Aachen: Gewerbehof geht in Flammen auf

Aachen: Gewerbehof geht in Flammen auf

Aachen: Feuer in Wabe-Werkstatt

Gegen halb vier Uhr in der Nacht zum Freitag war für Alois Poquett, den Geschäftsführer der Wabe, die Nachtruhe beendet: Von der Polizei wurde er geweckt und darüber informiert, dass die Haarener Dependance des gemeinnützigen Vereins, der sich seit 1985 für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten einsetzt, ausgebrannt war.

Gegen 2.40 Uhr war der Brand in der Friedenstraße 25 entdeckt worden, die knapp 100 Meter große Halle stand beim Eintreffen der Feuerwehr in vollen Flammen. Insgesamt 50 Angestellte arbeiten normalerweise dort und in der Fahrradstation am Hauptbahnhof, sie sorgen dafür, dass aus schrottreifen wieder verwendbare Fahrräder werden. Momentan ist dort jedoch Ferienmodus, erst nächste Woche sollte der Betrieb wieder voll aufgenommen werden.

Die Leitstelle der Wehr beorderte gleich drei Züge zur Brandstelle, einen von der Hauptwache an der Stolberger Straße, die anderen von den Freiwilligen Feuerwehren Mitte und Haaren. Sie entdeckten bei ihrem Eintreffen eine zweite Brandstelle im Außenbereich, was gleich den Verdacht aufkommen ließ, dass es sich um Brandstiftung handelte. Die etwa 20 Einsatzkräfte bekämpften die Flammen mit Wasser aus mehreren Rohren, da das Feuer auf angrenzende Gebäude überzugreifen drohte, auch eine Hubrettungsbühne kam dabei zum Einsatz.

Über eine zweite Hubrettungsbühne wurde das Dach und das angrenzende Gebäude kontrolliert, nach 20 Minuten war der Brand unter Kontrolle. Die anschließenden Nachlöscharbeiten zogen sich aber noch bis 5.30 Uhr hin. Die Kriminalpolizei nahm noch an Ort und Stelle ihr Ermittlungen auf und kam relativ rasch zu einem relativ eindeutigen Ergebnis: „Wir ermitteln wegen Brandstiftung“, formulierte es am Vormittag Sprecherin Sandra Schmitz. Sie bittet Zeugen, sich unter Telefon 0241/957731101 zu melden.

Den Sachschaden konnten die Brandexperten der Kripo am Freitag nur grob beziffern: auf mindestens 50.000 Euro. Wabe-Vorstand Alois Poquett schätzt ihn sogar noch höher ein, auf 100.000 Euro oder sogar noch mehr, sollte die Standsicherheit der Halle beeinträchtigt sein. Doch zunächst atmete er durch: „Es ist keinem Menschen was passiert, das ist das Wichtigste. Der Rest lässt sich regeln.“

Problem Wärmedämmung

Allerdings erst in der kommenden Woche, denn auch die Versicherungsvertreter und ihre Sachverständigen haben ihre Brückentage. Diese müssen unter anderem untersuchen, ob die Statik der angekokelten Balken angegriffen ist und die Halle nicht mehr genutzt werden kann, das könnte den Schaden noch einmal deutlich in die Höhe treiben und den Verein, der auch Fachberatungsstellen, Sozialkaufhäuser und Kleiderläden unterhält, vor größere Probleme stellen. Möglicherweise müssten die Fahrrad-Recycler, die gespendete Drahtesel aufbereiten und zum günstigen Preis abgeben oder kleinere Reparaturen ausführen, dann vorübergehend in anderen Wabe-Objekten unterkommen: „Man findet nicht an der nächsten Ecke neue Räume.“

Denn nicht nur die Flammen haben der Halle und den angrenzenden Büroräumen zugesetzt, auch Qualm und Löschwasser haben deutliche Spuren hinterlassen. Poquett: „Ich hoffe, dass wir weitermachen können.“ Auch die rund 600 Räder in der Halle sind in Mitleidenschaft gezogen: „Wir müssen sehen, wie viele davon noch brauchbar sind. Wir müssen abwarten, bis der Gutachter da war.“ Großen Dank statte der Wabe-Chef den Firmen ab, die am Freitag die gröbsten Schäden beseitigten: „Ich finde es riesig, wie angrenzende Firmen wie Elektriker, Gasinstallateur und Dachdecke ganz schnell zur Stelle waren, um uns zu helfen.“

Schon am Donnerstagnachmittag wurde die Feuerwehr zu mehreren Bränden im Driescher Hof gerufen worden, wo ein 14-Jähriger einräumte, Container in Brand gesetzt zu haben. Dabei waren auch Teile eine wärmegedämmten Fassade in Brand geraten, ein Phänomen, dem sich die Feuerwehr in Zeiten von Energieeinsparung immer häufiger ausgesetzt sieht. Ein Sprecher: „Es tritt immer häufiger auf.“

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