Aachen: Gelände ums „Lufo”: Drei Künstler wollen den Garten „wachküssen”

Aachen: Gelände ums „Lufo”: Drei Künstler wollen den Garten „wachküssen”

Von dem Gärtnertrio „atelier le balto” tauchen beim Künstlergespräch im Ludwig Forum erst mal nur zwei Drittel auf: „Marc Vatinel ist noch draußen und schneidet Bäume.” Zusammen mit Véronique Faucheur und Marc Pouzol ist er für die neue Gestaltung des Gartengeländes zuständig.

Dass in dem Park gearbeitet wird, sieht man ihm an: Ein Bagger steht auf dem Rasen und einige der Metallbänke sind abmontiert. Das Rondell aus Steinen, ein ehemaliges Kunstwerk einer alten Ausstellung, das längst in sich zusammengefallen ist, wurde bereits zur Hälfte abgerissen.

In drei Aktionswochen, von denen eine schon im Herbst letzten Jahres lief, bearbeiten die Künstler den Lufo-Garten. Direktorin Dr. Brigitte Franzen und Dr. Annette Lagler haben das Projekt ins Leben gerufen: „Nachdem ich hier in Aachen ankam, machte ich die Feststellung: Der Garten benötigt ein Wachküssen”, erklärt Franzen. Erstmal gilt: „Platz schaffen für Neues und für Licht”, so Pouzol. Die Gartenkünstler bilden ein Karree, nehmen weg, schaffen Raum. Ob im Laufe des Jahres noch Parkzellen, kleine „Zimmer” im Lufo-Garten angelegt werden, ergibt sich während der Arbeit des Teams.

Das Ziel: mehr Menschen in den das Areal bringen, neue Besucher gewinnen und die Leute überraschen. Auch der Parkplatz des Museums profitiert von den Neuerungen: Materialien werden von den Künstlern und ihren Mitarbeitern auf die Fläche „transplantiert”. Alle Drei vom „atelier de balto” stammen aus Frankreich, haben dort gelebt oder studiert. Mittlerweile sind die Wahlberliner aber auch in Deutschland verwurzelt.

Ganz nebenbei führen sie neue Fremdwörter in den französischen Wortschatz ein: Studenten, die für das Team arbeiten, beschreiben Linien plötzlich als „streng” und vergleichen Konzepte „comme un Steg.” Stege und strenge Linien, das sind große Themen in den Projekten des Trios. Wer auf erhöhten Holzplanken durch einen Garten wandelt, erlebe ihn ganz anders, sicher auch bewusster. Warum die Architektur in den Gärten der Gruppe nicht weicher, geschwungener sei? „Die Natur in kleiner zu zeichnen ist uns zu langweilig”, so Pouzol.

Die Gartenkünstler aus Berlin stehen aber nicht nur zwischen Frankreich und Deutschland: In Florenz oder Quebec wachsen Werke der Künstler, für den nächsten Auftrag verschlägt es die Weltenbummler nach Nordafrika. „Wir gehen aber immer wieder zurück und kümmern uns”, sagt Pouzol. „Das ist für uns kein fertiges Produkt.” Das Sozialwerk Aachener Christen hilft bei der Pflege des Geländes - „eine Zusammenarbeit, über die wir sehr glücklich sind”, so Franzen.

Die Künstler arbeiten ohne Grenzen: „Wir können zwar nicht beim Nachbarn weiter graben”, räumt Pouzol ein, „aber wir können Bäume klauen.” Damit hat der Franzose nicht vor, bei Nacht und Nebel junge Setzlinge der Anwohner auszubuddeln und auf das Parkgelände zu entführen, sondern beeindruckende Pflanzen wie eine Eide wieder in Sicht zu bringen.

Künstlergespräch

Auf der anderen Seite sind die Gärtner nicht die einzigen, die Anspruch auf den öffentlichen Platz erheben. „Ich habe einen Mann erkannt, der jeden Morgen kam, der auf den Park so mit aufpasst”, erzählt Pouzol.

„Uns konnte er genau sagen, welcher Birnbaum wie lange keine Früchte mehr hatte. Das hilft uns natürlich sehr.” Viele Nachbarn und Freunde des Geländes sind zu dem Künstlergespräch gekommen, um sich über die Veränderungen in „ihrem” Park zu informieren. „Das ist ein sehr relevantes Areal für alle Menschen”, sagt Franzen, „und auch für zeitgenössische Künstler.” Ob und wie der Garten in Zukunft für Kunststücke benutzt werden könne, das sei „noch in der Entwicklung.” Die Museumsleitung freut sich schon, wenn die jetzigen Werke endlich wieder sichtbar sind.

Ab dem 9. Mai zeigen die Künstler vom „atelier le balto” in der Ausstellung „Les pieds sur terre” im Ludwig Forum mit Fotografien und Objekten ihre Arbeit der letzten zehn Jahre.