Aachen: Geheimes Aachen: Die Steinwüste der Hortense von Holland

Aachen : Geheimes Aachen: Die Steinwüste der Hortense von Holland

Das hat sich Hortense von Holland sicher ganz anders vorgestellt. Die Stieftochter Napoleons, die von 1783 bis 1837 lebte, wünschte sich im Klauser Wäldchen einen wunderschönen Sommerpavillon. Hoch oben über Kornelimünster sollte er gleich neben der kleinen Klauser Kapelle stehen.

Ein wunderbares Plätzchen, um an die napoleonische Zeit in Kornelimünster zu erinnern. Und vielleicht auch ein bisschen an sich selbst, dachte Hortense vermutlich. Denn immerhin wurde in Laurensberg der „Bergbusch“, wie er damals hieß, nach Napoleons Lieblingsschwester Pauline benannt. Und so wurde daraus kurzerhand das Paulinenwäldchen.

Für Hortense, genauer gesagt Hortense Eugénie Cécile de Beau­harnais, Grund genug, sich ebenfalls ein Denkmal zu setzen, das die Bewohner des damaligen Münsterländchens für sie errichten sollten. Immerhin war sie Königin von Holland und Mutter des Kaisers Napoleon III. Nach der Restauration des bourbonischen Königtums erhielt sie den Titel einer Herzogin von Saint Leu. Sie war zudem Tochter von Alexandre Vicomte de Beauharnais und Joséphine Tascher de la Pagerie. Nach der Hinrichtung ihres Vaters während der Terrorherrschaft (1794) und der Wiederverheiratung ihrer Mutter (1796) mit Napoleon Bonaparte, wurde sie dessen Stieftochter.

„Zu dieser Zeit hieß Aachen noch Aix-la-Chapelle und war französische Hauptstadt des Departement de la Roer, also der Rur. Und Napoleons Familienangehörige hielten sich gerne hier auf“, sagt Alois Buller, Vorsitzender des Heimatvereins Kornelimünster. „Wer damals etwas auf sich hielt, der besuchte Aachen. Die Stadt war ein großer und wichtiger Badeort“, ergänzt Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne. Auch Ausflüge ins Umland gehörten zum Standardprogramm eines jeden Kuraufenthaltes.

Hortense von Holland hielt sich offenbar gerne im Klauser Wäldchen auf. „Es gilt als das älteste Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Aachen und wurde 1928 auf Anregung des Verschönerungs- beziehungsweise Heimatvereins Kornelimünster unter Naturschutz gestellt“, sagt Buller. Und das nicht ohne Grund: „Hier befinden sich unter anderem Galmeiveilchen und über 250 Jahre alte Buchen und weiteres Schützenswertes“, fährt der Vorsitzende des Heimatvereins fort.

Kein Wunder also, dass Hortense von Holland ausgerechnet diesen Ort für ihren Sommerpavillon auswählte. Vielleicht wäre er schön geworden. Fertiggestellt wurde er allerdings nie. Mehr als die acht Steinsäulen, die heute noch zu sehen sind, wurde nie errichtet. Sie sind über 200 Jahre alt und sollten als Fundament der Sommerresidenz dienen. Doch als sich die Besetzung Napoleons 1814 nach 20 Jahren dem Ende neigte, wurden die Arbeiten nicht mehr fortgeführt. Heute sind demnach nur acht unterschiedlich große Säulen am Rande der Klause zu sehen. Pohle vermutet, dass sie nachträglich zum Teil mit Betonplatten gesichert wurden.

Obelisk zu Ehren des Königs

Wer sich die kleine Steinwüste der Hortense einmal ansehen möchte, fährt am besten vom Korneliusmarkt über die Klauser Straße bis an den Rand des Klauser Wäldchens und stellt dort sein Auto ab. Den Rest des Weges sollte man zu Fuß bewältigen, da es sich um einen Anwohnerweg handelt. Dann läuft man am sogenannten Sieben-Schmerzen-Weg entlang bis hinauf zur Klause. So geht es geradewegs auf die Kapelle und die Steinsäulen zu. Aber auch ein Blick auf den Rest des Waldes lohnt sich. Oder ein Spaziergang durch eben diesen. „Der Wald gehörte bis 1802 zur Reichsabtei Kornelimünster, zum Münsterländchen und nach der Enteignung der Klöster zum französischen Staatseigentum“, sagt Buller.

GIm Jahr 1815 — nach Ende der Besatzung — ging der Wald schließlich in preußischen Besitz über. Vier Jahre später, genauer gesagt am 3. Februar 1819, schenkte der preußische König Friedrich-Wilhelm der III. der Kirchengemeinde St. Kornelius den Wald zurück. Daran erinnert bis heute ein Obelisk, der gleich neben der Klause zu finden ist. Dort stehen zudem ein paar Stühle und Tische bereit, damit man sich nach der kleinen Wanderung bis nach oben ausruhen und den Blick über Kornelimünster genießen kann.

Er hätte wahrlich schön werden können, dieser Pavillon. Potenzial hat das Fleckchen dort oben allemal.