

So haben sich die DGB-Gewerkschaften in diesem Jahr den Stopp der Tarifflucht auf die Fahnen geschrieben. Die Tarifbindung war traditionell ein Kernstück des gewerkschaftlichen Fortschritts im Nachkriegsdeutschland. „Die Arbeitgeber flüchten immer mehr aus den Tarifbindungen heraus, das ist insbesondere seit der Schröder-Agenda 2010 der Fall“, sagte
Woelk und wies darauf hin, dass heute bereits rund 7,5 Millionen Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen ihr Geld verdienen müssten, sie arbeiteten in Minijobs, Werksverträgen oder bei Zeitarbeitsfirmen.

Der Trend der Arbeitgeber zum Ausgliedern ihrer Teilbetriebe und der gewollten Flucht aus der Tarifbindung sei noch nicht gestoppt, ärgerte sich der DGB-Mann und mahnte gleichermaßen in Richtung Staats- und Sozialeinnahmen: „Nach unseren Berechnungen kostet die Tarifflucht die Sozialkassen jährlich 40 Milliarden Euro“, sagte Woelk, das sei schließlich eine erhebliche Summe.

„Wir haben in den letzten Jahren einen Wildwuchs von tariflosen Arbeitsverhältnissen gesehen, das auch vor allem in der Paket- und Logistikbranche“, schimpfte
Woelk, das müsse dringend gestoppt werden.