Aachen: Gemeinsames Leitbild für alle bischöflichen Schulen im Bistum Aachen

Aachen : Gemeinsames Leitbild für alle bischöflichen Schulen im Bistum Aachen

Zehn Thesen als gemeinsames Fundament: Erstmals gibt es im Bistum Aachen ein Leitbild für alle bischöflichen Schulen. Es trägt den Titel „Bildung ermöglichen. Schule gemeinsam gestalten“ und ist das Ergebnis eines gut zweijährigen Prozesses, an dem Schüler, Eltern und Lehrer mitgewirkt haben. Das Leitbild definiert Qualitätsstandards und soll Weichen stellen für die künftige Entwicklung der Schulen — nicht nur im Unterricht.

Am Freitag wurden die zehn Thesen in der Bischöflichen Marienschule in Aachen vorgestellt. Die Marienschule, Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, ist eine von derzeit elf Schulen in Trägerschaft des Bistums ( Infobox). Im Sommer kommt die Dürener St.-Angela-Schule als zwölfte bischöfliche Schule dazu.

Ab Sommer 10.000 Schüler

An den elf Schulen lernen aktuell rund 8900 Mädchen und Jungen, Mit den Schülern von St. Angela kommen demnächst noch einmal rund 1100 dazu. Mehr als 600 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten an einer der elf bischöflichen Schulen. Das sind in etwa so viele Menschen wie das gesamte pastorale Personal im Bistum derzeit noch ausmacht.

„Im schulischen Bereich steckt also richtig Power drin“, sagt Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral, Schule Bildung im Generalvikariat. „Die Schulen sind eine große Aufgabe fürs Bistum. Im Sinne der Profilbildung brauchen wir deshalb eine deutliche Beschreibung dessen, was bischöfliche Schulen ausmacht.“ Das Leitbild, sagt Cremer, solle das Gemeinsame definieren, das die sehr unterschiedlichen Schulen eine.

Das Leitbild solle aber auch eine Vision für die Zukunft sein, stellt Thomas Ervens, Leiter der Abteilung Erziehung und Schule beim Bistum, heraus. „Mit einer nun gemeinsamen Basis können wir die Zukunft der bischöflichen Schulen gestalten und die anstehenden Fragen von Schul- sowie Unterrichtsentwicklung, schulpastoralem und sozialem Engagement weiter bearbeiten.“

Auf keinen Fall, so Ervens, solle das 30-seitige Heft nun in der Schublade verschwinden. Als nächster Schritt sind an den einzelnen Schulen pädagogische Tage zu den Thesen vorgesehen. Dort soll die inhaltliche Diskussion weitergeführt werden.

Vieles, was im Leitbild sorgfältig ausformuliert wurde, ist in den Schulprogrammen der bischöflichen Schulen allerdings längst verankert und wird im Schulalltag praktiziert. „Die bischöflichen Schulen im Bistum Aachen zeichnen sich durch eine Kultur der Achtsamkeit, des Respekts und der Wertschätzung aus“, heißt es zum Beispiel in These 9. Georg Schöpping, Leiter der Aachener Marienschule, formuliert das so: „Keiner fällt bei uns durchs Netz. Es geht darum, jeden Menschen anzunehmen, wie er ist.“

Begrüßung mit Handschlag

Die Förderschule an der Hars­campstraße kümmert sich um Kinder, die im Regelsystem nicht zurechtkommen. Und jeden Morgen, erzählt Schöpping, stehe er am Schultor und begrüße jeden einzelnen Schüler mit Handschlag. „Hier kracht es auch schon mal. Aber wir fangen jeden Tag neu an, egal, wie der Vortag gelaufen ist, und egal, ob Stühle geflogen sind.“

Monika Heusgen-Gatzweiler, Lehrerin am Aachener Pius-Gymnasium, hat in der diözesanen Arbeitsgruppe fürs Leitbild mitgewirkt. „Das Leitbild muss im Schulalltag erfahrbar sein“, betont sie. „Das gilt für den Unterricht, aber auch für Elternsprechtage oder Feste, die wir feiern. Und das gilt auch für nicht gemachte Hausaufgaben und versemmelte Mathearbeiten.“

Ein Aspekt des Leitbilds sei von der Schulgemeinschaft am Pius besonders positiv aufgenommen worden, erzählt Heusgen-Gatzweiler. „Verfehlungen und Scheitern gehören zum Menschsein dazu“, heißt es in der Einleitung. Und: „Auch im schulischen Kontext gehört menschliches Fehlverhalten zur Lebenswirklichkeit.“