Aachen: Geheimes Aachen: Warum im Rathaus eine Toilette in einem Schrank steckt

Aachen : Geheimes Aachen: Warum im Rathaus eine Toilette in einem Schrank steckt

Das kennt man aus alten Edgar-Wallace-Krimis: Vor Überraschungen kann man hinter schweren Schranktüren nie sicher sein. Drehtüren, doppelte Wände, Geheimgänge — alles ist möglich. Auch das Aachener Rathaus kann in dieser Hinsicht mithalten. Hinter der Schrankwand im Werkmeistergericht verbirgt sich ein stilles Örtchen.

Gedacht war es für den französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d‘Estaing, der im September 1978 anlässlich der deutsch-französischen Konsultationen mit Bundeskanzler Helmut Schmidt im Aachener Rathaus zusammentraf. Hier brachten sie die Idee auf den Weg, ein gemeinsames europäisches Währungssystem zu schaffen. Während dieser so bedeutsamen Zusammenkunft sollte der gesundheitlich etwas angeschlagene Präsident nicht in die Verlegenheit gebracht werden, wie jeder Normalsterbliche die Toi­lette im Keller aufzusuchen.

Das Waschbecken funktioniert noch prima: 1978 wurde für den damaligen französischen Staatspräsidenten eine Toilette eingerichtet. Heinz Spees, Hausmeister im Rathaus, schließt den Durchgang auch heute noch manchmal bei Veranstaltungen auf. Foto: Harald Krömer

Durchbruch zum Dixiklo

Die Lösung lag hinter der mächtigen Schrankwand im Werkmeistergericht, hinter der bis dato das Übliche aufbewahrt wurde: Tischwäsche, Porzellan, Schreibutensilien. Dort also wurde ein Durchbruch geschaffen und die hintere Schrankwand herausgenommen, berichtet Heinz Spees, Hausmeister im Rathaus. In dem Durchgang zum Marienturm wurde dann ein Dixiklo platziert — eines in Edelausführung, versteht sich. Ans Händewaschen wurde natürlich auch gedacht. Das bis heute voll funktionsfähige Waschbecken mit fließendem Wasser und Seife wurde in den Schrank eingebaut.

Giscard d‘Estaing soll den eigens für ihn geschaffenen Sanitärbereich dann angeblich gar nicht aufgesucht haben — auch nicht bei seinem Besuch im Jahr 2003, als er mit dem Karlspreis ausgezeichnet wurde. Aber wer hält die Gänge der Würdenträger zum Klo schon so genau nach?

Vergebens war der Durchbruch hinterm Schrank ohnehin nicht. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten greift Hausmeister Spees auch heute noch zum Schlüssel und schließt die Holztür auf. Künstler oder andere Prominente können dann hindurchschlüpfen, um sich im Hinterzimmer umzuziehen oder auch am Waschbecken schnell frisch zu machen. Und auch als Fluchtweg kann die Geheimtür im Falle des Falles genutzt werden.

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