Aachen: Gebärdenreicher Sommernachtstraum in der Theaterschule

Aachen : Gebärdenreicher Sommernachtstraum in der Theaterschule

Sommernachtstraum nach William Shakespeare in Gebärdensprache

Wenn Gehörlose applaudieren, heben sie die Arme und bewegen die Hände schnell von rechts nach links: Genau das taten viele der Zuhörer nach der Vorstellung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ in der Theaterschule. Mindestens 50 Prozent der Zuschauer waren Gehörlose, und gehörlos waren zum größten Teil auch die, die auf der Bühne standen.

Für sie ist diese Form des Applauses die deutlich sichtbare Bestätigung ihrer Arbeit. Unter der Leitung von Gerda Lachmann und Diana Margolina haben sie den „Sommernachtstraum“ mit einfachen Mitteln auf die Bühne gebracht. Statt pompösem Bühnenbild sorgten auf große Banner gemalte Bäume für Ambiente, und auch bei den Kostümen kam die Truppe mit wenigen Details aus.

Der kleine Droll zum Beispiel, der für viel Unruhe sorgt, ist an seinen spitzen Ohren zu erkennen. Und so nimmt das Verwirrspiel um die Liebe seinen Lauf. Die Schauspieler sprechen in Gebärden, Dolmetscherin Christel Straaten übersetzt für die Zuschauer, die dieser Sprache nicht mächtig sind. Da sie den Text kennt, fällt ihr das nicht schwer. Aufgeregt ist sie aber doch: Das hörende Publikum ist auf ihre Übersetzungen angewiesen.

Zu Beginn stellen sich die Schauspieler mit Gebärden vor. Als klar ist, wer wer ist, geht es schon los: „Meine Tochter Hermia ist in den Falschen verliebt“, klagt Egeus. Gemeint ist Lysander. Dabei soll Hermia doch Demetrius heiraten, aber von ihm will sie nichts wissen. Hermia und Lysander beschließen zu fliehen. „Wir laufen nach Köln, und dort heiraten wir“, sagen sie zur Freude des Publikums, das einverstanden ist mit der neuen Verortung des Stücks.

Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf, als Droll versehentlich den falschen Mann mit Liebesgras verzaubert. Alles gerät durcheinander, und plötzlich sind Lysander und Demetrius in die schön Helena verliebt. Die Zuschauer haben offensichtlich ihre Freude an den Verwicklungen. „Großartig“, sagt eine Dame aus dem Publikum im Anschluss. Gerade für die Gehörlosen war dieses Schauspiel etwas ganz Besonderes.

Die „Schauspielgruppe in Gebärdensprache“ ist ein Projekt der Theaterschule und dem Hörgeschädigtenzentrum Aachen und Umgebung. Laut Gerda Lachmann und Diana Margolina haben alle Beteiligten großen Spaß an der Theaterarbeit.

Es sei für die Gruppe etwas Besonderes, vor Publikum zu spielen. Für Mary-Ann Berger war es das vermutlich nicht. Sie ist Schülerin der Theaterschule und als Egeus kurzfristig eingesprungen. „Die Gebärden zu lernen, war gar nicht so schwer“, sagt sie. Dass Gehörlose und Hörende beim „Sommernachtstraum“ gemeinsam auf ihre Kosten kamen, können die Organisatoren nicht zuletzt auch als großen Erfolg in Sachen „Inklusion“ verbuchen.

Am Mittwoch, 11. Oktober, gibt es um 20 Uhr eine weitere Aufführung von „Ein Sommernachtstraum“ in der Theaterschule.

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