Aachen: Geheimes Aachen: Ein barockes Tor lehrt Studenten das Fürchten

Aachen : Geheimes Aachen: Ein barockes Tor lehrt Studenten das Fürchten

Es wirkt ein wenig fehl am Platz, das Tor aus dem Barock, das zwischen dem Kármán-Auditorium und der Eilfschornstraße steht. Und irgendwie scheint es auch die Studenten zu stören, die hier von Vorlesung zu Vorlesung laufen - denn die allermeisten von ihnen machen einen großen Bogen um das sogenannte Kármán-Tor.

Einer düsteren Legende nach sollen Studenten, die hindurchlaufen, großes Pech haben. Was hat es damit auf sich?

Mit Theodore von Kármán, dem ungarisch-amerikanischen Luftfahrttechniker, nach dem das benachbarte Hörsaalgebäude benannt ist, hat das Tor jedenfalls nichts zu tun. Vielmehr war es ursprünglich Teil des Klosterrather Hofs, der später als Wohn- und Fabrikkomplex genutzt wurde - und sollte streng genommen „Moretti-Tor“ heißen.

Der Klosterrather Hof, zu dem das Tor nicht von Anfang an gehörte, war Stadthaus der Abtei Klosterrath, die sich am Rande Kerkrades in der Provinz Limburg befindet. Nach dem großen Aachener Stadtbrand wurde das Grundstück der Anlage durch Zukäufe, auch entlang der Eilfschornstraße, vergrößert. Und jetzt kommt auch der berühmte Aachener Architekt Joseph Moretti ins Spiel, der unter anderem die Ungarnkapelle am Aachener Dom und das Haus Clermont in Vaals entworfen hat.

Moretti zeichnete bis zum Jahre 1786 für die Neubauten des Klosterrather Hofs verantwortlich, und eben auch für das Tor. Nach dem Einmarsch der Franzosen in Aachen und der damit erfolgenden Säkularisation fiel der Hof zunächst an die Republik Frankreich.

Es heißt, Napoleon persönlich habe das Gebäude dann an den Nadelfabrikanten Laurenz Jecker verkauft, damit hier eine Firma aufgebaut werden konnte.

Das funktionierte auch: Jecker richtete gemeinsam mit mehreren Mitstreitern eine Nadelfabrik ein, in der 150 Mitarbeiter beschäftigt waren. Später stieg die Familie Schervier ins Geschäft ein, die am Templergraben einen Kupferhof hatte. Im frühen 20. Jahrhundert ging der Komplex an den Maschinenfabrikanten Schiffers. Dass außer dem Tor vom Klosterrather Hof sonst nicht viel übrig ist, daran ist vor allem der Zweite Weltkrieg Schuld. Die Anlage wurde zerstört, die Ruinen abgetragen und das Grundstück wurde vom Land NRW der RWTH zur Verfügung gestellt. Auch heute noch ist das Tor offiziell im Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW.

Erstsemester werden gewarnt

„Das Tor ist irgendwie Teil der RWTH“, sagt Thorsten Karbach, Sprecher der RWTH, auf Anfrage unserer Zeitung. „Und ja, die Legende, dass es Unglück bringt, durch dieses Tor zu schreiten, bevor man seine Abschlussprüfung gemeistert hat, gibt es“, bestätigt er mit einem Augenzwinkern. Daher werde auch allen Erstsemestern an der Hochschule bereits in der Begrüßungswoche eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung mit auf den Weg gegeben, das Tor besser nicht zu durchlaufen.

Und zumindest in der Begrüßungswoche scheinen die jungen Leute auch noch aufmerksam zuzuhören: „Tatsächlich laufen die Studierenden meistens links und rechts am Tor vorbei“, schildert Karbach. Kein Wunder: Man riskiert ja, seinen Abschluss nicht zu bestehen...