Aachen: Gemüter im Wiesental sollen sich beruhigen

Aachen: Gemüter im Wiesental sollen sich beruhigen

Hohe Wellen der Empörung hatten sich am ansonsten braven Wasserlauf der Wurm aufgetürmt, exakt dort, wo das Flüsschen träge an der Kleingartenanlage Wiesental vorbeiplätschert.

Denn im Erneuerungsprogramm „Soziale Stadt Aachen-Nord”, Teilabschnitt „Zwischen Wurm und Jülicher Straße”, waren im Zuge der Imageaufbesserung des Wohnquartiers Aachen-Nord Pläne bekannt geworden, dass bis zu 50 Kleingartenparzellen der Anlagen Burggrafenstraße und Wiesental breiten Wegen zur Erschließung des Wurmufers geopfert werden sollen.

Um es vorwegzunehmen: Im Planungsausschuss waren alle Fraktionen bemüht, den empörten Kleingartenbesitzern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Überlegungen, wie im Einzelnen die Wohnumfeldverbesserungen und Erneuerungsmaßnahmen in diesem seit Jahren vernachlässigtem Stadtteil vorgenommen würden, sei erst ganz am Anfang, versicherte der Ausschussvorsitzende Harald Baal (CDU).

Auch die anwesende Dezernentin Gisela Nacken machte klar, dass man erst in der ganz frühen Beratungsphase sei. Trotzdem habe sie natürlich bereits mit den Vorständen der Gartenanlagen gesprochen - allen sitzen noch die Probleme bei der Verlegung der Kleingartenanlagen Groß-Tivoli und Roland anlässlich des Stadionneubaus in den Knochen.

Doch der beauftragte Planer Dr. Frank Pflüger, der die entsprechende Studie im Planungsausschuss vortrug, machte an diversen Beispielen deutlich, wie wichtig eine Öffnung der Strukturen im Gebiet zwischen Wurm und Jülicher Straße für den gesamten Wohnbereich sei.

Wasser ins Viertel holen

„Wir müssen das Wasser in das Viertel reinholen”, appellierte er für eine großzügige Öffnung und forderte die Planexperten zu einem „offenen Denken” für den Bereich Aachen-Nord auf. So solle bei einer entsprechenden Mittelvergabe des Bundes beispielsweise an der Jülicher Straße gezielt kleinteiliger Wohnraum vergrößert werden, damit „große Familien”, die hier bereits häufig anzutreffen sind, mehr Wohnungsangebote bekommen könnten.

Außerdem brauche man zur Imageverbesserung des Viertels sogenannte „Pioniernutzer”. Man könne in dem alten Arbeiterviertel mit den Talbot-Wohnungen auch Angebote für „Baugruppen” machen, die gemeinsam neue Wohnprojekte verwirklichen wollen. Pflüger zeichnete mit viel Verve die Vorzüge eines Viertels nach, dessen Erscheinungsbild noch ex-trem zwischen „schönen und furchtbaren Ecken” schwanke. Dringend und als Vorleistung zu begreifen sei die Aufwertung des öffentlichen Raumes.

So denkt man etwa über den teilweisen Rückbau der Jülicher Straße nach. Aber auch die Renaturierung der Wurm oder die oben bereits angesprochene Umgestaltung in den Bereichen Burggrafenstraße und Wiesental sind zentrale Punkte, um den Gewerbecharakter des alten Viertels mehr mit dem Grün des Flusslaufes zu verzahnen.

Für den grünen Stadtplaner Michael Rau dürfen auch die Kleingärtner die Chance nicht verkennen, die die Maßnahmen zur Imagegewinnung auch für ihre Anlagen bedeuten würde. Hans-Dieter Schaffrath (FWG) regte an, bereits jetzt in den Kleingartenanlagen einen Plan zum Parzellentausch anzuregen - dann bekomme man in langer Sicht die benötigten Wege zur Wurm auch tatsächlich frei.

Maike Schlick (CDU) sah es auch eher so, dass die Kleingartenanlagen durch die Pläne aufgewertet würden. Für den planungspolitischen Sprecher des SPD, Norbert Plum, waren die Aufreger „eher ein Mangel an Kommunikation”. So bietet die SPD am 20. September eine öffentliche Fraktionssitzung zum Thema an, ein Beschluss wurde auf die Sitzung des Planungsausschusses vom 30. September vertagt.

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