Aachen: Geheimes Aachen: Die Wiege des Aachener Reitsports steht in Brand

Aachen : Geheimes Aachen: Die Wiege des Aachener Reitsports steht in Brand

Der CHIO 2018 ist längst Vergangenheit, das nächste Reitturnier beginnt in exakt 325 Tagen — natürlich in der Soers. Vergessen ist hingegen vielfach, dass die Wurzeln des Aachener Reitsports am anderen Ende der Stadt liegen. Wo heute der Gewerbepark Brand wächst, wurden zu Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Pferderennen nach englischem Muster ausgetragen.

Stadthistoriker und insbesondere auch der Bürgerverein Brand sind überzeugt, dass dort am 15. Juli 1821 das erste moderne Pferderennen in Deutschland überhaupt stattfand.

So hat es bereits der 1993 gestorbene Aachener Journalist und Sammler Helmut Aurel Crous gesehen, und so stellt es auch Bruno Kreus vom Brander Bürgerverein in seinem Abriss über die wechselvolle Geschichte des Geländes dar, das Teil der früheren Brander Heide ist und damals natürlich noch weitgehend unbebaut war.

Das Weideland in der Nähe von Gut Neuenhof bot Platz genug, um eine Anlage für internationale Rennen herzurichten und den beliebten Sport aus England auf den Kontinent zu importieren. Erste Pläne hatte es dafür bereits zu Ende des 18. Jahrhunderts gegeben, doch es sollte noch einige Jahrzehnte dauern, bis sich vor allem Großgrundbesitzer und Fabrikanten im Aachener Rennverein zusammenfanden und das erste Rennen auf der mit einigen Hindernissen ausgestatteten Rennbahn organisierten.

Geplant war dieses geschichtsträchtige Ereignis zu Ehren des Besuchs des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zunächst für den 4. Juli. Doch der für Aachener Turniere typische Regen machte den Veranstaltern schon damals schwer zu schaffen. Zweimal musste der Starttermin verschoben.

Als Pferde und Reiter dann am 15. Juli endlich auf die Piste geschickt werden konnten, war der König zwar schon wieder abgereist, die Hohenzollern waren mit Prinz Wilhelm I. aber dennoch vertreten. Als Sieger des Hauptrennens ist in den Annalen das englische Rennpferd „Pigeon“ vermerkt.

Wachsender Zuspruch

Laut Gemeinde-Chronik hat es auch in den Folgejahren Rennen gegeben, die zunehmend mehr Publikum anzogen. 1836 heißt es in einem Zeitungsbericht: „Es sind schon so viele Fremde angekündigt, dass es an Raum für Gäste mangeln wird.“ Einen zusätzlichen Aufschwung haben die Rennen durch den Bau der Vennbahn ab 1883 erhalten. Die Haupttribüne lag direkt am Bahnhof Brand, Zuschauer konnten bequem mit der Bahn anreisen. Als wichtige Förderer des Aachener Reitsports gelten in jener Zeit der Unternehmer James Cockerill und später seine Enkel Henry und Otto Suermondt.

Die große Geschichte der Pferderennen in der Brander Heide endet mit dem letzten Wettbewerb im Jahr 1896. Aus finanziellen Gründen sollen sich die Veranstalter zurückgezogen haben. Ein Jahr später hat der Aachener Rennverein das Gelände aufgegeben. Bis heute reklamieren auch andere Städte den Titel für sich, Austragungsort des ersten Pferderennens in Deutschland zu sein. Bad Doberan gehört dazu, wo die Pferde allerdings nachweislich erst 1822 erstmals an den Start gingen. Doch Heimathistoriker wie Dietmar Kottmann sind überzeugt, dass die Brander mit ihrer ehemaligen Rennbahn zu Recht Titelträger sind.

Auch ein Besuch im rheinland-pfälzischen Zweibrücken vor einigen Wochen hat Kottmann nicht irritieren können. Zwar wurde auf der dortigen, noch erhaltenen Rennbahn ebenfalls schon im Jahr 1821 ein Rennen ausgetragen. Bei genauerem Hinsehen konnte Kottmann jedoch feststellen, dass es im August stattfand. „Aachen war doch ein paar Wochen früher dran.“

Mehr von Aachener Nachrichten