Aachen: Gegen Rauchverbot, „Bevormundung“ und „Prohibition“

Aachen: Gegen Rauchverbot, „Bevormundung“ und „Prohibition“

Starker Tobak: „Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“, es gelte aufzubegehren „gegen die Bevormundung“ („Wir sind das Volk“), und der Feind ist auch schon ausgemacht: „Wer hat uns verraten? Grüne und Sozialdemokraten!“, skandierten die Demonstranten am Freitag beim Zug durch die Aachener Innenstadt.

Dabei protestierten die Teilnehmer — Initiator Manfred Engelhardt sprach von 1500, die Polizei zählte 800 — zunächst einmal bloß gegen das nordrhein-westfälische Nichtraucherschutzgesetz.

Das gefährde nicht zuletzt die Existenzen von Gastwirten, damit auch die Kneipenkultur und schlussendlich auch einen wichtigen „Ort der Kommunikation“, warnte Engelhardt. Aber für Adelheid Rippe vom Aktionsbündnis „NRW genießt“ geht es um noch mehr. Ihre Eltern hätten sie ein „selbstbestimmtes Leben“ gelehrt, das lasse sie sich „von denen da oben nicht nehmen“, bekundete sie unter dem Beifall ihrer Mitstreiter. Bejubelt wurde auch ein Märtyrer der Bewegung: Friedhelm Adolfs, dessen Wohnungskündigung wegen Rauchens Schlagzeilen gemacht hatte, ließ die Aachener wissen, dass er weiter kämpfen werde.

Gegen wenn er da kämpft, beschrieb Christoph Lövenich von „NRW genießt“ mit drastischen Worten: NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens sei „die hässliche Fratze der Prohibition“. Und um die gehe es letztlich, argwöhnte Andreas Rhode, Bundestagskandidat der Piratenpartei. Die Grünen wollten „die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umerziehen“. Dagegen waren auch einige Vertreter der Aachener Liberalen auf die Straße gegangen. Frank Hansen etwa, FDP-Ortsvorsitzender Aachen-Mitte, wollte damit der „Unkultur der Bevormundung ein Zeichen der Toleranz entgegensetzen“.

Bei den Adressaten kam das am Freitag allerdings nicht an: Die Parteibüros von SPD (wo die Demo begonnen hatte) und Grünen (wo sie endete) waren feierabend- und urlaubsbedingt verwaist. SPD-Chef Karl Schultheis und Grünen-Kreisvorsitzender Reiner Priggen hatten Initiator Engelhardt deshalb schon im Vorfeld darauf hingewiesen und ihre Sicht der Dinge beim Nichtraucherschutz geschildert. Engelhardt zitierte die Schreiben, die das Publikum mit Gelächter quittierte, und bescheinigte den Politikern „Feigheit“.

Immerhin ist dadurch der SPD ein Mitglied zunächst erhalten geblieben: Rolf Derondeau, Sozialdemokrat seit 1979, wollte wegen des Gesetzes sein Parteibuch abgeben. Aber es war halt niemand da...

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