Gedenken an Hiroshima: Kundgebung in der Aachener Innenstadt

Demo gegen neues atomares Wettrüsten : Hiroshima als ewige Mahnung gegen Krieg

Rund 80 Teilnehmer der Mahn- und Gedenkdemo „Hiroshima mahnt“ sind am Dienstagabend am Kugelbrunnen zusammengekommen, um anschließend an verschiedenen Stationen auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen: Atomwaffen endgültig zu ächten.

„Einst brutaler Sachsenschlächter, bin ich heute ein echter Friedensverfechter“: Mit diesem Plakat schmückten die Demonstranten das Denkmal von Kaiser Karl am Marktplatz und machten ihn so – zumindest vorübergehend – zu ihrem „Überraschungsgast“.

Zum einen erinnerten sie an das unsägliche Leid, das die erste Atombombe, die von den US-Militärs am 6. August 1945 über Hiroshima gezündet wurde, verursacht hat. Zum anderen richteten sie ihren Blick auf die drei Standorte in der Nähe von Aachen, an denen derzeit Atomwaffen gelagert werden: In Volkel (Niederlande), Büchel (Deutschland) und Kleine Brogel (Belgien).

Karl als Demonstrant: Auch das Kaiser-Denkmal auf dem Marktbrunnen bekam ein Transparent verpasst. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Neues Wettrüsten befürchtet

„Die atomare Bedrohung ist wieder deutlicher zu spüren“, sagt Bernd Bremen, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner Städteregion Aachen. Dass der INF-Vertrag (Washingtoner Abkommen über nukleare Mittelstreckensysteme) im Februar von den Amerikanern gekündigt wurde, mache ihm ganz besonders große Sorgen. Er befürchte nun ein atomares Wettrüsten in Europa und wolle entsprechend ein Zeichen setzen. Gemeinsam mit den Demonstranten forderte er die dauerhafte Abschaltung aller Atomanlagen, ein Verbot von Atomwaffen und eine schrittweise Abrüstung.

Bremen wünscht sich, dass sich Städteregionsrat Tim Grüttemeier diesen Forderungen anschließt. Und auch Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken, sieht in solchen Maßnahmen ein probates Mittel, um gegen Atomwaffen zu mobilisieren. „Schon 40 deutsche Städte fordern zum Verbot von Atomwaffen auf“, sagte er und fügte hinzu: „Aachen sollte das auch tun.“ Genau dafür wolle er in den kommenden Wochen werben.

In einer Erklärung der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffenkönnen (ICAN) beispielsweise können Abgeordnete ein Verbot von Atomwaffen ausdrücklich begrüßen und ihrer Sorge über die „katastrophalen humanitären Auswirkungen jeglichen Gebrauchs von Atomwaffen“ Ausdruck verleihen. Die Abschaffung von Atomwaffen als hohes, globales Gut zu propagieren, ist auch Bernd Bremen ein wichtiges Anliegen.

„Tihange ist allgegenwärtig“

Unter den Demonstranten der Mahndemo waren unter anderem Vertreter von Greenpeace, aus der Friedensarbeit und auch viele interessierte Bürger. Sie alle fordern ein Zurück zu den Verhandlungen und zu einer nachhaltigen Entspannungspolitik. „Das Thema Tihange ist allgegenwärtig, aber die Atomwaffen und das erneute Wettrüsten sind in den Köpfen noch nicht wirklich angekommen“, meinten viele der Demonstranten. Sie starteten am Kugelbrunnen, wanderten von dort über den Elisenbrunnen bis zum Markt und beendeten die Demo schließlich am Super C. Dort zeigten sie Bilder aus einer Hiroshima-Ausstellung, deren Rückseiten sie mit ihren Forderungen versehen hatten.

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