Aachen: Gerade in der Kunst im Ludwig-Forum spiegeln sich die 68er

Aachen : Gerade in der Kunst im Ludwig-Forum spiegeln sich die 68er

Der Andrang war gewaltig, als am Donnerstag im Ludwig-Forum die Ausstellung „Flashes of the future“ offiziell eröffnet wurde. Und über so viel Interesse freute sich auch Isabel Pfeiffer-Poensgen, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, die eigens zur Eröffnung angereist war.

Immerhin ist das Ludwig-Forum auch das einzige Museum, das zum Jubiläumsjahr die 68er-Generation thematisiert hat. „Sonst hat sich niemand daran getraut“, sagte die Ministerin.

Dabei habe sich das globale Aufbegehren gerade auch lokal niedergeschlagen. Und das gilt insbesondere auch für Aachen. Marcel Philipp erinnerte daran, dass der persische Schah im Mai 1967 auch in Aachen gewesen sei, zu diesem Zeitpunkt noch umjubelt, wenig später kippte die öffentliche Stimmung dann: Die Studenten gingen auf die Barrikaden, „und weltweit begannen sich die Menschen gegen Missstände zu wehren, weil die Herrschenden sich nicht gekümmert haben“, so die Ministerin.

Geschrei von Wilden

„Und gerade die Kunst spiegelt diese Zeit in besonderem Maße wieder“, meinte Andreas Beitin, Direktor des Ludwig-Forums, als er dann schließlich zu Worte kam. Denn kaum hatte er zu seiner Rede angesetzt, da sorgte eine Gruppe Wilder mit Geschrei für eine Unterbrechung. Das Theater K gab so eine kleine Kostprobe des Stückes „Kaspar“ von Peter Handke, das im Rahmenprogramm zur Ausstellung insgesamt 15 Mal aufgeführt wird.

Aufbruch und Veränderung jedenfalls spiegeln sich in der Kunst in besonderem Maße wieder. Und da ist es ein Glück, dass Irene und Peter Ludwig schon damals gerade von der Pop Art fasziniert waren: Ihre Sammlung gilt heute als die bedeutendste außerhalb Amerikas. „Wir haben diese Ausstellung sehr gerne unterstützt“, betonte Brigitte Franzen, Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung. „Und die Ausstellung wäre ohne die Bilder der Stiftung gar nicht möglich gewesen“, stellte Andreas Beitin fest.

In einem Raum hängen Werke von Andy Warhol und Duane Hanson dicht nebeneinander. Sie zeigen, worum es den Künstlern damals ging: Sie brachen mit Konventionen und holten den Alltag in ihre Bilder. Auch Brigitte Franzen erinnert sich noch gut an diese Zeit und an die „Neue Galerie“ in Aachen: „Die Kunst war plötzlich nicht mehr auf dem Sockel und die ‚Neue Galerie‘ war ein offenes, experimentelles Haus“, schwärmte sie. Und gerade die Künstler waren ihrer Zeit dabei immer ein wenig voraus.

Bleibt vielleicht die Frage, was von der 68er-Bewegung und den damaligen Utopien geblieben ist. „Sicher konnten sie so nicht verwirklicht werden“, räumte die Ministerin während ihrer Ansprache ein. Von einer friedfertigen Welt ohne Waffen seien wir noch weit entfernt, „aber die Themen der Ausstellung gehen uns auch heute noch etwas an“, betonte sie. Die Faszination der 68er jedenfalls greift auch heute noch über, auch auf die, die erst Jahre danach oder während dieser Zeit geboren wurden. Das konnten Bürgermeister Marcel Philipp und Andreas Beitin nur bestätigen.

Und Co-Kurator Eckard J. Gillen lieferte gleich noch einen Ausblick: Heutzutage sei so etwas wie ein „kluger Konservatismus“ notwendig, um die aktuellen Herausforderungen meistern zu können. Alle miteinander zeigten sich sehr froh und zufrieden über diese Ausstellung: Sie zu planen, habe sehr viel Spaß gemacht, betonten sie einmütig.

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