Aachen: Geheimes Aachen: Als 4000 Soldaten am Lousberg verscharrt wurden

Aachen : Geheimes Aachen: Als 4000 Soldaten am Lousberg verscharrt wurden

20 Jahre lang haben die Franzosen über Aachen geherrscht, doch auch sie hatten offenbar keinerlei Interesse daran, ihren vielen toten Landsleuten, die der Winter 1794/95 gefordert hat, ein würdiges Andenken zu verschaffen. Mehr als 4000 französische Soldaten, so schätzt der Aachener Historiker Frank Pohle, haben an den Hängen des Lousbergs ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Es müssen fürchterliche Bedingungen geherrscht haben in den Aachener Lazaretten jener Zeit. Seit dem Spätherbst 1794 hatten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer besetzt und hier unter anderem auch das Département de la Roer, also das Rur-Departement mit Aachen als Hauptort ausgerufen.

Für Aachen begann damit eigentlich eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Wohlstands, doch beliebt waren die Franzosen und ihre Soldaten bei den Aachenern nie. Viel Kritik kam vor allem von kirchlichen Kreisen, die im Zuge der französischen Revolution um Einfluss und Besitzstand fürchten mussten. Unter anderem wurden auch viele Klöster beschlagnahmt und in Lazarette und Soldatenunterkünfte umfunktioniert.

25.000 im Winterquartier

Mehr als 25.000 Soldaten der Revolutionsarmee sollen alleine in Aachen ihr Winterquartier bezogen haben. Sie waren schlecht ausgerüstet, wurden mangelhaft ernährt, mussten unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen hausen und waren dann auch noch einer extremen Kälte ausgesetzt. In den Lagern sollen Seuchen wie Bleichsucht, Fleckfieber oder Syphilis um sich gegriffen und die Soldaten in Massen dahingerafft haben. Die Zahl der toten Soldaten in Aachen im Winter 1794/95 wird von Historikern auf mindestens 7000 geschätzt. Etwa 4000 bis 4500 von ihnen wurden wohl in Massengräbern ohne Grabsteine oder andere Hinweise auf dem Lousberg verscharrt.

Den Quellen zufolge seien die Leichen durchs Ponttor hinaus in Richtung Lousberg gefahren worden, berichtet Pohle, der als Juniorprofessor für Geschichte und Kultur der Region Maas/Rhein an der RWTH tätig und zudem Leiter der Route Charlemagne ist. Genutzt wurde unter anderem ein Hohlweg zwischen Lousberg und Salvatorberg, der heute zur Kupferstraße ausgebaut worden ist.

Hinweise auf die Massengräber seien laut Pohle unter anderem beim Bau der Theresienstraße und der Ludwigsallee entdeckt worden, als mehrere Knochen zu Tage befördert wurden. Doch die Fläche muss bei weitem größer gewesen sein und soll auch über die Kuppe hinweg nach Norden reichen. Eine ehemalige Sandgrube habe sich vermutlich ebenfalls als Grabstätte angeboten, glaubt Pohle. Und auch in einem Bombentrichter in der Nähe des Teufelsdenkmals sind einst Knochen gesehen worden.

Genaueres aber weiß man nicht. Es habe auch seitens der Franzosen, die bis 1814 in Aachen herrschten, nie den Ansatz von Gedenken gegeben, sagt Pohle, was er auch damit erklärt, dass jene Soldaten eben keinen vermeintlichen „Heldentod“ auf dem Schlachtfeld gestorben sind, sondern kläglich den widrigen Bedingungen und der schlechten Versorgungslage zum Opfer fielen.

Erst vor knapp fünf Jahren, im Februar 2013, hat die Lousberg-Gesellschaft eine Gedenkplakette an der Kupferstraße anbringen lassen, auf der seitdem zweisprachig — auf Deutsch und Französisch — an das Massengrab am Lousberg erinnert wird.

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