Gerda Zuleger ist neue Vorsitzende des Kulturwerks Aachen

Kultur in Aachen : Kreative Impulse für die Aachen-Arkaden

„Schweigen ist nicht immer Gold“, sagt die Aachener Künstlerin Gerda Zuleger, die als neue Vorsitzende des Kulturwerks Aachen e.V. viel vorhat. So will sie sich zunächst darum kümmern, die vielen Leerstände in den Aachen-Arkaden, die zunehmend weniger Publikum in das große Einkaufszentrum bringen, künstlerisch zu thematisieren.

„Wir wollen mit allen Beteiligten darüber ins Gespräch kommen, was möglich ist, um mehr Leute in die Arkaden zu bringen“, plant die Nachfolgerin der kürzlich gestorbenen bisherigen Vorsitzenden Annely Kall ihre ersten Arbeiten. „Dann wollen wir auch überlegen, wie wir unsere Ausstellungen mit anderen Künsten kombinieren können, also etwa Musik, Schauspiel, Tanz und andere Disziplinen integrieren.“ Wichtig soll auch die Unterstützung und Förderung jüngerer Künstler werden: „Wir wollen offen miteinander reden, die richtigen Leute zusammenbringen, Vernetzungen ermöglichen, Bildungsarbeit leisten und schlicht und einfach das Spektrum der bisherigen Galeriearbeit erweitern und damit auch beweglicher und lebendiger werden.“

Offenheit ist auch ein wichtiges Thema ihrer künstlerischen Tätigkeit, was sie mit ihrer Einstands-Ausstellung „hier und jetzt“, die sich als Werkschau der letzten 25 Jahre versteht, nahelegt. Niemals setzt Gerda Zuleger, die an der FH Aachen Design studierte, einen Fokus auf ein einziges Thema, sondern arbeitet in mehreren Bereichen. Wenn auch die große Bodeninstallation mit Dutzenden von Kinderschuhen, die aus einem schwarz gestrichenen künstlerischen „Beichtraum“ herauslaufen, den Kindermissbrauch in der katholischen Kirche aufgreift und damit in die aktuelle Diskussion einsteigt, soll sie selbst trotz ihrer großen Dramatik die anderen Themen nicht überlagern. Leicht zugänglich sind Zulegers Arbeiten auf Metallplatten aus der Industrie, die vor rund 20 Jahren im Ruhrgebiet entstanden sind. Sie zeigen den Verfall der einstmals blühenden Industrielandschaft vor ihrem Ende bzw. dem wirtschaftlichen Wandel, verweisen auf Untergang und Neuanfang, Tristesse, Ödnis und Leere.

Ganz andere Sujets wiederum greifen weitere Bereiche ihrer Werkschau auf. Eine gewisse Mystik und surrealistische Themen sind nahezu durchgängig vertreten – etwa ein schwebender Stuhl im Farbraum, ein gehörntes Fabelwesen hinter einem Bett, Schmetterlingsreisen oder Proportionsverschiebungen bei Blumen und Figuren irritieren und inspirieren gleichermaßen beim Betrachten und individuellen Verstehen und Verarbeiten. „Meine Bilder sind fast immer Arbeiten für den zweiten Blick“, sagt Gerda Zuleger. „Ich möchte, dass die Betrachter sich Zeit nehmen, sich ihre eigenen Eindrücke verschaffen und sich Gedanken machen können, um dann ins Gespräch zu kommen.“

Eröffnet wird „hier und jetzt“ am heutigen Mittwoch um 18 Uhr mit einer Vernissage, die Ausstellung hängt bis zum 23. März. Geöffnet ist montags bis samstags von 13 bis 19 Uhr, nähere Auskünfte gibt es unter Telefon 0241/99778223 oder im Netz: www.gerdazuleger.de

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