Aachen: Gates: Keine Hoffnung mehr

Aachen: Gates: Keine Hoffnung mehr

„Wir haben alles versucht, alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Ich weiß nicht, was jetzt noch die Entscheidung ändern könnte.” Eine gewisse Resignation spricht aus diesen Worten von Dennis Radtke, auch Bitterkeit und Wut.

Mit vier Kollegen vom Betriebsrat ist der IGBCE-Sekretär am Montag nach London geflogen, zur Aktionärsversammlung des Tomkins-Konzerns. Zu dem gehört die Gates-Corporation, und die hat bekanntlich angekündigt, die Produktion in Aachen zu beenden. Seit Mittwoch ist diese Entscheidung, gegen die es viele Proteste gegeben hatte, wohl unumstößlich. 350 Arbeitnehmer verlieren damit in zwei Stufen ihren Arbeitsplatz, die Sparte Zahnriemen zum Ende dieses Jahres, die Abteilung Ölpumpen Ende 2010. Bleiben sollen in Aachen nur Forschung, Entwicklung und Verwaltung mit rund 100 Mitarbeitern.

Damit sind alle Versuche der Belegschaft und der Stadt gescheitert, ein Alternativmodell anzubieten. Die Arbeitnehmer hatten sich damit über Monate intensiv befasst und einen Unternehmensberater sowie einen Wirtschaftsingenieur als externe Sachverständige hinzugezogen. Sie waren zu erheblichen Zugeständnissen bereit, wollten etwa auf 50 Prozent des Weihnachtsgeldes verzichten, eine Lohnreduzierung um fünf Prozent und die Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich akzeptieren. 5,5 Millionen Kostenreduzierung wären das jährlich gewesen, hatten die Fachleute ausgerechnet.

Stadt zog mit

Auch die Stadt hätte, wie von OB Jürgen Linden während der Mahnwachen versprochen, mitgezogen. Sie wollte ein benachbartes Grundstück zur Verfügung stellen, gar eine Halle hochziehen lassen, um diese Gates langfristig und günstig zu verpachten. Denn Gates in Aachen, ein hochprofitables Werk, leidet nicht an zu wenigen, sondern an zu vielen Aufträgen, fährt momentan auch Überstunden. Die Firma braucht nach einem Großauftrag über hochmoderne Ölpumpen zusätzliche Produktionskapazitäten. Die sollen jedoch, so die Entscheidung der Konzernspitze im Februar, im türkischen Izmir entstehen, die Zahnriemenherstellung soll nach Schottland verlagert werden.

„Super unangenehm”

Mehrere Versuche hatte die Aachener Belegschaft unternommen, diese Entscheidungslage noch zu ändern, unter anderem durch den lautstarken Protest einer mehr als 100-köpfigen Delegation vor der Londoner Konzernzentrale.

Am Pfingstmontag folgte der letzte Anlauf: Teilnahme an der Tomkins-Aktionärsversammlung. Man sei in der relativ kleinen Versammlung mit etwa 130 Teilnehmern freundlich empfangen und auch von Aufsichtsrat und Vorstand begrüßt worden, schildert Gewerkschaftssekretär Radtke. „Man hat uns erwartet.”

Die Aachener hätten auch ihre Position vorstellen und kritische Fragen stellen können, seien aber von den Managern abgewürgt worden, obwohl einige Kleinaktionäre durchaus großes Interesse bekundet hätten: „Das war denen super unangenehm.” Letzten Endes sei von den Verantwortlichen befunden worden, dass die Hauptversammlung nicht das richtige Forum sei. Es handele sich um eine strategische Entscheidung, in Niedriglohnländern wie der Türkei mit wachsenden Märkten vertreten zu sein, so die Begründung, auch die Kunden forderten dies.

Der Gewerkschafter macht sich darauf seinen eigenen Reim: „Es geht mehr um die Eitelkeiten der Manager. Die haben eine Entscheidung getroffen und wollen jetzt nicht ihr Gesicht verlieren. Das ist das Frustrierende.” Nun bleiben nur noch die Verhandlungen über einen Sozialplan. Radtke: „Bisher liegt kein vernünftiges Angebot auf dem Tisch.”

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