Aachen: Gewaltiger Impuls für Soerser Mehrzweckhalle

Aachen : Gewaltiger Impuls für Soerser Mehrzweckhalle

Viel ist über eine Mehrzweckhalle für Aachen gesprochen worden. Viel heiße Luft. Doch jetzt - mit Blick auf die verrinnende Zeit bis zur Reit-WM 2006 - wird es mit einem Mal konkret.

Auslöser für aktuelle Debatten und verhaltenen Optimismus ist ein der AZ vorliegendes Konzeptpapier, das Eurogress-Geschäftsführer Eugen Rinder im Auftrag des Oberbürgermeisters erstellt hat, der Titel: Bau und Betrieb einer Multifunktionshalle (MFH) in Aachen.

Eine Halle an der Krefelder Straße für Messe, Fernsehen, Sport und Karneval - durchaus finanzierbar, wenngleich noch viele Klippen zu umschiffen sind.

Dass er ein Konzept geschrieben hat, „das Hand und Fuß hat” - darauf legt Rinder Wert. Kein neues Projektpapier für Wolkenkuckucksheim, „da ist nichts schön gerechnet”. Denn davon ist Rinder überzeugt: Nur seriöse Berechnungen helfen jetzt noch weiter, „gesponnen wurde in diesem Zusammenhang schon genug”, pflichtet ein Stadtpolitiker bei.

„Aachen braucht eine solche Halle”, sagt Rinder auf AZ-Anfrage am Mittwochnachmittag, „das ist eine Investition in die Zukunft”. Sein Haus, das Eurogress an der Monheimsallee, platze aus allen Nähten („komplett ausgebucht bis Weihnachten”), „aufgrund seiner Konzeption, Lage und Größenklasse ist es jedoch für Großveranstaltungen jeglicher Art nicht geeignet”.

Mit seiner Projektskizze hat Rinder nun dem OB, dessen Verwaltung und der Ratspolitik Mut gemacht, die letzte Chance zu nutzen, das Thema Multifunktionshalle zu stemmen. Und Rinders Argumentation liest sich schlüssig.

Ziel: Die Halle als wichtiger Impuls für das Oberzentrum. Messe, Kongresse und Ausstellungen könnte man mit dem neuen Haus (7700 Quadratmeter groß, modernste Technik, 8000 Plätze stehend, 3500 Plätze bestuhlt) genauso fest etablieren wie große Konzerte, Musik- und Sportveranstaltungen. Es gibt, so weiß etwa CDU-Fraktionschef Rolf Einmahl, bereits erste Kontakte mit Fernsehanstalten.

„Warum Böblingen und nicht Aachen?”, spielt er beispielsweise auf die regelmäßigen Abstecher von „Wetten dass...” in die Provinz an. Dass der AKV sich seine Ordensverleihung auch in der neuen Halle vorstellen könnte, versteht sich von selbst. Rinder verweist auf vergleichbare Projekte in anderen Städten, sein Lieblingsbeispiel: die erfolgreiche VW-Halle in Braunschweig.

Kosten: Rentabel, so hat Rinder hoch gerechnet, wäre die Halle über den Umweg: mehr Beschäftigung, mehr Steuereinnahmen, zusätzliche Kaufkraft. Als Investitionskosten stehen 15 Millionen Euro im Raum, als jährliche Betriebskosten etwa 2,3 Millionen Euro.

Rinder geht von einer Kostendeckung im Betrieb nach zwei Jahren aus, von ersten Gewinnen im dritten Jahr (bei 166 Tagen Belegung).

Aber was ist mit der Investitionssumme? Hier sind sich alle einig: Ohne Hilfe des Landes geht nichts! Folglich, das wissen Einmahl und Linden, laufen entsprechende Gespräche auf Hochtouren - was am Mittwoch auch das NRW-Umweltministerium bestätigte, ohne Details zu nennen.

Da der ALRV für die Reit-WM ohnedies eine Halle für das Voltigieren und Westernreiten vorweisen muss, die Albert-Vahle-Halle aber zu klein ist, wäre die Mehrzweckhalle eine realistische Alternative.

Eine weitere Überlegung, eine reine Reitsporthalle zu errichten (Zuschussantrag: 3,5 Millionen Euro) soll in Düsseldorf nicht auf größte Freude stoßen. Denn die Frage nach dem „Und-was-passiert-damit-nach-der-WM?” erscheint nicht zufriedenstellend beantwortet. Deshalb drängt die Stadt darauf, das Zuschussgeld in die Mehrzweckhalle zu stecken.

Private Investoren sollen darüber hinaus auch schon Interesse signalisiert haben, ferner denkt man in der Politik laut darüber nach, drei Millionen Euro Fördergelder aus dem Topf „Euregionale 2008” in Richtung Soers umzuleiten. Verzichten will man stattdessen auf ein Science-Center, weil die Hochschule sich in der neuen Halle trefflich darstellen können soll.

Und noch ein Punkt in Sachen Finanzen, der unmittelbar zu tun hat mit dem Standort: Entstehen soll die Halle (möglicher Baubeginn: Mitte 2004, Fertigstellung vor dem CHIO 2005) direkt an der Krefelder Straße. Und zwar auf dem heutigen Parkplatz 2 des ALRV. Dieser Bereich soll aus dem Erbpachtvertrag mit dem Reitverein herausgenommen werden, das städtische Eigentum könnte zu Teilen auch verkauft werden.

Von einem Hotelbau ist die Rede, von einem Parkhaus, das die wegfallenden 1000 Plätze ersetzt. Auch das würde Geld bringen. Ob der ALRV mitmacht? Dazu sagt sein Präsident Klaus Pavel „derzeit gar nichts. Ich will die laufenden Gespräche nicht stören. Nur so viel: Wir sind auf einem guten Weg.” So viel von ihm am Mittwoch. Was selbst die Menschen in Verwaltung und Politik nicht schlauer macht, die den renommierten Club derzeit „im Zugzwang” sehen.

Möglichkeiten: Jetzt oder nie, so hallt dennoch der Ruf durch Aachen. Und ganz euphorisch werden die Möglichkeiten aufgelistet, die auch Rinder in seiner Arbeit nicht verheimlicht: Keine Konkurrenz zu großen Messeplätzen, heißt die Parole, vielmehr sollten Nischen genutzt werden. Denn nur über überregional bedeutende Veranstaltungen und Messen sei der Markt zu knacken.

Was Rinder nicht nennt, aber andere Eingeweihte wissen: Mit der Messe Köln sind schon Kontakte geknüpft worden, weil dort etliche Konzepte für kleinere, attraktive Messen in der Schublade liegen sollen.

Ansonsten könnte Aachen und als möglicher Betreiber das Eurogress mit dem Pfund Hochschulen, insbesondere mit der RWTH, wuchern. Von den Schlüsseltechnologien bis zu den Sonderforschungsbereichen - die Ideenschmiede für neue Messethemen sind bei der Arbeit. Rinder: „Dem Image der innovativen Technologieregion Aachen wäre diese Ausrichtung besonders zuträglich.”

Knackpunkte: Die wackeligen Finanzen, die offenen Zuschüsse aus Düsseldorf, das nicht kalkulierbare Verhalten des ALRV. Rinder sagt: „Der Plan ist realistisch.”

Dass die Reit-WM 2006 die große Chance bietet, die Multifunktionshalle auf den Weg zu bringen, sagt auch OB Jürgen Linden. Er blickt allerdings realistisch auf die Kosten, die Landesbezuschussung und viele Detailprobleme.

Allerdings weist er auf die günstige Zinssituation hin, ferner auf das Interesse privater Investoren. Der OB tritt auf die Euphoriebremse, schließlich gelte es nun auch, die Interessen von Stadt und ALRV zusammen zu bringen und weiterhin auf gute Gespräche mit Düsseldorf zu setzen.

Wissenschaftliche Ausstellungen, Kongresse, Tagungen, fachspezifische Messen, Verbraucherausstellungen, Musikveranstaltungen aus allen Sparten, Sportereignisse (Schwerpunkt Reiten), TV-Produktionen, Karneval, Märkte jeder Art - die Themenpalette für die Halle ist in der vorliegenden Skizze breit gefächert.

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