Aachen: „Gauck nicht zu wählen, ist sehr schwer”

Aachen: „Gauck nicht zu wählen, ist sehr schwer”

Nie hat die Stadt eine größere Delegation zur Bundesversammlung entsandt als dieses Mal. Sieben Aachener werden am 30. Juni in Berlin mitentscheiden, wer der neue Bundespräsident wird.

Es sind die vier Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke (CDU), Ulla Schmidt (SPD), Petra Müller (FDP) und Andrej Hunko (Linke) sowie die drei Landtagsabgeordneten Armin Laschet (CDU), Karl Schultheis (SPD) und Reiner Priggen (Grüne). Aus lokaler Sicht liegen die Kandidaten Christian Wulff (Schwarz-Gelb) und Joachim Gauck (Rot-Grün) damit gleichauf, abgeschlagen hingegen Luc Jochimsen (Linke).

Die größten Sympathien erntet dabei eindeutig Gauck, für den auch Henke und Müller viele lobende Worte finden. „Keine Frage, Gauck ist eine gute Idee”, sagt Henke. Gleichwohl werde er genau wie Parteifreund Laschet für Wulff stimmen. Die Kandidatur des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers und Stasi-Aufklärers Gauck begrüßt Henke auch deshalb, weil sie „in seltener Klarheit” die Geisteshaltung der Linken und deren Verhältnis zu „Fragen von Freiheit und Demokratie” entlarve.

Auch Petra Müller wird für Wulff stimmen, erklärt jedoch zugleich: „Gauck nicht zu wählen, ist sehr schwer.” Es sei sehr trickreich von Rot-Grün gewesen, einen „Mann mit dieser Reputation und Lebensleistung” ins Rennen zu schicken. „Gauck bringt alles mit, was wir uns gewünscht haben.” Sie weiß aber auch: Wenn Wulff nicht gewählt wird, „haben wir eine Regierungskrise”.

Damit spekuliert auch Rot-Grün. Sollte Wulff durchfallen, gäbe es für Merkel und Westerwelle keine Mehrheit mehr, Neuwahlen im Bund wären eine denkbare Folge. So wirbt auch Schultheis verstärkt für Gauck: „Er ist ein richtig guter Mann.” Wie Ulla Schmidt wird er für ihn stimmen.

Nicht anders als Reiner Priggen, der für die Grünen bereits zum vierten Mal einen Bundespräsidenten mitwählt und damit als alter Hase gelten kann. Er rechnet mit mehreren Wahlgängen und hofft, dass es am Ende doch noch für Gauck reichen könnte. Völlig verständnislos zeigt er sich hingegen über die Haltung der Linken, die die Journalistin Jochimsen ins Rennen schickt.

Für sie wird Andrej Hunko stimmen - zumindest im ersten Wahlgang. Hunko rechnet damit, dass der „CDU-Klassensprecher Wulff” dann bereits gewählt ist - falls nicht, werde er danach neu beraten. Obwohl ihn „einige Mails” erreicht haben, auch für Gauck zu stimmen, sehe er dafür keinen Anlass.

„Zu Punkten, die für uns wichtig sind wie Afghanistan-Krieg, Hartz IV und Sozialabbau, hat er sich nie kritisch geäußert.” Er sei kein Anhänger der DDR, betont Hunko, Gauck aber sei für ihn „ein rückwärtsgewandtes Symbol”.

Die Bundesversammlung tritt nur für die Wahl des Bundespräsidenten zusammen und setzt sich aus den 622 Bundestagsabgeordneten und einer gleich hohen Zahl von Mitgliedern zusammen, die von den Ländern gewählt werden. NRW entsendet diesmal 133 Delegierte.

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