Aachen: Gesamtschule: Lehrer und FDP sind verärgert

Aachen: Gesamtschule: Lehrer und FDP sind verärgert

Dass sich CDU, SPD und Grüne auf die Einrichtung einer vierten Gesamtschule am Standort Stolberger Straße geeinigt haben, sorgt für Kritik.

Der Lehrerrat der Hauptschule Aretzstraße machte seiner Verärgerung in einem Offenen Brief Luft, die FDP drischt vor allem auf die CDU ein, und die Schülervertretung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ruft zur Protest-Demo am kommenden Montag auf.

Wie berichtet, soll die neue Gesamtschule im genannten Gymnasium errichtet werden, die Hugo-Junkers-Realschule und die Hauptschule Aretzstraße sollen darin aufgehen und bilden ab 2010 keine Eingangsklassen mehr.

Der Unmut bei den Pädagogen in der Aretzstraße ist beträchtlich, auch deswegen, weil sie die Informationen aus der Zeitung erhielten - „es gab kein Gespräch, bei dem wir unsere Meinung hätten äußern können”.

Im Offenen Brief des Lehrerrats an die Fraktionen und die Schulaufsicht heißt es weiter, „einen von Offenheit, Fairness und Gestaltungswillen geprägten Austausch mit den Lehrer- und Elternvertretern hat es niemals gegeben. Das bedauern wir sehr, weil wir den verantwortlichen Schulpolitikern sehr gerne unsere Sicht der Dinge, unsere pädagogischen Konzepte und Ideen für eine Zukunft unserer Schule (in Zusammenarbeit mit anderen Schulen) vorgestellt und dargelegt hätten. Denn wir haben uns durchaus Gedanken gemacht.

Wir halten es zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht und wenig durchdacht, eine vierte Gesamtschule und das Ende der Hauptschule Aretzstraße, der benachbarten Realschule und des einzigen Gymnasiums im Ostviertel auszurufen, zu mal konkrete Pläne zur Gründung nicht vorliegen oder unter Verschluss gehalten werden. Erfolgversprechende Kooperationskonzepte entstehen nicht durch eine von oben verordnete politische Initiative”.

Eindringlich wird um ein zeitnahes Gespräch mit Eltern und Lehrern der Hauptschule Aretzstraße gebeten.

Die FDP zeigt sich in ihrer Stellungnahme höchst erstaunt, dass sich eine „schwarz-rot-grüne Allianz über die Gründung einer vierten Gesamtschule geeinigt hat und damit das Aus für drei etablierte und leistungsstarke Schulen beschließt”.

Ohne jegliche Diskussion in der Öffentlichkeit oder im Rat, ohne Aussprache über den Schulentwicklungsplan und vor allem ohne vorherige Information der drei betroffenen Schulen schafften CDU, SPD und Grüne damit Fakten - vorbehaltlich der Zustimmung des Regierungspräsidenten „mit CDU-Parteibuch”.

„Nunmehr alleine”

Die FDP sei nun die einzige im Rat vertretene Fraktion, „die die individuelle Förderung unserer Kinder über die Ideologie setzt. Schüler, Eltern und Lehrer werden massiv verunsichert, wenn drei profilstarke Schulen im Sommer 2010 für immer geschlossen werden. Dafür wird im Ostviertel eine neue Riesenschule geschaffen.”

Der FDP-OB-Kandidat Wilhelm Helg sagt: „Wir Liberale stehen alleine gegen alle anderen Parteien in Aachen für das bestehende dreigliedrige Schulsystem und an der Seite der Schüler, Eltern, Schulpflegschaften, Schulleiter und Lehrer der von der Schließung bedrohten Schulen.”

Gerade der „Gesinnungswechsel” der CDU ist für Helg mehr als unverständlich - „am Tag, an dem ihr nordrhein-westfälischer Generalsekretär erklärt, mit aller Macht gegen die Pläne von Rot-Rot-Grün zu kämpfen und eine große Schulkampagne im ganzen Land mit Plakaten, Flugblättern und Postkarten gegen die Zerschlagung der Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien zu starten, macht die CDU in Aachen das genaue Gegenteil”.