Aachen: Geothermieprojekt der RWTH endgültig gescheitert

Aachen: Geothermieprojekt der RWTH endgültig gescheitert

Es ist ein Jubiläum, auf das man an der RWTH nur ungern angesprochen wird: Vor zehn Jahren begannen die Tiefbohrungen für ein Forschungsprojekt am heutigen Super C, das den weltweit guten Ruf der Aachener Hochschule weiter mehren sollte. Heraus kam ein Ergebnis, das dürftig zu nennen noch übertrieben wäre.

Das heiße Wasser, das im Zuge eines viel beachteten Geothermieprojekts aus dem Erdinnern hochgepumpt werden sollte, kann bis heute nicht gefördert, geschweige denn genutzt werden.

Die Beheizung des Super C mit Erdwärme war 2004 ein schöner Plan, mit dem die Wissenschaftler und Forscher gerne an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ökonomisch und ökologisch wollten sie in Sachen Klimatechnik neue Maßstäbe setzen. Doch die Ingenieurskunst an der Exzellenz-Uni reichte am Ende nicht aus, um die hochgesteckten Erwartungen erfüllen zu können.

So ist es still geworden, um das gut 2500 Meter tiefe Loch unterhalb des Super C. Und die Wissenschaftler überlassen es inzwischen lieber der RWTH-Verwaltung, Auskunft über den Stand der Dinge zu geben. „Es hat nicht die erhoffte Effektivität“, muss Dietmar Wenner, stellvertretender technischer Dezernent und Leiter der Abteilung technisches Gebäudemanagement an der RWTH, zugeben. Alle Forschungsaktivitäten seien inzwischen eingestellt, sagt er. Unvertretbar hoch wären die Kosten, zu groß die Risiken, um weiterzumachen.

Die anfänglich so überschwänglich optimistischen Forscher hätten sich im Laufe der Jahre immer weiter den Realitäten beugen müssen, meint Wenner. Weil man das eigentliche Bohrziel 2004 doch deutlich verpasst hat, sprudelte zu keinem Zeitpunkt das erhoffte 80 Grad Celsius heiße Wasser an die Oberfläche. Die Rohre blieben am Ende bekanntlich in knapp zwei Kilometern Tiefe stecken. Und dort sei das Wasser zur großen Enttäuschung der Geologen nur „deutlich unter 40 Grad Celsius“ warm, sagt Wenner. Selbst die seit mehr als 2000 Jahren erschlossenen Aachener Thermalquellen sind bei weitem ergiebiger.

Nach wie vor gebe es die Hoffnung, mit Hilfe der Erdwärme dereinst ein paar „Niedertemperaturbereiche“ im Super C beheizen zu können, meint Wenner. Doch noch darf das dafür benötigte Wasser nicht einmal hochgepumpt werden. Der RWTH fehlt dafür bis heute schlicht die Erlaubnis.

Denn ganz nebenbei mussten die Experten im Zuge des Forschungsprojekts — quasi als Synergieeffekt — lernen, dass Bergbaurecht und Wasserrecht zweierlei sind. So hatten sie zwar die Erlaubnis, den Bohrmeißel ins Erdreich zu treiben, nicht aber, den vorgefundenen Bodenschatz Wasser auch zu heben.

Die Nutzungserlaubnis sei erst vor gut einem Jahr beantragt worden, sagt Wenner. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, musste die Pumpe sogar komplett abgebaut werden, damit sie niemand auch nur versehentlich einschalten kann. „Wir gehen davon aus, in Kürze die Erlaubnis zu kriegen, meint Wenner. Es würde wenigstens einen kleinen Erfolg sicherstellen.

Rund fünf Millionen Euro hat das Loch verschlungen, das maßgeblich von der Deutschen Forschungsgesellschaft finanziert wurde. Und so muss man es wohl auch sehen: Es war ein Forschungsprojekt, das alle Beteiligten am Ende tatsächlich eines Besseren belehrt hat — nur leider nicht mit dem gewünschten Ergebnis.

So kommt es, dass das Super C auch sechs Jahre nach seiner Eröffnung und zehn Jahre nach Beginn der Tiefenbohrung auf die Fernwärmerohre der Stawag angewiesen ist. Nur eine Art Bullauge vor dem Super C erinnert an das gescheiterte Vorhaben. Den Neueinschreibern, die derzeit in großer Zahl das Super C ansteuern, ist es kaum einen Blick wert.

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