Aachen: Gasballons und Caratgas: Gutachten soll Gefahren abschätzen

Aachen : Gasballons und Caratgas: Gutachten soll Gefahren abschätzen

Es war ein Bericht der „Nachrichten“, der auf ein Problem im Umfeld des Gewerbegebiets „Grüner Weg“ aufmerksam machte. Der Beitrag vom September behandelte Konsequenzen, die sich aus dem Vorhandensein sogenannter „Störfallbetriebe“ ergeben können.

Denn diese Störfallbetriebe, die in der Regel mit „gefährlichen Gütern“ handeln, sie aufbewahren und letztlich damit auch vor Ort hantieren, sind von einer durch die Bezirksregierung Köln festgesetzten Schutzzone von 350 Metern umgeben. Dies ist eine Zone, in der bestimmte Grundstücksnutzungen nur eingeschränkt genehmigt werden können. Das hatte einen Betrieb in der Lukasstraße getroffen, dessen Eigentümer das Grundstück an eine kirchliche Gemeinde verkaufen wollte. Die Nutzungsänderung hatte die Stadt im Bauantrag ausgeschlossen, weil das Gebiet für größere Menschenansammlungen nicht genehmigungsfähig sei.

Das nahm jetzt „Die Linke“ im Planungsausschuss zum Anlass, das Thema öffentlich zu behandeln. Mit dem Betrieb „Caratgas“ am Grünen Weg und mit den Stawag-Gasballons nahe dem Prager Ring, so der Linken-Vertreter und Architekt Marc Beus, gehe eine mögliche Gefahr direkt von zwei Einrichtungen aus.

Die Verfügung, man müsse dort in alle Richtungen nun einen Schutzradius von 350 Metern einhalten, ist dem Linken-Vertreter zu pauschal. Er forderte die Erstellung eines Gutachtens, auch damit nicht Grundstückswerte unnötig in Mitleidenschaft gezogen würden. Es sei ja möglich, dass man an bestimmten Stellen auch mit weniger Raum auskommen könne, meinte Beus. Außerdem wundere ihn, dass die Stadtverwaltung eine so große Versammlungsstätte wie die nicht weit weg an der Liebig-Straße gelegene Diskothek genehmigt habe.

„Wir wollen mit dem Thema natürlich keine Panik machen“, versicherte Beus. Dennoch sei die Handhabung unterschiedlich und müsse überprüft werden — also ein Gutachten. Das Begehren wies die städtische Planerin Heike Ohlmann vorsichtig zurück. Prinzipiell sei die mittlere Behörde, die Bezirksregierung in Köln, zuständig. Auch müsse man überlegen, ob nicht diejenigen, die ein Grundstück in dem Gebiet besitzen, für ein Gutachten aufkommen sollten. Ein weiterer Vertreter der Verwaltung berichtete von den Schutzbestimmungen der EU-Richtlinie „Seveso II und III“, in denen die Konsequenzen der Chemiekatastrophen in Seveso (1976), Bhopal (1984) und Basel (1986) aufgearbeitet wurden.

Das sei natürlich nicht zu vergleichen mit den Gegebenheiten am Grünen Weg, hieß es. Allerdings machte sich bei allen Fraktionen die Erkenntnis breit, hier Aufklärung betreiben zu müssen. So befürwortete Alexander Gilson für die CDU, dass man an die Bezirksregierung herantreten solle, um ein Gutachten einzufordern. Dieser Brief, so setzte nach dem Vorschlag des Vorsitzenden Harald Baal der Ausschuss den Kölnern eine Frist, solle bis spätestens April 2016 beantwortet werden. Claus Haase (SPD) merkte skeptisch an, dass es lange dauern werde, bis sich Köln überhaupt bewege.