Aachen: „Gewäsch und Gewimmel“: Brigitte Kronauer liest aus neuem Roman

Aachen : „Gewäsch und Gewimmel“: Brigitte Kronauer liest aus neuem Roman

Die ebenso zarte wie agile Frau am Lesepult zog alle in ihren Bann. Sämtliche Plätze in der Buchhandlung am Dom waren besetzt, als Brigitte Kronauer vor das Lesepult trat und ihren neuen Roman vorstellte.

Während draußen viel Gewimmel um den Weihnachtsmarkt herrschte, konnte man drinnen „Gewäsch und Gewimmel“ kennenlernen. So heißt das neue Buch der Büchner-Preisträgerin von 2005 — ein Roman, der eher ein über 600 Seiten fließender „Bewusstseinsstrom“ ist. Durchaus ähnlich wie bei James Joyce, bemerkte Buchhändler Dr. Walter Vennen in seiner Ansprache.

Die Autorin, Jahrgang 1940, bearbeitete immer wieder das Motiv der weiblichen Selbstfindungssuche, so auch in ihrem ersten Roman „Frau Mühlenbeck im Gehäus“. Kronauer lebt in Hamburg, hat aber durchaus Wurzeln in Aachen, sie hat hier studiert und als Lehrerin gearbeitet.

Triviales ist kostbar

In ihrem neuen Buch wimmelt es nur so von Personen und Figuren, die viel Kluges sagen dürfen, aber eben auch viel „Gewäsch“ von sich geben. Um die einfühlsame „Krankentherapeutin“ Elsa, die nebst Krankengymnastik und Massagen auch oft Lebenshilfe bietet, rankt sich ein üppiger Strauß von Figuren und Personen, die sich oft ganz „trivial“ geben. Denn Kronauer sieht das „Triviale“, also das Allgemeine und Alltägliche, als etwas Kostbares, weil zutiefst Menschliches. Kronauer sagt auch, sie habe keinen „linearen Roman“ schreiben wollen, sondern eher ein „Hausbuch“, eine Sammlung von vielen Stimmen und Charakteren. Da ist es nicht weit bis zu Johann Peter Hebel, der 1811 das „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ herausbrachte, das zu einem volksnahen „Hausbuch“ wurde.

Den kurzen und auch längeren Geschichten über Elsa und ihre Kundschaft wird in der Buchhandlung fast andächtig gelauscht. Eine Figur wie Frau Wäns, die sich in einen jüngeren Mann verliebt, der aber auch ihre Tochter interessiert, gewinnt immer mehr Kontur ebenso wie die Freundinnen Ruth und Herta mit ihren „Spülgeschichten“ und der „wechselseitigen Spurensuche“. Und dass ein gesunder „Klatsch und Tratsch“ schon viele in bessere Stimmung versetzt hat, ist natürlich nichts Neues, wird aber hier mit nahezu übermütiger Stimmenvielfalt präsentiert. Schon fast wie im Jargon der Autorin lässt sich eine Dame über die Geschichten beim Verlassen der Buchhandlung aus: „Rapunzelig und schmunzelig“ seien diese kürzeren und längeren Momentaufnahmen. Und ein älterer Herr seufzt: „Das war aber eher ein Abend für die Frauen.“

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