Aachen: Ganze 2433 Helfer gegen den Blutkrebs

Aachen: Ganze 2433 Helfer gegen den Blutkrebs

„Heute schon ein Leben gerettet?“ Rote Luftballons und auffällige Werbeschilder weisen den Weg ins Super C: Mit einem winzigen Abstrich der Mundschleimhaut kann man sich hier als Lebensretter entpuppen.

Die Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) an der RWTH stößt auf große Resonanz unter den Studierenden: Schon zehn Minuten, bevor sich um 10 Uhr die Tore öffneten, ist die Warteschlange vor dem Super C am Templergraben enorm lang. Bilanz am Ende des Tages: 2433 Menschen haben sich typisieren lassen. Das sind noch einmal mehr als bei der Aktion vor zwei Jahren.

Die einzige Chance

Alle 16 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellenspende ist. Doch jeder fünfte Patient findet keinen Spender. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) vermittelt Stammzellspenden an Blutkrebspatienten und gibt ihnen dadurch eine neue Lebenschance. Der Wunsch, an der RWTH möglichst viele junge Leute zu erreichen, erfüllt sich.

Der Erfolg der vergangenen Aktion war groß: Immerhin verdanken 17 Blutkrebspatienten ihre Stammzellenspender dem Aachener Typisierungsaufruf. Drei von ihnen — Jonas Sieger, Sabine Meyer und Justus Scholz — sind diesmal persönlich zugegen, informieren die neuen Spender und Interessierten über den Kampf gegen den Blutkrebs

Das Studentenwerk hat Getränke und belegte Brötchen gespendet, damit die vielen Helfer sich stärken können. Der Erlös aus einer großen Tombola, Glühweintrinken und dem Verkauf von frischgebackenen Waffeln kommt der Arbeit der DKMS zugute.

Johanna Sckaer, Nada Abedin und Luisa Averdunk organisieren die Aktion von studentischer Seite. „Wir haben uns bei der letzten Aktion vor zwei Jahren selbst typisieren lassen und uns nun gerne gemeldet, um auch von organisatorischer Seite zu helfen“, sagt Studentin Nada Abedin. Auf insgesamt 130 fleißige Helfer können die drei jungen Frauen an diesem Mammut-Tag bauen. Über insgesamt acht Stunden reißt der Strom der Studierenden nicht ab. Bis zum Mittag können bereits 800 Typisierungen vermeldet werden.

Das ist für die Betroffenen überlebenswichtig. „Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender“, sagt Johanna Sckaer. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der eigenen Familie zu finden, liegt aber bei 1 zu 20 000 bis 1 zu mehreren Millionen.

Die Registrierung bei der DKMS ist ganz einfach: Etwa acht Minuten werden für die Datenabfrage samt Wangenabstrich angesetzt, bis zu 30 Registrierungen laufen parallel ab. Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich der Wangenschleimhaut genommen.

Spender werden kann jeder gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren, wie der AStA-Vorsitzende Raphael Kiesel erklärt. Er ist den ganzen Tag über als Nikolaus unterwegs, verteilt an die allerersten Typisierten an diesem Morgen Nikolausmützen — und hat sich natürlich auch schon selbst typisieren lassen.

Am Ende des Tages freuen sich die Organisatoren sehr über die mehr als 2400 Registrierungen. „Das Verfahren ohne Blutabnahme ist für viele weniger abschreckend“, erklärt Nada Abe­din.

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