Aachen: „Gewaltfrei Lernen“: Workshop an der Hauptschule Aretzstraße

Aachen : „Gewaltfrei Lernen“: Workshop an der Hauptschule Aretzstraße

Selbstbewusst auftreten und Provokationen ins Leere laufen lassen: Das lernen derzeit Schüler der Hauptschule Aretzstraße. Beim Programm „Gewaltfrei Lernen“ üben sie, wie sie Streitigkeiten im Keim ersticken können. Und davon profitieren alle.

Das meint auch Schulleiterin Dagmar Castillo. „Wir haben kein Gewaltproblem an unserer Schule“, betont sie, aber kleine Rangeleien gehören zum Schulalltag. Wer ständig von anderen Schülern provoziert wird, lernt bei dem Programm, sich zu behaupten. Klare Ansagen an das Gegenüber sind laut Trainerin Katrin Stark der Schlüssel zum Erfolg. Sie probt mit der fünften Klasse, wie das geht.

Die Jungen und Mädchen haben Spaß dabei und nehmen die Ratschläge durchaus ernst. „Fass' mich nicht an“, sagt einer streng, als er von seinem Mitschüler angerempelt wird. Dann geht er weiter, ohne sich länger mit seinem „Aggressor“ aufzuhalten. Immer wieder üben die Jungen und Mädchen solche Situationen. Immer wieder versuchen sie, eine möglichst selbstsichere Art an den Tag zu legen. „Und selbst Kinder, die eigentlich gar nicht selbstsicher sind, können doch so tun, als wenn sie es wären“, meint Castillo. Wichtig sei, ihnen neue Wege und neue Verhaltensweisen im Fall einer Auseinandersetzung zu zeigen.

Vor allem für Mädchen

Und das gilt wohl in besonderem Maße auch für Mädchen. „Denn die sind oft zurückhaltend und lassen den Jungen gern auch mal den Vortritt, selbst dann, wenn ihnen das zum Nachteil gerät“, meint Castillo. Selbst wenn diese Prägung sehr tief sitze, versuchten Lehrer und Trainer immer wieder, ihnen mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln. „Wir wollen Impulse setzen und andere Wege zeigen“, sagt Trainerin Katrin Stark. „Die Schüler sollen begreifen: ‚Es könnte auch anders sein‘.“

Schulung für die Lehrer

Sie macht den Kindern klar: Wer mitmacht, bekommt den selben Ärger wie der, der den Streit angezettelt hat. Es ist also ratsam, Provokationen ins Leere laufen zu lassen. Damit das Gelernte auf dem Schulhof und in der gesamten Schule gelebt werden kann, werden auch die Lehrer entsprechend geschult. Im Prinzip sind sogar die Eltern eingeladen. Die allerdings beteiligen sich erfahrungsgemäß eher ungern an solchen Veranstaltungen, so Castillo.

Die Schülerschaft der Hauptschule Aretzstraße setzt sich aus vielen Nationalitäten zusammen, und die Eltern sprechen zum Teil kein Deutsch. Umso wichtiger ist es der Schulleiterin, den Kindern Verhaltensweisen und ein Auftreten zu vermitteln, das sie später auch bei der Arbeitssuche wettbewerbsfähig macht.

Die Jungen und Mädchen der fünften Klasse lassen sich auf die Rollenspiele ein. „Cool bleiben“ ist das Zauberwort, und genau das bleibt Trainerin Katrin Stark zu jeder Zeit. Sie spricht sehr leise und versucht erst gar nicht, sich durch Lautstärke Gehör zu verschaffen. Ihre Ansagen sind ruhig, aber bestimmt. Die Schüler folgen ihren Anweisungen, machen Rollenspiele oder entwinden sich dem Zugriff eines Mitschülers durch den „Schlangengriff“.

Möglich wurde dieses Projekt an der Aretzschule durch die finanzielle Unterstützung der Sparda-Bank West. Deren Stiftung „Kunst, Kultur und Soziales“ hat bislang 160 Schulen in Nordrhein-Westfalen die Teilnahme ermöglicht. „Wir haben inzwischen 600.000 Euro in das Anti-Gewalt-Training investiert“, sagt Torsten Eickhoff, Geschäftsstellenleiter Sparda-Bank West, Aachen.

„Gewaltfrei Lernen“ ist ein Verein, der mit seinem präventiven Konzept landesweit unterwegs ist. An der Hauptschule Aretzstraße kommen die Klassen fünf bis sieben in den Genuss dieses Trainings.

(mas)
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