Aachen: Gegen Blockaden im Mittelmeer: „Eine Brücke bauen zu sicheren Häfen“

Aachen: Gegen Blockaden im Mittelmeer: „Eine Brücke bauen zu sicheren Häfen“

„Geboren, um zu leben.“ Das bekannte Lied der Band Unheilig schallte am vergangenen Samstag aus großen Boxen über den Markt. Vor dem Rathaus versammelten sich am Nachmittag rund 1200 Menschen zu einer Kundgebung der Seebrücke Aachen für Seenotrettung im Mittelmeer, um anschließend an einem Demonstrationszug durch die Innenstadt teilzunehmen. Das Motto der Veranstaltung lautete: „Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen!“

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die, die für menschenverachtende Hetze stehen, nicht die Mehrheit stellen“, erläuterte Darius Dunker, Mitglied der Partei Die Linke. „Wir können unsere Zukunft nicht auf Tote bauen!“, erklärte der Initiator des Projekts, Christoph Alle-mand, die Beweggründe.

40 Unterstützer in einer Woche

Vor rund einer Woche gründete sich die Seebrücke Aachen, um in dieser knappen Zeit die Kundgebung vorzubereiten. Jetzt konnte Allemand, Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Aachen, bereits von 40 Unterstützern berichten — darunter auch SPD, Grüne, Verdi und der Verein Jugend Rettet. Er setze sich gegen die Kriminalisierung privater Seenotrettung ein. „Die öffentliche Diskussion ist verroht: Wie kann man wollen, dass Menschen — zur Abschreckung weiterer Flüchtlinge — im Mittelmeer sterben?“, fragte Allemand.

Demonstranten jeden Alters skandierten gemeinsam: „Um Europa keine Mauer!“ und zogen, EU-Flaggen schwenkend, am Aachener Bushof, dem Elisenbrunnen und dem Dom vorbei bis zurück zum Rathaus. Kaum ein Passant war dabei anzutreffen, der nicht positiv auf die friedliche Demo reagierte.

Nachdem sich die Oberbürgermeister von Köln, Düsseldorf und Bonn in einem offenen Brief für die Aufnahme in Not geratener Flüchtlinge ausgesprochen hatten, war eine der zentralen Forderungen der Veranstalter in Aachen klar: Die Kaiserstadt solle sich dieser Position anschließen. Dabei wurden auch Fluchtursachen und deren Lösung diskutiert. „Wir plündern Afrika erbarmungslos aus!“, ging Kurt Schiwy von Sea-Watch e.V. während seiner Rede auf eine von vielen Ursachen ein. Konzerne wie Shell trügen zentral zu den schlechten Lebensumständen der dortigen Bevölkerung bei. „Wir brauchen eine Art Marshall-Plan für Afrika“, so Schiwy.

Andrej Hunko, europapolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken, formulierte hingegen deutlich, was eben keine Bekämpfung von Fluchtursachen sei: Die libysche Küstenwache versuche mit teils menschenverachtenden Methoden, Flüchtende auf dem Mittelmeer abzufangen und nach Libyen zurückzubringen. In diesem Zusammenhang ging der Aachener Abgeordnete auch auf die anteilige Finanzierung der libyschen Küstenwache durch die EU ein. Ein Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch wiederum nahm Bezug auf verheerende Zustände in den dortigen Auffanglagern: Man habe es mit Vergewaltigungen, Körperverletzung und Menschenhandel zu tun.

Umso größer war die Verständnislosigkeit vieler über den derzeitigen Stopp der Seenotrettung im Mittelmeer. Neben dutzenden Sprüchen wie „Menschenrechte enden nicht am Mittelmeer“ oder „Seerettung statt Seehofer“ stach besonders ein Plakat in Anspielung an den ersten Artikel des Grundgesetzes heraus: „Der Gartenzaun der Deutschen ist unantastbar — oder so ähnlich.“

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