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„One Billion Rising“

Ganz in Rosa gegen Gewalt an Frauen

„Bewegen, erheben, leben“: Mit Tanz und Aktionen in vielfach rosafarbenen Kleidern haben am Freitagabend rund 100 Mädchen und Frauen in der City mobil gemacht gegen männliche Gewalt. FOTO: Heike Lachmann

Aachen „Gewalt gegen Frauen ist kein privates Thema, sondern öffentlich und politisch“, ließ Aachens Gleichstellungsbeauftragte Sabine Bausch ausrichten, als sich am Freitagabend rund 100 Demonstranten am Willy-Brandt-Platz trafen, um unter anderem gegen Gewalt an Frauen und für Gleichberechtigung einzutreten.

Unter dem Motto „One Billion Rising“ waren in diesem Jahr auch Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Gestaltung und Technik mit von der Partie. Zuvor hatten sich die jungen Künstler des Berufskollegs mehrere Tage in der Bleiberger Fabrik mit dem Thema „Gleichberechtigung, Gewalt und Freiheit“ auseinandergesetzt und dann eine Modekollektion aus Papier entworfen.

Der 22-jährige Ayan Rebwar hat die Gender-Symbole zu einer Krone verarbeitet und sie auch sonst als eine Art überdimensioniertes Accessoire genutzt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema habe ihm gut gefallen, sagt er. Demnach setzt er sich auch am Aktionstag sehr gern für Gleichberechtigung ein und meint: „Das macht sehr viel Spaß.“ Ansonsten waren die Frauen ganz eindeutig in der Überzahl an diesem besonderen Tag: Viele hatten rosafarbene Kleidungsstücke gewählt, um auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Und zwischen den Statements zu dem doch eher ernsten Thema wurde immer wieder ausgelassen getanzt.

Das Frauennetzwerk in der Städteregion Aachen hat auch in diesem Jahr wieder ein breites Bündnis an Unterstützerinnen und Unterstützern gewinnen können, um den Aktionstag zu gestalten. Unter dem Motto „Bewegen, erheben, leben“ gingen weltweit Menschen auf die Straße, um tanzend das Ende der Gewalt gegen Frauen zu fordern. Eva Beitin von „Fem AC“ gab in ihrem Beitrag einen unterhaltsamen Anstoß, „romantische Konzepte zu überdenken. Denn die Realität ist eine andere“, sagte sie und erinnerte an steigende Scheidungsquoten und häusliche Gewalt. Gerade am Valentinstag sei es an der Zeit, herkömmliche Vorstellungen zu hinterfragen. Und dass Singles schnell auch bemitleidet würden, sei alles andere als zeitgemäß, sagte sie.

„Wir tanzen heute gemeinsam, um uns solidarisch zu zeigen mit all jenen Frauen, die auch in diesem Jahr Opfer von Gewalt werden, die geschlagen und psychisch oder sexuell verletzt werden“, verlas Renate Wallraff vom Frauennetzwerk Städteregion Aachen in Vertretung den Text von Sabine Bausch. Und alle Organisationen bauen darauf, dass von Jahr zu Jahr mehr Menschen – Männer und Frauen – aufstehen, um sich gemeinsam für Gleichberechtigung einzusetzen und gegen Gewalt zu protestieren.

Die Stimmung am Aktionstag jedenfalls war sehr gut, und die Modenschau des Berufskollegs für Gestaltung und Technik war weitaus mehr als nur ein Augenschmaus. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich sehr viele Gedanken zu ihren Entwürfen gemacht. Ein wahres Meer an Blüten präsentierte die 17-jährige Dijona Hamipi: „Die Blüten symbolisieren die in ihren Vorstellungen gefangene Frau“, erläuterte sie, eine Befreiung sei aber möglich.

Patriarchalische Strukturen sind nach Meinung von Sabine Bausch auch heute noch lebendig, und sie führten dazu, dass Männer zum Teil immernoch irrtümlicherweise glaubten, ein Recht auf die Beherrschung der Frau zu haben. Am Aktionstag setzten sich Frauen und Männer gleichermaßen dafür ein, solche Strukturen zu sprengen.

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