Aachen: Gedeckelte Betreuungszeiten finden kaum Anhänger

Aachen : Gedeckelte Betreuungszeiten finden kaum Anhänger

In Ruhe und ohne Zeitdruck wollen sich die Politiker des Kinder- und Jugendausschusses mit dem Entwicklungsplan in Sachen Kindertagesstätten auseinandersetzen. Das Ansinnen der Verwaltung, die 45-Stunden-Betreuung in den Kitas aus Kostengründen zu deckeln, hat sie offensichtlich überrascht.

Deshalb nahmen sie den Punkt in ihrer jüngsten Sitzung von der Tagesordnung: In einer Sondersitzung soll nunmehr in aller Ausführlichkeit über den Ausbau der Plätze für unter Dreijährige (U3) sowie über die von der Verwaltung vorgeschlagene Deckelung der 45-Stunden-Kontingente beraten werden.

Gerade diese längste Betreuungszeit ist bei vielen Eltern stark gefragt, weil sie ihnen deutlich mehr Flexibilität bietet als etwa die 25-Stunden- oder 35-Stunden-Betreuung. Da sie für die Stadt aber teurer ist, hat die Verwaltung für 2016/17 eine Deckelung angekündigt, wonach dann nicht mehr als 75 Prozent der U3-Kinder und nicht mehr als 85 Prozent der Ü3-Kinder diese längste Betreuungszeit wählen können.

Bedarf erfüllen

„Viele Leute waren überrascht von diesem Vorschlag“, sagte Peter Tillmanns (CDU). Schon im Vorfeld machten allerdings auch seine Kollegen Bernd Krott (SPD) und Hilde Scheidt (Grüne) deutlich, dass ein derart eingeschränktes Betreuungsangebot bei ihnen auf wenig Gegenliebe stößt. Vor allem Berufstätige benötigen oft die längeren Betreuungszeiten, argumentieren sie. Der Bedarf der Eltern müsse erfüllt werden, meinen die Kinder- und Jugendpolitiker.

Hilde Scheidt schlug ferner vor, dass sich auch der Personalrat mit der Verwaltung beraten soll, bevor die Politiker das Thema erneut aufgreifen. Der Personalrat hat scharfe Kritik am Verwaltungsvorstand geübt, da er erst aus den „Nachrichten“ von der geplanten Deckelung erfahren hat, die auch Auswirkungen auf die Personalplanung in den Kindertagesstätten hat.

Unabhängig davon fordern CDU und SPD in einem Antrag, dass die Verwaltung ausführlich darlegen soll, wie der U3-Ausbau in Aachen vorangetrieben werden soll. Erklärtes Ziel ist es, ab 2017 mindestens jedem zweiten Kind zwischen vier Monaten und drei Jahren einen Betreuungsplatz bieten zu können. Um diese 50-Prozent-Quote zu erreichen, wären 400 weitere Betreuungsplätze notwendig. Noch bleibt die Stadt also deutlich hinter den Anforderungen zurück.

Die Vertreter der großen Koalition wollen nun genauer wissen, „was, wann, wo und mit welchen Kosten umgesetzt wird“, so Tillmanns. Auch Krott hält die Bestandsaufnahme für nötig, „um eventuell nachjustieren“ zu können. Ein bedarfsgerechtes und ausreichendes Angebot an qualitativ guten Kinderbetreuungsplätzen sei die Voraussetzung für eine kinder- und familienfreundliche Stadt, heißt es in dem Antrag.

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